Die Colorado Public Utilities Commission (PUC) hat Xcel Energy angewiesen, umfassendere Daten zur Übertragungsinfrastruktur bereitzustellen und einen flexiblen Tarif für den Netzanschluss von erneuerbaren Energieprojekten einzuführen. Diese Entscheidung zielt darauf ab, die Kosten für den Netzzugang zu senken und die Integration sauberer Energien zu beschleunigen.
Wichtige Erkenntnisse
- Xcel Energy muss bessere Daten zur Netzkapazität liefern.
- Ein flexibler Tarif soll den Anschluss erneuerbarer Energien erleichtern.
- Die PUC wies Sicherheitsbedenken von Xcel Energy bezüglich der Datenveröffentlichung zurück.
- Die Entscheidung wurde stark vom Interstate Renewable Energy Council (IREC) beeinflusst.
- Es bestehen Bedenken hinsichtlich der Compliance von Xcel Energy.
PUC-Entscheidung stärkt saubere Energie
Die Colorado Public Utilities Commission (PUC) hat am 29. Oktober eine wegweisende Entscheidung getroffen. Sie verpflichtet den Energieversorger Xcel Energy, präzisere Daten über seine Stromübertragungsinfrastruktur in Colorado bereitzustellen. Gleichzeitig muss das Unternehmen einen flexiblen Tarif für Entwickler einführen, die Energiespeicher und andere erneuerbare Energieprojekte an das Netz anschließen möchten. Das übergeordnete Ziel ist, die Kosten für den Netzanschluss zu reduzieren und den Ausbau sauberer Energien zu fördern.
Diese Maßnahmen sind Teil eines größeren Verfahrens, das die Verteilungsnetzpläne und das Virtual Power Plant (VPP)-Programm von Xcel betrifft. Xcel Energy, mit Hauptsitz in Minnesota, versorgt rund 3,9 Millionen Stromkunden in acht Bundesstaaten, darunter Colorado.
Hintergrund: Xcel Energy in Colorado
Xcel Energy ist ein großer Energieversorger in den USA. In Colorado hat das Unternehmen in den letzten Jahren aktiv daran gearbeitet, den Anteil erneuerbarer Energien im Energiemix zu erhöhen. So stieg der Beitrag der Windenergie von 2 % im Jahr 2005 auf 35 % im Jahr 2024. Xcel erwartet, dass dieser Anteil bis Ende des Jahrzehnts auf 62 % ansteigen wird. Colorado ist ein wichtiger Standort für erneuerbare Energien und belegt den achten Platz bei der Energiespeicherkapazität, den sechsten bei der Windenergie und den zehnten bei der Solarenergie in den USA.
Transparenz bei Netzkapazitätsanalysen
Ein zentraler Punkt der PUC-Entscheidung betrifft die sogenannte Hosting Capacity Analysis (HCA) von Xcel Energy. Dieses kartenbasierte Tool soll einen Überblick über den Zustand des Stromnetzes geben und zeigen, wo neue Erzeugungsanlagen oder Lasten sicher angeschlossen werden können, ohne dass teure und langwierige Infrastruktur-Upgrades erforderlich sind. Solche Daten sind entscheidend für die Standortwahl von Projekten, da sie Bereiche mit weniger Netzengpässen aufzeigen und so die wirtschaftlichen Erfolgschancen für Entwickler verbessern.
Bereits im Jahr 2021 wurde Xcel angewiesen, Gelder für die Entwicklung einer HCA bereitzustellen. Die veröffentlichten Daten waren jedoch, so die PUC, „mit Problemen behaftet“ und schwer nutzbar. Zu den Mängeln gehörten unvollständige Informationen, übermäßige Schwärzungen und die Forderung nach einer Geheimhaltungsvereinbarung (NDA), die von der PUC als „kommerziell unzumutbar“ eingestuft wurde.
„Das Problem ist, dass die NDA von Xcel ohne jegliche Beteiligung der Kunden verfasst wurde und völlig kommerziell unzumutbar war. Realistisch kann niemand sie unterzeichnen. IREC konnte sie nicht unterzeichnen. Wir sagten buchstäblich: 'Wir können das nicht unterschreiben. Wir können uns nicht einmal die Karten ansehen, um zu sehen, ob sie gut sind oder nicht', weil die NDA so belastend war.“
Trotz gesetzlicher Vorgaben, detaillierte HCA-Karten für Last und Erzeugung zu veröffentlichen, weigerte sich Xcel, die Lastkarte öffentlich zugänglich zu machen. Die PUC wies die Behauptungen des Versorgers zurück, diese Maßnahmen seien für die Netzsicherheit notwendig. Die Kommission entschied, dass das Unternehmen ungeschwärzte Daten ohne NDAs veröffentlichen und die Daten granularer gestalten muss.
Wissenswertes über HCA
- Eine HCA ist ein wichtiges Werkzeug für die Planung und den Anschluss dezentraler Energiequellen (DERs).
- In den USA gibt es über 40 veröffentlichte HCA-Karten, aber Xcel Energy war der einzige Versorger, der eine NDA verlangte.
- Granulare Daten helfen Entwicklern, Engpässe genau zu lokalisieren und die Netzplanung zu verbessern.
Flexible Netzanschlüsse für die Zukunft
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der PUC-Entscheidung ist die Forderung an Xcel Energy, eine Richtlinie für flexible Netzanschlüsse und Energiezuschaltungen zu entwickeln. Flexible Anschlüsse ermöglichen es Erzeugungs- oder Lastprojekten, sich an das Netz anzuschließen und dabei die Leistungsabgabe oder -aufnahme an die variable Systemkapazität anzupassen. Dies ist entscheidend für die Integration volatiler erneuerbarer Energien wie Solar- und Windkraft.
Xcel hatte zunächst eine sehr eingeschränkte Nutzung flexibler Anschlüsse vorgeschlagen, die nur für bestimmte Netzabschnitte und Projekte gelten sollte. Auch gab es keine festen Pläne für flexible Lasten. Das IREC argumentierte, dass diese Kriterien zu restriktiv seien und empfahl die Einführung eines formalen Tarifs, der die Berechtigung, Überprüfungsprozesse und Implementierungsschritte klar regelt. Die Entscheidung der PUC folgt dieser Empfehlung des IREC.
„Eines unserer staatlichen Ziele ist es, DERs, neue Kunden und Lasten kostengünstig und zeitnah anzuschließen. Flexible Zusammenschaltung ist eindeutig ein Werkzeug, das zur Verfügung stehen könnte. Diese Option einzuschränken, sich zu zieren, so zu tun, als sei eine engere Option alles, was notwendig ist, führt zu der größeren Frage: 'Scheint das Unternehmen tatsächlich strategisch zu versuchen, diese staatlichen Ziele zu erreichen?'“
Aus Sicht des IREC ist diese Entscheidung ein positiver Schritt, um Xcel Energy für die Kundenbedürfnisse verantwortlich zu machen und die umfassenderen Ziele Colorados im Bereich saubere Energie und Transport voranzutreiben.
Bedenken hinsichtlich der Umsetzung
Eine formelle schriftliche Anordnung, die die mündlichen Entscheidungen des öffentlichen Verfahrens festhält, wird im Dezember erwartet. Es bleibt jedoch unklar, ob Xcel Energy diesen Anordnungen nachkommen wird. Die starken Positionen, die Xcel in der Anhörung eingenommen hat, lassen Zweifel aufkommen.
Während der Beratungen äußerten die Kommissare ein „tiefes Misstrauen“ gegenüber der Bereitschaft von Xcel, die Vorgaben tatsächlich umzusetzen. Dies ist, so Beobachter, eine ungewöhnliche Haltung der Kommission gegenüber einem Versorgungsunternehmen.
Der Einfluss von IREC
Der Interstate Renewable Energy Council (IREC), eine gemeinnützige Organisation, spielte eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung dieser PUC-Entscheidung. IREC setzt sich dafür ein, dass Regulierungsbehörden ihre Befugnisse nutzen, um Monopolversorger daran zu hindern, den Ausbau sauberer Energien zu blockieren. Ihre Empfehlungen zur Datenveröffentlichung und flexiblen Tarifen wurden weitgehend übernommen.
Kommissarin Gilman äußerte besondere Besorgnis über die Einhaltung der Anordnung durch Xcel. Sie schlug einen Prozess vor, der es den Mitarbeitern ermöglichen würde, bei Nichteinhaltung Ermittlungen durchzuführen und Strafen zu verhängen. Sie stellte jedoch offen in Frage, ob dies überhaupt wirksam sein würde. Dies deutet auf eine tief sitzende Skepsis gegenüber der Kooperationsbereitschaft von Xcel hin.
Die Motivationen von Xcel für eine mögliche Nichteinhaltung werden hinterfragt, insbesondere angesichts der Verzögerungen beim Ausbau der Energieinfrastruktur. Wenn Xcel keine verwaltete Aufladung und die Fähigkeit von DERs berücksichtigt, auf Netzbedingungen zu reagieren, führt dies zu einem größeren Bedarf an Verteilungs-Upgrades. Diese Kosten müssen dann von den Stromkunden getragen werden, während die Aktionäre bei jeder Kapitalinvestition einen größeren Gewinn erzielen. Dies könnte ein Motiv für das Unternehmen sein, die Flexibilität von DERs nicht vollumfänglich zu ermöglichen.
Die Rolle der Energiespeicherung
Energiespeicherung ist ein entscheidender Baustein für den Übergang zu einem Stromnetz, das stark auf erneuerbare Energien setzt. Speichersysteme ermöglichen es, die intermittierende Energie von Solar- und Windkraft zu erfassen und dann zu nutzen, wenn sie am dringendsten benötigt wird. Viele der wertvollsten Eigenschaften von Speichersystemen können jedoch im heutigen Verteilungsnetz noch nicht optimal genutzt werden. Dies liegt oft daran, dass die staatlichen Netzanschlussregeln, die den Anschluss von DERs regeln, nicht auf dem neuesten Stand sind, um Energiespeichersysteme so zu integrieren, dass die Flexibilität der Kunden maximiert und der sichere und zuverlässige Betrieb des Netzes gewährleistet wird.
Finanzielle Mechanismen, wie flexible Tarife für Netze, in denen erneuerbare Energien einen immer wichtigeren Bestandteil der Energieversorgung darstellen, können auch die Kosten eines Missverhältnisses zwischen Stromangebot und -nachfrage minimieren. Dies ist besonders wichtig für Xcel in Colorado, wo das Unternehmen in den letzten Jahren aktiv daran gearbeitet hat, den Anteil erneuerbarer Energien in seinem Gesamtenergiemix zu erhöhen.





