Die Sicherheit von Batteriespeichersystemen (BESS) rückt zunehmend in den Fokus. Eine aktuelle Studie beleuchtet die wachsenden Cyberbedrohungen für diese kritische Infrastruktur und schlägt konkrete Maßnahmen vor, um die Widerstandsfähigkeit zu stärken. Die Standardisierung von BESS-Anlagen, die Kosten senken und die Systemintegration vereinfachen soll, macht sie paradoxerweise anfälliger für koordinierte Cyberangriffe.
Wichtige Erkenntnisse
- Standardisierung von BESS erhöht das Cyberrisiko.
- Whitepaper von Brattle Group und Dragos bietet Lösungsansätze.
- Sichere Lieferketten und robuste Netzwerkarchitekturen sind entscheidend.
- Betriebliche Resilienz muss gestärkt werden, um Ausfälle zu vermeiden.
Die wachsende Bedrohung durch Cyberangriffe auf BESS
Batteriespeichersysteme sind ein integraler Bestandteil der modernen Energieinfrastruktur. Sie stabilisieren Stromnetze und speichern erneuerbare Energien. Ihre Bedeutung nimmt stetig zu, da die Welt auf eine dezentralere und nachhaltigere Energieversorgung umsteigt. Doch mit dieser wachsenden Relevanz steigt auch das Interesse von Cyberkriminellen und staatlich unterstützten Hackern.
Die Brattle Group und der Cybersicherheitsanbieter Dragos haben im Dezember 2025 ein Whitepaper mit dem Titel „Securing Battery Energy Storage Systems from Cyberthreats: Best Practices and Trends“ veröffentlicht. Diese gemeinsame Arbeit betont die Dringlichkeit, die Cybersicherheit von BESS zu verbessern. Die Experten warnen davor, dass die Vereinfachung und Standardisierung von BESS-Installationen, die ursprünglich zur Kostensenkung gedacht war, nun eine neue Angriffsfläche bietet.
„Die zunehmende Standardisierung macht Cyberangriffe einfacher, da weniger Raffinesse für einen Erfolg erforderlich ist“, erklärt Phil Tonkin, Field Chief Technology Officer bei Dragos.
Faktencheck
- 2025: Veröffentlichung des Whitepapers zur BESS-Cybersicherheit.
- Standardisierung: Senkt Kosten, erhöht aber die Angriffsfläche.
- Ziel der Angreifer: Destabilisierung der Energieversorgung, Datenexfiltration.
Strategien zur Verbesserung der Cybersicherheit
Das Whitepaper skizziert umfassende Strategien, um BESS vor Cyberbedrohungen zu schützen. Diese reichen von der Systemgestaltung bis zur betrieblichen Umsetzung. Ein zentraler Punkt ist die Notwendigkeit, bereits in der Planungsphase von BESS-Anlagen Cybersicherheitsaspekte zu berücksichtigen.
Sichere Systemgestaltung und Lieferketten
Die Entwicklung sicherer Systeme beginnt mit der Auswahl vertrauenswürdiger Komponenten und Software. Eine Verifizierung der Lieferketten ist unerlässlich. Dies bedeutet, dass Betreiber und Hersteller genau prüfen müssen, woher die einzelnen Teile stammen und ob sie manipuliert wurden. Jeder Schritt, von der Produktion bis zur Installation, muss transparent und sicher sein.
Zusätzlich empfiehlt das Whitepaper, Systeme so zu gestalten, dass sie inhärent widerstandsfähig gegen Angriffe sind. Dies umfasst die Implementierung von Sicherheitsfunktionen direkt in die Hardware und Software, anstatt sie nachträglich hinzuzufügen.
Netzwerkarchitektur und Segmentierung
Eine robuste Netzwerkarchitektur ist ein weiterer Pfeiler der Cybersicherheit. BESS-Anlagen sollten nicht als isolierte Systeme betrachtet werden, sondern als Teil eines größeren Netzwerks. Die Segmentierung des Netzwerks, also die Aufteilung in kleinere, isolierte Bereiche, kann die Ausbreitung eines Angriffs erheblich einschränken.
Dr. Peter Fox-Penner, Principal bei Brattle, betont die Bedeutung einer mehrschichtigen Verteidigung: „Es geht darum, die Angriffsfläche zu minimieren und gleichzeitig die Fähigkeit zu haben, Angriffe schnell zu erkennen und darauf zu reagieren.“ Firewalls, Intrusion Detection Systeme und regelmäßige Sicherheitsaudits sind hierbei entscheidend.
Hintergrund: Die Rolle von BESS
Batteriespeichersysteme (BESS) speichern elektrische Energie und geben sie bei Bedarf wieder ab. Sie sind entscheidend für die Integration volatiler erneuerbarer Energien wie Solar- und Windkraft in das Stromnetz. Sie helfen, Netzschwankungen auszugleichen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Ein Ausfall könnte weitreichende Folgen haben.
Stärkung der betrieblichen Resilienz
Neben der technischen Absicherung ist die Stärkung der betrieblichen Resilienz von großer Bedeutung. Dies umfasst sowohl menschliche als auch prozessuale Aspekte. Mitarbeiter müssen regelmäßig geschult werden, um Phishing-Angriffe und andere Social-Engineering-Taktiken zu erkennen. Auch Notfallpläne für den Fall eines erfolgreichen Cyberangriffs sind unverzichtbar.
Regelmäßige Übungen und Simulationen von Cyberangriffen können dazu beitragen, Schwachstellen in den Prozessen aufzudecken und die Reaktionszeiten zu verbessern. Ziel ist es, die Auswirkungen eines Angriffs zu minimieren und den normalen Betrieb so schnell wie möglich wiederherzustellen.
- Mitarbeiterschulung: Sensibilisierung für Cyberbedrohungen.
- Notfallpläne: Klare Anweisungen für den Ernstfall.
- Regelmäßige Audits: Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen.
Die Zukunft der BESS-Cybersicherheit
Die Herausforderungen im Bereich der BESS-Cybersicherheit werden in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung und Vernetzung der Energieinfrastruktur entstehen neue Angriffspunkte. Daher ist eine kontinuierliche Anpassung und Weiterentwicklung der Sicherheitsstrategien notwendig.
Die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Forschung und Regulierungsbehörden spielt eine entscheidende Rolle. Standardisierte Sicherheitsrichtlinien und der Austausch von Informationen über Bedrohungen können dazu beitragen, die gesamte Branche widerstandsfähiger zu machen. Das Whitepaper von Brattle und Dragos liefert hierfür eine wichtige Grundlage und zeigt den Weg auf, wie Betreiber ihre Systeme effektiver schützen können.
Die Investition in Cybersicherheit ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Angesichts der potenziellen Auswirkungen eines erfolgreichen Angriffs auf die Energieversorgung ist es von größter Wichtigkeit, präventive Maßnahmen zu ergreifen und die Resilienz der BESS-Infrastruktur nachhaltig zu stärken.
Technologische Entwicklungen und ihre Auswirkungen
Neue Technologien wie künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen bieten nicht nur neue Möglichkeiten für die Energieverwaltung, sondern auch für die Cybersicherheit. Sie können helfen, Anomalien im Netzwerk zu erkennen und potenzielle Angriffe frühzeitig zu identifizieren. Gleichzeitig müssen diese Technologien selbst sicher gestaltet werden, um keine neuen Schwachstellen zu schaffen.
Die Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung von Systemen, die in der Lage sind, sich selbst zu verteidigen und auf Angriffe autonom zu reagieren. Dies würde die Abhängigkeit von menschlichem Eingreifen reduzieren und die Reaktionszeiten drastisch verkürzen.
Letztlich hängt die Sicherheit der Energiesysteme von einer Kombination aus technologischen Lösungen, menschlicher Expertise und robusten Prozessen ab. Nur durch einen ganzheitlichen Ansatz lässt sich der Schutz von Batteriespeichersystemen langfristig gewährleisten.





