Moment Energy, ein kanadisches Unternehmen für Energiespeichersysteme mit Second-Life-Batterien, expandiert in Nordamerika. Jüngste Ankündigungen umfassen eine bedeutende Finanzierungsrunde, die Entwicklung der weltweit größten Wiederaufbereitungsanlage für Batterien und ein UL-zertifiziertes Batteriemanagementsystem, das speziell für gebrauchte Batterien entwickelt wurde.
Wichtige Erkenntnisse
- Moment Energy erhielt 40 Millionen US-Dollar in einer Serie-B-Finanzierungsrunde.
- Das Unternehmen baut die weltweit größte Anlage zur Wiederaufbereitung von Batterien in Vancouver.
- Moment Energy hat das erste vollständig UL-zertifizierte Batteriemanagementsystem für Second-Life-BESS entwickelt.
- Das US-Marktsegment für Second-Life-Batterien könnte eine Lösung für ITC- und FEOC-Compliance-Herausforderungen bieten.
Expansion und Finanzierung in Nordamerika
Moment Energy, ein Unternehmen aus British Columbia, Kanada, hat seine Präsenz in Nordamerika deutlich ausgebaut. Das Unternehmen spezialisiert sich auf kommerzielle Energiespeichersysteme (BESS) unter Verwendung von Batterien aus zweiter Hand. Diese Strategie zielt darauf ab, die Lebensdauer von Batterien zu verlängern und nachhaltige Energielösungen anzubieten.
Anfang Mai sicherte sich Moment Energy eine Series-B-Finanzierungsrunde in Höhe von 40 Millionen US-Dollar. Diese Mittel sind entscheidend, um die Fertigungskapazitäten in Nordamerika zu beschleunigen und die Expansion voranzutreiben. Die Investition unterstreicht das wachsende Vertrauen in das Potenzial von Second-Life-Batterietechnologien.
Wenige Tage später, am 13. Mai, kündigte Moment Energy den Bau der nach eigenen Angaben größten Batteriewiederaufbereitungsanlage der Welt in Vancouver an. Diese Anlage soll die Kapazitäten des Unternehmens zur Verarbeitung und Wiederverwendung von Batterien erheblich steigern. Sie ist ein wichtiger Schritt zur Etablierung einer Kreislaufwirtschaft für Batterien.
Schnelle Fakten
- 40 Millionen US-Dollar: Summe der Series-B-Finanzierungsrunde.
- Größte Anlage: Geplant in Vancouver für Batteriewiederaufbereitung.
- UL-Zertifizierung: Für das Batteriemanagementsystem (BMS) für Second-Life-BESS.
Das weltweit erste UL-zertifizierte Batteriemanagementsystem
Ein weiterer Meilenstein für Moment Energy ist die Vorstellung des weltweit ersten vollständig UL-zertifizierten Batteriemanagementsystems (BMS) für Second-Life-BESS am 19. Mai. Gabriel Soares, CTO und Mitbegründer von Moment Energy, erklärt, dass frühere Ansätze oft bestehende Automobil-BMS wiederverwendeten oder First-Life-Systeme anpassten, die nicht für alternde, unterschiedlich leistungsfähige Batteriepakete konzipiert waren.
„Wir haben eine Technologie entwickelt, die speziell für Second-Life-Batterien gedacht ist. Sie weiß, wie man mit Batterien umgeht, die stärker altern als erwartet, und mit Batterien unterschiedlicher Gesundheitszustände, die alle zusammenarbeiten müssen“, so Soares.
Das neue BMS von Moment Energy hat alle funktionalen Sicherheitsanforderungen, elektromagnetische Interferenztests, zerstörende Tests und Ausfallsicherheitstests bestanden. Dies sind dieselben Standards, die auch für First-Life-BMS gelten. Diese Zertifizierung, insbesondere die UL 1974-Zertifizierung für die Wiederaufbereitung, hebt Moment Energy von anderen Akteuren im Second-Life-Bereich ab. Das Unternehmen erhielt diese Zertifizierung bereits im Jahr 2023 und war damit das erste in Nordamerika.
Hintergrund: UL-Zertifizierung
Die Underwriters Laboratories (UL) sind eine unabhängige Organisation, die Sicherheitsstandards festlegt und Produkte testet. Eine UL-Zertifizierung bestätigt, dass ein Produkt strenge Sicherheits- und Leistungsanforderungen erfüllt. Für Batteriesysteme ist dies besonders wichtig, da es die Sicherheit im Betrieb und die Zuverlässigkeit der Systeme gewährleistet.
Herausforderungen im US-Markt: ITC und FEOC-Compliance
Carl Mansfield, VP of Business Development bei Moment Energy, weist auf erhebliche Herausforderungen im US-Markt hin. Er erwartet bis Mitte bis Ende 2027 einen Mangel an Produkten, die die Vorschriften für den Investment Tax Credit (ITC) erfüllen können. Dies liegt an den komplexen Anforderungen bezüglich der Foreign Entity of Concern (FEOC) und der Unsicherheit bei Zöllen.
„Wir haben vor etwa sechs Monaten eingeschätzt, dass es bis Mitte bis Ende 2027 einen Mangel an Produkten auf dem US-Markt geben wird, die die ITC-Compliance-Vorschriften erfüllen können“, sagt Mansfield. „Viele Distributoren und Berater bestätigen uns das.“
Second-Life-Batteriehersteller wie Moment Energy positionieren sich als nationale Alternative. Sie umgehen viele dieser Herausforderungen, da sie Zellen verwenden, die bereits in den USA vorhanden sind. Dies reduziert die Abhängigkeit von Importen und vereinfacht die Compliance-Anforderungen. Mansfield betont die Verwirrung und teilweise Fehlinformationen bezüglich der FEOC-Compliance-Ansprüche vieler Anbieter.
Die Bedeutung lokaler Beschaffung
Die Herausforderung der FEOC-Compliance ist besonders akut bei dezentralen Erzeugungsprojekten, wo Batteriezellen allein 52 % des Inhalts ausmachen. Chinesische Zellen sind mit der aktuellen Obergrenze von 45 % für FEOC-Materialien inkompatibel. Moment Energy ist zuversichtlich, dass lokal beschaffte, wiederaufbereitete Zellen, die bereits in den USA vorhanden sind, nicht als FEOC-Material eingestuft werden, unabhängig von ihrem ursprünglichen Herkunftsland. Das Unternehmen hat dies mit externen Rechtsexperten überprüft.
Zoll- und Compliance-Komplexität
- ITC-Compliance: Schwierigkeiten bei der Einhaltung der Investment Tax Credit-Vorschriften.
- FEOC-Anforderungen: Foreign Entity of Concern-Regelungen erschweren Importe aus bestimmten Ländern.
- Zellanteil: Batteriezellen machen 52 % des Inhalts in dezentralen Projekten aus, was die Compliance besonders heikel macht.
Moment Energy vs. andere Ansätze
Mansfield zieht einen deutlichen Vergleich zu Unternehmen wie Redwood Materials, die sich kürzlich stärker auf das Second-Life-Geschäft konzentrierten. Während Redwood Materials bestehende Automobil-BMS beibehält und diese von außen steuert, ersetzt Moment Energy das ursprüngliche BMS vollständig durch ein System, das speziell für Energiespeicher und Second-Life-Anwendungen entwickelt wurde.
„Der grundlegende Unterschied zwischen dem, was wir tun, und dem, was Redwood tut, ist, dass Redwood das Paket im Grunde so manipuliert, dass das Auto-BMS denkt, es würde fahren“, erklärt Mansfield. Er hebt hervor, dass Moment Energy volle UL-Zertifizierungen anstrebt, nicht nur Tests nach Standards durchführt. Dies ist entscheidend für die Sicherheit und Akzeptanz in dicht besiedelten Gebieten und für kritische Infrastrukturen wie Rechenzentren.Moment Energy zielt auf Märkte in bebauten Gebieten, Rechenzentren sowie kommerzielle und industrielle (C&I) Behind-the-Meter (BTM)-Märkte ab. Im Gegensatz dazu sieht Mansfield Redwoods Segment eher als „hoch risikotolerante, abgelegene ländliche Bereitstellung im Front-of-the-Meter (FTM)-Bereich“ an. Die fehlende Zertifizierung kann in vielen Gerichtsbarkeiten zu erheblichen Hürden führen, selbst wenn es keinen direkten Grund gibt, Lithium-Systeme abzulehnen.
Anpassung an unterschiedliche Batteriezustände
Ein zentraler Vorteil des Moment Energy BMS ist seine Fähigkeit, mit Batterien unterschiedlicher Gesundheitszustände und Alter umzugehen. Soares erläutert, dass First-Life-BMS erwarten, dass die Zellen nahezu identisch sind. Hersteller sortieren Zellen aus, die außerhalb enger Toleranzbereiche liegen. Second-Life-Anwendungen müssen jedoch Batterien verarbeiten, die sich in verschiedenen Stadien der Abnutzung befinden und möglicherweise aus sehr unterschiedlichen Betriebsumgebungen stammen.
„Ihr Batteriemanagementsystem muss in der Lage sein, Batterien zu handhaben, die 80 %, 100 %, 90 % und 70 % (Gesundheitszustand) haben, und all diese zusammenzuführen. Und vielleicht wurden einige davon in der Hitze Arizonas und andere in Island oder Alaska betrieben“, so Soares.Dieses speziell entwickelte BMS ersetzt das ursprüngliche System, das für den Einsatz in einem Auto konzipiert war. Es ist darauf ausgelegt, die Veränderungen im Second-Life-Betrieb zu bewältigen und eine stabile Leistung zu gewährleisten. Moment Energy bezieht seine Batterien aus ganz Nordamerika und arbeitet mit Automobilherstellern, Flottenbetreibern und Drittanbietern von Logistik zusammen. Eine Anlage in Texas ist derzeit im Bau.
Die Zukunft der Batteriewiederverwendung
Die Strategie von Moment Energy umfasst einen Zehn-Jahres-Plan, der es der Recyclingtechnologie und -wirtschaft ermöglicht, sich zu entwickeln, bevor Batterien endgültig zerlegt und Mineralien zurückgewonnen werden müssen. Soares betont, dass das Recycling derzeit noch schwierig ist und die Wirtschaftlichkeit oft schwer zu erreichen ist. Die Wiederverwendung (Repurposing) hingegen sei ein sehr praktikabler Bereich.
„Die Wiederverwendung ist ein sehr praktikabler Bereich, und wir glauben, dass dies der Standardschritt für alle Batterien sein sollte, bevor sie zerlegt werden“, sagt Soares.Während die FEOC-Compliance die Entwickler am meisten beschäftigt, schafft die Volatilität der Zölle eigene Komplikationen. Viele Entwickler verlangen gelieferte, verzollte (DDP) US-Preise, wodurch das Zollrisiko auf die Lieferanten verlagert wird. Mansfield berichtet von einem Fall, bei dem ein Entwickler eine Zollrechnung von 40 Millionen US-Dollar für ein Solarprojekt erhielt, die in die ITC-Kostenbasis eingerechnet wurde. Später wurde der Zoll für illegal erklärt und erstattet, was zu potenziellen Rückforderungsfragen führte. Solche „seltsamen Dominoeffekte“ sind in der Branche nicht ungewöhnlich.
Moment Energy ist überzeugt, die „Sicherheitslücke bei Second-Life-Batterien“ durch umfassende Zertifizierung und nicht durch Umgehungen geschlossen zu haben. Soares fasst zusammen: „Wir müssen uns nicht mehr auf Systeme verlassen, die diese Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen. Wir können diese in der Branche wirklich erfüllen und übertreffen.“ In einer Zeit, in der die FEOC-Richtlinien noch in Entwicklung sind und Lieferengpässe zunehmen, könnte der Second-Life-Batteriesektor mit seiner heimischen Beschaffung und anderen Vorteilen eine zunehmend attraktive Option für Entwickler sein, die konforme und verfügbare BESS suchen.





