In Sachsen-Anhalt hat ein neues Pilotprojekt begonnen, das die Gewinnung von Lithium aus Geothermie-Tiefenwasser in Deutschland vorantreibt. Die Initiative von Neptune Energy, dem Fraunhofer IEG und Evonik könnte eine wichtige Rolle für die heimische Batteriezellproduktion spielen und die Abhängigkeit von Importen reduzieren.
Wichtige Erkenntnisse
- Neptune Energy, Fraunhofer IEG und Evonik arbeiten an der Lithiumgewinnung.
- Das Pilotprojekt nutzt Tiefenwasser aus 4000 Metern in Sachsen-Anhalt.
- Adsorptionstechnik soll Lithium effizient filtern.
- Ziel ist die Versorgung der deutschen Batteriezellproduktion.
- Deutschland verfügt über Europas größte Lithiumressource im Oberrheingraben.
Deutschlands größte Lithiumressource: Ein strategisches Ziel
Deutschland verfügt über eine der größten Lithiumressourcen Europas. Diese befindet sich hauptsächlich im Oberrheingraben, wo Schätzungen zufolge bis zu 10 Millionen Tonnen Lithiumkarbonatäquivalent (LCE) lagern. Diese Menge könnte den Bedarf von über 400 Millionen Elektrofahrzeugen decken. Die Gewinnung dieses heimischen Lithiums ist entscheidend, um die europäische Batteriezellproduktion zu stärken und die Lieferketten zu diversifizieren.
Die aktuelle Pilotanlage in Sachsen-Anhalt, entwickelt vom Fraunhofer IEG, ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Sie soll die Machbarkeit der Lithiumgewinnung aus thermalen Wässern demonstrieren und optimieren. Neptune Energy, ein führender Gasproduzent, bringt seine Expertise in der Tiefenbohrung und dem Management geothermischer Reservoire ein.
Fakten zur Lithiumgewinnung
- Ressource: Bis zu 10 Millionen Tonnen Lithiumkarbonatäquivalent (LCE) im Oberrheingraben.
- Bedarf: Könnte über 400 Millionen Elektrofahrzeuge versorgen.
- Tiefe: Lithiumhaltiges Thermalwasser wird aus bis zu 4000 Metern Tiefe gefördert.
- Verfahren: Adsorptionstechnik zur selektiven Abtrennung von Lithiumionen.
Die Rolle der Adsorptionstechnik
Im Zentrum des Pilotprojekts steht eine innovative Adsorptionstechnik. Diese Methode ermöglicht es, Lithiumionen selektiv aus dem Thermalwasser zu filtern. Das Fraunhofer IEG hat diese Technologie entwickelt und kontinuierlich verbessert. Evonik, ein Spezialchemieunternehmen, liefert die Adsorptionsmaterialien, die für diesen Prozess unerlässlich sind.
Das Verfahren ist umweltfreundlich, da das Thermalwasser nach der Lithiumextraktion wieder in den Untergrund zurückgeleitet wird. Dies minimiert den Eingriff in die Umwelt und ermöglicht eine nachhaltige Nutzung der geothermischen Ressourcen. Die Anlage in Sachsen-Anhalt ist darauf ausgelegt, die Effizienz und Wirtschaftlichkeit dieses Prozesses unter realen Bedingungen zu testen.
„Die Gewinnung von Lithium aus geothermischen Quellen bietet eine einzigartige Chance für Deutschland, sich als wichtiger Akteur in der Batteriewertschöpfungskette zu positionieren und gleichzeitig nachhaltige Energie zu nutzen“, so ein Sprecher des Fraunhofer IEG.
Nachhaltigkeit und Effizienz im Fokus
Die Adsorptionstechnik zeichnet sich durch ihre hohe Selektivität für Lithium aus. Dies bedeutet, dass andere Mineralien im Thermalwasser nicht unnötig mitextrahiert werden, was den Prozess sauberer und effizienter macht. Die Wiederinjektion des Wassers sichert nicht nur die Nachhaltigkeit, sondern erhält auch den Druck im geothermischen Reservoir, was die langfristige Nutzung ermöglicht.
Die Pilotanlage in Sachsen-Anhalt wird wichtige Daten liefern, um die Technologie weiter zu optimieren und für den industriellen Maßstab vorzubereiten. Ziel ist es, ein Verfahren zu etablieren, das nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich rentabel ist.
Kooperation für die Zukunft der Elektromobilität
Die Zusammenarbeit von Neptune Energy, dem Fraunhofer IEG und Evonik ist ein Beispiel für eine strategische Partnerschaft, die unterschiedliche Expertisen bündelt. Neptune Energy bringt seine Erfahrung im Bereich der Untergrundexploration und -entwicklung ein. Das Fraunhofer IEG liefert die wissenschaftliche und technische Expertise in der Geothermie und Lithiumgewinnung.
Evonik steuert als Spezialchemieunternehmen die Entwicklung und Bereitstellung der notwendigen Materialien bei. Diese Synergien sind entscheidend, um ein so komplexes Projekt erfolgreich umzusetzen und Deutschland auf dem Weg zu einer unabhängigeren Rohstoffversorgung für die Elektromobilität voranzubringen.
Hintergrund zur Lithiumnachfrage
Die weltweite Nachfrage nach Lithium steigt rasant an, angetrieben durch die wachsende Produktion von Elektrofahrzeugen und Energiespeichern. Traditionell kommt Lithium hauptsächlich aus Südamerika (Salzseen) und Australien (Hartgestein). Die Erschließung heimischer Quellen in Europa ist daher von großer strategischer Bedeutung für die Energiesicherheit und Wettbewerbsfähigkeit.
Herausforderungen und Ausblick
Obwohl das Potenzial der Lithiumgewinnung aus Geothermie enorm ist, gibt es auch Herausforderungen. Dazu gehören die hohen Anfangsinvestitionen, die Komplexität der Bohrungen in große Tiefen und die Notwendigkeit, das Verfahren auf einen industriellen Maßstab zu skalieren. Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung spielt eine Rolle, insbesondere bei neuen Infrastrukturprojekten.
Das aktuelle Pilotprojekt in Sachsen-Anhalt ist ein wichtiger Schritt, um diese Herausforderungen anzugehen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Bei Erfolg könnte die Technologie nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Regionen Europas mit ähnlichen geothermischen Ressourcen zum Einsatz kommen. Die Vision ist eine nachhaltige und unabhängige Lithiumversorgung, die die Transformation zur Elektromobilität maßgeblich unterstützt.
Die Ergebnisse der Pilotphase werden entscheidend sein, um die nächsten Schritte für die kommerzielle Lithiumproduktion in Deutschland zu definieren. Experten sind optimistisch, dass diese Technologie einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen Rohstoffversorgung leisten kann.





