Der US-Batteriehersteller Lyten plant, nach der geplanten Übernahme der deutschen Northvolt-Tochter rund 1000 Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein zu schaffen. Dies gab das Unternehmen nach Gesprächen mit der Landesregierung in Kiel bekannt. Der Standort bei Heide soll dabei nicht nur Batterien für Elektrofahrzeuge produzieren, sondern ein breites Spektrum an Anwendungen abdecken, darunter Verteidigung, stationäre Energiespeicherung, Mobilität sowie Künstliche Intelligenz und Rechenzentren.
Wichtige Punkte
- Lyten plant 1000 Arbeitsplätze in der ersten Phase des Standorts bei Heide.
- Produktion soll 2028 starten, Baubeginn 2027 nach Abschluss der Übernahme.
- Der Standort wird Batterien für verschiedene Anwendungen herstellen, nicht nur für E-Fahrzeuge.
- Lyten setzt auf Lithium-Schwefel-Zellchemie, die ohne Kobalt und Nickel auskommt.
- Schleswig-Holstein bietet große Mengen grünen Stroms, wichtig für den hohen Energiebedarf.
Neues Leben für den Standort Heide
Die Pläne von Lyten bringen neue Hoffnung für den Standort Heide, der ursprünglich für eine große Batteriefabrik von Northvolt vorgesehen war. Der US-Konzern, der bereits Ende Februar den insolventen schwedischen Teil von Northvolt übernommen hat, sieht in Schleswig-Holstein großes Potenzial. Dan Cook, Chef von Lyten, betonte, dass der Bau bei Heide im Jahr 2027 beginnen soll, sobald die Übernahme abgeschlossen und alle Planungen finalisiert sind. Die Aufnahme der Produktion ist für 2028 vorgesehen.
Lyten plant, die notwendigen Investitionen in Schleswig-Holstein zunächst mit privatem Kapital zu stemmen. Sollte zu einem späteren Zeitpunkt öffentliche Förderung angeboten werden, würde das Unternehmen dies prüfen. Derzeit konzentriert sich Lyten auf den Abschluss der Transaktion und führt Gespräche mit der Bundesregierung in Berlin.
Faktencheck
- 1000 Jobs: Lyten rechnet in der ersten Phase mit 1000 Arbeitsplätzen in Heide.
- Produktionsstart: Geplant ist die Aufnahme der Produktion im Jahr 2028.
- Investitionen: Lyten plant private Finanzierung, schließt aber spätere öffentliche Förderung nicht aus.
Vielfältige Anwendungen und hohe Energiebedarfe
Ein zentraler Aspekt der Lyten-Pläne ist die breite Anwendungspalette der zu produzierenden Batterien. Es geht nicht nur um Elektrofahrzeuge. Der Fokus liegt auch auf Batterien für die Verteidigungsindustrie, stationäre Energiespeichersysteme sowie für Künstliche Intelligenz und Rechenzentren. Diese Diversifizierung könnte den Standort resilienter gegenüber Marktschwankungen machen.
„Denn was Lyten dort plant – Batterieproduktion, Datencenter –, hat einen enormen Energiebedarf“, sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) nach dem Treffen in Kiel. „Der in großem Umfang vorhandene grüne Strom ist ein Standortvorteil der Region.“
Der hohe Energiebedarf der geplanten Anlagen macht die Region Schleswig-Holstein besonders attraktiv, da hier in großem Umfang grüner Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung steht. Dies ist ein entscheidender Faktor für energieintensive Industrien und unterstreicht die Bedeutung nachhaltiger Energieversorgung für zukünftige Ansiedlungen.
Technologie der Zukunft: Lithium-Schwefel-Zellen
Vorteile der innovativen Zellchemie
Lyten setzt bei seinen Akkus auf eine innovative Lithium-Schwefel-Zellchemie. Diese Technologie bietet entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien. Ein wesentlicher Pluspunkt ist der Verzicht auf kritische Rohstoffe wie Kobalt und Nickel, deren Abbau oft mit ethischen und ökologischen Bedenken verbunden ist.
Laut Steffen Link, Forscher am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), stellt die Lithium-Schwefel-Technik eine vielversprechende Alternative dar. Er sieht insbesondere in Spezial- und Nischenmärkten große Chancen, wo jedes Gramm Gewicht zählt. Dazu gehören Anwendungen in der Luft- und Raumfahrt, wie Kleinstflugzeuge, Drohnen, Satelliten und elektrisch angetriebene Flugzeuge, die senkrecht starten können (eVTOL).
Hintergrund: Northvolt und die Fördergelder
Northvolt hatte ursprünglich geplant, bei Heide eine Batteriefabrik mit rund 3000 Arbeitsplätzen zu errichten. Dafür hatte das Unternehmen von der staatlichen Förderbank KfW eine Wandelanleihe über rund 600 Millionen Euro erhalten, für die Bund und Land jeweils zur Hälfte bürgten. Ein Teil dieser Gelder wurde bereits verbaut oder für Käufe eingesetzt. Knapp 200 Millionen Euro sollen jedoch noch auf einem Sperrkonto geschützt vorhanden sein. Die Gespräche zwischen Bund, KfW, Schleswig-Holstein und Lyten über die deutsche Northvolt-Tochter dauern an.
Unterstützung durch die Landesregierung
Ministerpräsident Günther zeigte sich nach den Gesprächen zuversichtlich und sicherte Lyten die Unterstützung der Landesregierung zu. Diese Unterstützung wird sich auf verschiedene Bereiche erstrecken, darunter die Energieversorgung und die Begleitung bei weiteren Schritten des Ansiedlungsprozesses. Die Schaffung von 1000 neuen Arbeitsplätzen ist ein wichtiger Impuls für die regionale Wirtschaft.
Die Pläne von Lyten könnten Schleswig-Holstein zu einem wichtigen Zentrum für innovative Batterietechnologien und grüne Energie machen. Die Kombination aus fortschrittlicher Zellchemie und dem Zugang zu erneuerbaren Energien bietet eine solide Basis für den langfristigen Erfolg des Standorts bei Heide.





