Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss hat sich im April 2026 deutlich reduziert. Die Deutsche Bundesbank meldet einen Überschuss von 13,8 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Rückgang von 10,7 Milliarden Euro gegenüber dem Vormonat März. Hauptursachen waren geringere Überschüsse im Warenhandel und bei den sogenannten unsichtbaren Leistungstransaktionen.
Wichtige Erkenntnisse
- Leistungsbilanzüberschuss sank im April auf 13,8 Mrd. Euro.
- Rückgang um 10,7 Mrd. Euro gegenüber März 2026.
- Warenhandelsüberschuss verringerte sich um 6,3 Mrd. Euro.
- Nettoeinnahmen bei Primäreinkommen fielen um 4,5 Mrd. Euro.
- Deutschland verzeichnete Netto-Kapitalimporte von 1,0 Mrd. Euro.
Rückgang im Warenhandel und bei Dienstleistungen
Der positive Saldo im Warenhandel verringerte sich im April um 6,3 Milliarden Euro auf nunmehr 13,3 Milliarden Euro. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Einnahmen stärker sanken als die Ausgaben.
Auch bei den „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen gab es einen deutlichen Rückgang. Der Überschuss fiel hier um 4,4 Milliarden Euro auf nur noch 0,5 Milliarden Euro. Ein wesentlicher Faktor waren die Nettoeinnahmen bei den Primäreinkommen, die um 4,5 Milliarden Euro auf 11,0 Milliarden Euro sanken.
Faktencheck
Im April 2026 fielen die Nettoeinnahmen bei den Primäreinkommen um 4,5 Mrd. Euro. Dies lag hauptsächlich an höheren Dividendenzahlungen an Gebietsfremde für deren Wertpapierengagements.
Gleichzeitig weitete sich das Defizit bei den Dienstleistungen aus. Es stieg um 2,5 Milliarden Euro auf 5,8 Milliarden Euro. Hier spielten vor allem geringere Einnahmen aus Telekommunikations-, EDV- und Informationsdiensten eine Rolle.
Ein Lichtblick zeigte sich bei den Sekundäreinkommen. Hier verkleinerte sich das Defizit um 2,6 Milliarden Euro auf 4,7 Milliarden Euro. Dies lag an insgesamt rückläufigen Aufwendungen, insbesondere bei den Zahlungen des Staates an den EU-Haushalt.
Kapitalverkehr: Von Export zu Import
Nach Netto-Kapitalexporten von 19,1 Milliarden Euro im März verzeichnete Deutschland im April 2026 Netto-Kapitalimporte von 1,0 Milliarden Euro. Dies markiert eine deutliche Verschiebung im grenzüberschreitenden Finanzfluss.
Direktinvestitionen und Wertpapierverkehr
Bei den Direktinvestitionen gab es im April Netto-Kapitalexporte von 13,6 Milliarden Euro. Im März lagen diese noch bei 20,1 Milliarden Euro. Hiesige Unternehmen erhöhten ihre Direktinvestitionen im Ausland um 7,0 Milliarden Euro, wobei das Beteiligungskapital um 11,1 Milliarden Euro aufgestockt wurde. Bei konzerninternen Krediten überwogen per saldo die Tilgungen mit 4,1 Milliarden Euro.
"Höhere Dividendenzahlungen an Gebietsfremde für deren Wertpapierengagements waren ein wesentlicher Faktor für den Rückgang der Primäreinkommen."
Ausländische Unternehmen zogen hingegen Direktinvestitionsmittel in Höhe von 6,6 Milliarden Euro aus Deutschland ab. Obwohl sie das Beteiligungskapital in Deutschland um 1,5 Milliarden Euro erhöhten, überwogen auch hier die Tilgungen bei konzerninternen Krediten mit 8,1 Milliarden Euro.
Der grenzüberschreitende Wertpapierverkehr Deutschlands zeigte im April geringfügige Netto-Kapitalexporte von 0,2 Milliarden Euro. Im März gab es hier noch Netto-Kapitalimporte von 1,2 Milliarden Euro.
Hintergrund: Leistungsbilanz
Die Leistungsbilanz erfasst alle wirtschaftlichen Transaktionen eines Landes mit dem Ausland innerhalb einer Periode. Sie umfasst den Warenhandel, Dienstleistungen, Primäreinkommen (z.B. Zinsen, Dividenden) und Sekundäreinkommen (z.B. Überweisungen).
Inländische Investoren kauften per saldo ausländische Wertpapiere für 31,1 Milliarden Euro. Dabei entfielen 14,3 Milliarden Euro auf Investmentzertifikate, 10,0 Milliarden Euro auf Anleihen, 6,5 Milliarden Euro auf Aktien und 0,3 Milliarden Euro auf Geldmarktpapiere.
Ausländische Anleger nahmen inländische Wertpapiere für 30,9 Milliarden Euro in ihre Portfolios auf. Sie kauften Anleihen (14,8 Mrd. Euro), Geldmarktpapiere (6,4 Mrd. Euro), Investmentzertifikate (5,2 Mrd. Euro) und Aktien (4,5 Mrd. Euro).
Finanzderivate und Sonstiger Kapitalverkehr
Die Transaktionen mit Finanzderivaten führten im April zu Mittelabflüssen von 5,5 Milliarden Euro, ein Rückgang gegenüber den 10,8 Milliarden Euro im März.
Der übrige Kapitalverkehr, der Finanz- und Handelskredite, Bankguthaben und sonstige Anlagen umfasst, verzeichnete im April Netto-Kapitalimporte von 19,5 Milliarden Euro. Im Vormonat waren es noch 11,1 Milliarden Euro.
Unternehmen und Privatpersonen trugen mit 21,6 Milliarden Euro zu diesen Importen bei, die Monetären Finanzinstitute (ohne Bundesbank) mit 20,6 Milliarden Euro und der Staat mit 6,1 Milliarden Euro. Demgegenüber führten die Transaktionen über die Konten der Bundesbank zu Netto-Kapitalexporten von 28,7 Milliarden Euro.
Diese Kapitalexporte der Bundesbank resultierten aus gestiegenen TARGET-Forderungen gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Währungsreserven der Bundesbank sanken im April um 0,7 Milliarden Euro, gerechnet zu Transaktionswerten.





