Enefit, der Stromgeschäftsbereich des staatlichen estnischen Energieversorgers Eesti Energia AS, plant den Bau von drei neuen Batteriespeichersystemen (BESS) in Litauen. Diese Projekte verfügen über eine kombinierte Kapazität von 46 MW / 184 MWh und stellen einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Energiesicherheit und der Integration erneuerbarer Energien in der baltischen Region dar.
Die Investition von 30,3 Millionen Euro unterstreicht das Engagement von Enefit für die Energiewende und die Unabhängigkeit der baltischen Staaten von externen Energienetzen.
Wichtige Fakten
- Drei neue Batteriespeicher mit insgesamt 46 MW / 184 MWh Kapazität.
- Investitionsvolumen von 30,3 Millionen Euro.
- Fertigstellung der Projekte wird in der ersten Hälfte des nächsten Jahres erwartet.
- Standorte in der Nähe bestehender Windparks zur effizienten Netzanbindung.
- Stärkung der Energieunabhängigkeit und Integration erneuerbarer Energien.
Strategische Investition in erneuerbare Energien
Die geplanten Batteriespeichersysteme werden an strategischen Standorten in Litauen errichtet. Ein 16-MW-System entsteht in der Nähe des Windparks Kelme I, ein 18-MW-System grenzt an Kelme II und ein 12-MW-System wird in der Nähe des Windparks Šilalė II gebaut. Diese Standorte sind nicht zufällig gewählt.
Enefit nutzt die bereits vorhandene Energieinfrastruktur und die bestehenden Netzanschlüsse der Windparks. Dies ermöglicht eine deutlich effizientere und kostengünstigere Implementierung der neuen Speicherlösungen. Die Integration von Speichern direkt an Erzeugungsanlagen ist ein bewährtes Konzept, um die Netzstabilität zu verbessern und die Volatilität erneuerbarer Energien auszugleichen.
Faktencheck: Litauens Energiespeicher
- Gesamtkapazität: 46 MW / 184 MWh
- Investition: 30,3 Millionen Euro
- Standorte: Kelme I, Kelme II, Šilalė II (alle bei Windparks)
- Geplante Fertigstellung: Erste Hälfte des nächsten Jahres
Die Rolle der Desynchronisation vom BRELL-Netz
Die baltische Region hat in den letzten Jahren eine tiefgreifende Transformation ihrer Energielandschaft durchlaufen. Im Jahr 2025 wird die Region vollständig vom BRELL-Netz (Belarus, Russland und ehemals auch Estland, Litauen und Lettland) desynchronisiert und mit Kontinentaleuropa über eine Verbindung in Polen synchronisiert. Dieser über zehn Jahre entwickelte Prozess hat den Ausbau großer Batteriespeichersysteme (BESS) maßgeblich vorangetrieben.
Gleichzeitig steigt die Nutzung erneuerbarer Energien in der Region stetig an. Die Desynchronisation vom russischen Netz, beschleunigt durch Russlands Invasion in der Ukraine im Jahr 2022, hat die Dringlichkeit dieser Projekte noch verstärkt. Ein Schlüsselereignis war der sogenannte 'Energieunabhängigkeitstag', an dem führende Vertreter der EU und der baltischen Staaten teilnahmen.
Hintergrund: Energieunabhängigkeit der Baltischen Staaten
Die Initiative zur Synchronisation mit dem kontinentaleuropäischen Netz umfasste über 40 Infrastrukturprojekte und zog Investitionen von mehr als 1,24 Milliarden US-Dollar an, wie die Europäische Kommission berichtete. Dies unterstreicht die strategische Bedeutung der Energiesicherheit für die baltischen Staaten und die EU insgesamt.
Wirtschaftliche Anreize für Energiespeicher
Seit der Abkopplung vom russischen Netz sind die Preise für Systemdienstleistungen in den baltischen Staaten erheblich gestiegen. Dies schafft starke Anreize für Investitionen in Energiespeicher. Algirdas Ducinskas, BESS-Programmmanager der Ignitis Group, hob dies auf dem Energy Storage Summit Central and Eastern Europe 2025 hervor.
„Ein starkes Signal für Investoren ist, dass die Märkte für Systemdienstleistungen gerade durch die Decke gehen“, sagte Ducinskas. Er fügte hinzu: „Aber ich denke, einer der Haupttreiber vor der Synchronisation mit Europa war das staatliche Beihilfeprogramm.“
Das anfängliche Ziel des staatlichen Beihilfeprogramms lag bei 1,2 GWh. Mittlerweile wurden Projekte mit einer Kapazität von 4 GWh genehmigt, und es gibt noch viele weitere Projekte in der Pipeline. Ein zweiter Aufruf für Beihilfen ist bereits geplant.
Attraktive Renditen locken Investoren
Ducinskas betonte die wirtschaftliche Attraktivität von Batteriespeicherprojekten in der Region:
„Wir haben diese starken Preissignale. Jüngste Preisindizes von Drittanbietern haben die baltischen Staaten als die attraktivsten bewertet. Wenn ein Batterieprojekt in Betrieb geht, liegen die internen Zinsfüße (IRR) bei 20–30 %, das ist viel.“
Diese hohen Renditen machen die baltische Region zu einem Hotspot für Investitionen in Energiespeicher und ziehen sowohl staatliche als auch private Entwickler an.
Bestehende und geplante Projekte
Die Entwicklung von Energiespeichern in der Region ist bereits in vollem Gange. Im März 2025 nahm Eesti Energia Estlands erstes großes BESS in kommerziellen Betrieb. Das Projekt mit einer Kapazität von 26,5 MW / 53,1 MWh befindet sich im Industriekomplex des Kraftwerks Auvere in Ida-Virumaa.
Diotech Group, ein lokaler Systemintegrator, setzte das Projekt mit BESS-Einheiten von LG Energy Solution (LG ES) um. Die Installation und Anbindung erfolgte durch Enefit Solutions, ein lokales Ingenieurbüro.
Wichtige Projekte im Überblick
- Estland: 26,5 MW / 53,1 MWh in Auvere (Eesti Energia)
- Litauen (bereits in Betrieb): 65 MW / 130 MWh in Trakai (E energija Group)
- Litauen (im Bau): 120 MWh System bei Vilnius (E energija Group)
E energija Group: Ein privater Akteur
Auch private Unternehmen treiben den Ausbau voran. Die IPP E energija Group hat bereits Litauens größten kommerziellen Batteriespeicher in Betrieb genommen. Das Vilnius BESS ist ein 65 MW / 130 MWh Projekt, das im Bezirk Trakai in der Nähe von Vilnius gebaut wurde.
Im Februar 2025 gab die E energija Group bekannt, mit dem Bau eines weiteren 120-MWh-Systems in der Nähe von Vilnius begonnen zu haben. Das Unternehmen setzt auf eine lokale Systemintegration und verwendet Batteriezellen von CATL, Stromwandlungssysteme (PCS) von Power Electronics und sein eigenes Energiemanagementsystem (EMS) namens NordNest.
Die E energija Group hat aktuell drei Projekte in Arbeit und entwickelt eine Investitionsplattform, um Unternehmen und Privatpersonen die direkte Beteiligung an der Entwicklung zu ermöglichen. Dies zeigt das breite Interesse und die vielfältigen Möglichkeiten im Bereich der Energiespeicher in den baltischen Staaten.
Fazit
Die Investitionen von Enefit in Litauen sind ein klares Zeichen für das anhaltende Engagement der baltischen Staaten, ihre Energieinfrastruktur zu modernisieren und ihre Unabhängigkeit zu stärken. Die Kombination aus strategischen Standorten, staatlicher Unterstützung und attraktiven Marktanreizen schafft ein dynamisches Umfeld für den Ausbau von Batteriespeichersystemen. Diese Entwicklung wird nicht nur die Integration erneuerbarer Energien fördern, sondern auch die Stabilität und Sicherheit der regionalen Stromversorgung maßgeblich verbessern.
Die Region etabliert sich zunehmend als Vorreiter im Bereich der Energiespeichertechnologien. Die Erfahrungen und Erfolge hier könnten als Modell für andere Regionen dienen, die ähnliche Herausforderungen bei der Energiewende bewältigen müssen.





