Die Eurobike, eine der weltweit führenden Fahrradmessen, steht vor einer bedeutenden Neuausrichtung. Nach sinkenden Besucher- und Ausstellerzahlen sowie einem Zerwürfnis mit wichtigen Branchenverbänden soll sich die Messe ab 2027 stärker auf Geschäftskunden konzentrieren. Diese strategische Kurskorrektur zielt darauf ab, die Relevanz der Veranstaltung wiederherzustellen und führende Marken zurückzugewinnen.
Wichtige Punkte
- Die Eurobike wird ab 2027 auf drei Tage verkürzt.
- Fokus liegt künftig stärker auf Geschäftskunden.
- Neues Messegelände im Osten Frankfurts wird genutzt.
- Messegesellschaft Frankfurt übernimmt mehr Kontrolle.
- Ziel ist, führende Bike-Marken zurückzugewinnen.
Neues Konzept für die Eurobike 2027
Die 35. Ausgabe der Eurobike findet vom 1. bis 3. September 2027 statt. Sie wird dann noch einmal einen Tag kürzer sein als die aktuelle Ausgabe, die bereits einen Tag weniger zählt als ihre Vorgängerinnen. Diese Verkürzung ist Teil einer umfassenden Strategie, die Messe effizienter und zielgerichteter zu gestalten.
Erstmals wird im kommenden Jahr das Ostgelände der Messe Frankfurt genutzt. Dort stehen drei Hallen und ein zentraler Marktplatz zur Verfügung. Im Jahr 2025 waren es noch fünf Hallen im Westen des Geländes. Diese räumliche Veränderung spiegelt den Wunsch wider, eine kompaktere und fokussiertere Messeumgebung zu schaffen.
Fakten zur Eurobike
- Veranstaltungszeitraum 2027: 1. bis 3. September
- Dauer: 3 Tage (zuvor 4 Tage)
- Genutztes Gelände: Ostgelände der Messe Frankfurt
- Hallenanzahl: 3 Hallen und ein zentraler Marktplatz
Unzufriedenheit in der Branche und Konsequenzen
Die Eurobike, ursprünglich in Friedrichshafen gegründet, kämpft seit einiger Zeit mit rückläufigen Besucher- und Ausstellerzahlen. Bedeutende Hersteller, Händler und Zulieferer haben bereits im vergangenen Jahr gefehlt oder ihre Teilnahme für 2026 abgesagt. Dies zeigt eine wachsende Unzufriedenheit innerhalb der Fahrradbranche mit dem bisherigen Messekonzept.
Ein klares Zeichen dieser Entwicklung war die Aufkündigung der Zusammenarbeit durch den Zweirad-Industrieverband (ZIV) und die Vereinigung Zukunft Fahrrad. Diese Verbände kritisierten insbesondere fehlende Ordermöglichkeiten, hohe Standmieten und eine mangelnde politische Relevanz der Messe.
„Die Branche braucht eine Messe, die echte Geschäftsmöglichkeiten bietet und nicht nur eine Präsentationsplattform ist. Hohe Kosten ohne entsprechenden Mehrwert sind nicht tragbar“, so ein Vertreter eines großen Fahrradherstellers, der anonym bleiben möchte.
Reaktion auf die Kritik
Als Reaktion auf die massive Kritik hat Fairnamic, das Joint Venture zwischen der Messe Frankfurt und der Messe Friedrichshafen, einen Beirat gegründet. Es wurden intensive Interviews mit verschiedenen Beteiligten geführt, um deren Rückmeldungen und Bedürfnisse besser zu verstehen. Ziel ist es, die Messe stärker an den Interessen der Geschäftskunden auszurichten.
Die Messegesellschaft plant, führende Bike-Marken zurückzugewinnen und wichtige Themenkomplexe wie Service, Werkstatt, Infrastruktur und Innovationen auszubauen. Diese Bereiche sollen künftig eine größere Rolle spielen und der Messe neue Impulse verleihen.
Hintergrund: Fairnamic
Fairnamic ist ein Joint Venture, das die Kräfte der Messe Frankfurt und der Messe Friedrichshafen bündelt. Es wurde ins Leben gerufen, um Messen wie die Eurobike und die Luftfahrtmesse Aero gemeinsam zu organisieren und weiterzuentwickeln. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch eine Verschiebung der Verantwortlichkeiten innerhalb dieses Verbunds.
Messe Frankfurt übernimmt die Führung
Intern nimmt die Messegesellschaft Frankfurt in dem Joint Venture eine stärkere Rolle ein. Nach einem Wechsel in der Geschäftsführung zu Jahresbeginn übernehmen die Frankfurter nun die Entscheidungshoheit über die Eurobike. Dies geht aus einer Mitteilung des Unternehmens hervor.
Die Messe Friedrichshafen wird sich im Gegenzug verstärkt der weiteren Entwicklung der Luftfahrtmesse Aero widmen. Diese Aufteilung der Verantwortlichkeiten soll es beiden Partnern ermöglichen, sich auf ihre jeweiligen Kernkompetenzen zu konzentrieren und die Qualität der Veranstaltungen zu steigern.
Zukünftige Schwerpunkte
Das neue Konzept der Eurobike sieht vor, dass sich die Messe auf folgende Schwerpunkte konzentriert:
- Geschäftskunden: Die Bedürfnisse von Herstellern, Händlern und Zulieferern stehen im Vordergrund.
- Ordermöglichkeiten: Es sollen effektivere Plattformen für Geschäftsabschlüsse geschaffen werden.
- Innovationen: Neue Technologien und zukunftsweisende Entwicklungen im Fahrradbereich werden stärker präsentiert.
- Service und Infrastruktur: Themen rund um Werkstatt, Ersatzteile und die allgemeine Fahrradinfrastruktur erhalten mehr Aufmerksamkeit.
Die Neuausrichtung ist ein mutiger Schritt, um die Eurobike langfristig als führende Plattform für die Fahrradbranche zu sichern. Es bleibt abzuwarten, wie die Industrie auf diese Veränderungen reagieren wird und ob die Messegesellschaft es schafft, das Vertrauen der wichtigen Akteure zurückzugewinnen.
Die kommenden Ausgaben der Eurobike werden zeigen, ob das neue Konzept die gewünschten Erfolge erzielen kann und die Messe wieder zu alter Stärke findet.





