Virtual-Reality-Brillen sind in vielen Haushalten angekommen und bieten spannende Möglichkeiten von Gaming bis hin zu virtuellen Reisen. Doch die fortschrittliche Technologie birgt auch erhebliche Risiken für die persönliche Privatsphäre. Diese Geräte sammeln weitaus mehr Daten als herkömmliche Internetnutzung, was tiefe Einblicke in unser Verhalten, unsere Vorlieben und sogar unsere Persönlichkeit ermöglicht.
Wichtige Erkenntnisse
- VR-Brillen sammeln detaillierte Bewegungs-, Augen- und Umgebungsdaten.
- Diese Daten können so einzigartig sein wie ein Fingerabdruck und viel über Nutzer verraten.
- Unternehmen nutzen die Daten zur Personalisierung und für gezielte Werbung.
- Nutzer können durch bewusste Einstellungen und Verhaltensweisen Risiken minimieren.
- Besondere Vorsicht ist bei der Nutzung durch Kinder geboten.
VR-Brillen im Alltag: Mehr als nur Unterhaltung
Virtual-Reality-Brillen, oft als VR-Brillen bezeichnet, sind tragbare Computer, die ein dreidimensionales Bild direkt vor den Augen erzeugen. Sie versetzen Nutzer in eine virtuelle Umgebung und sind längst keine Nischenprodukte mehr. Moderne VR-Brillen verfügen über eigene Betriebssysteme und App-Stores, über die Anwendungen heruntergeladen werden können.
Ihre Einsatzgebiete sind vielfältig. Sie reichen von Videospielen und 360-Grad-Videos über virtuelle soziale Netzwerke und Einkaufserlebnisse bis hin zu Fitness- und Bildungsangeboten. Auch virtuelle Reisen zu realen oder fiktiven Orten sind möglich. Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen eröffnen VR-Brillen neue Wege zur Teilhabe.
Anwendungsbereiche von VR-Brillen
- Unterhaltung (Spiele, Streaming, virtuelle Veranstaltungen)
- Soziale Netzwerke und virtuelle Treffen
- Einkaufen in virtuellen Läden
- Fitness- und Gesundheitsanwendungen
- Lern- und Bildungsangebote (virtuelle Museen, Simulationen)
- Berufliche Nutzung (Training, Konstruktion, Fernunterstützung)
Im beruflichen Kontext unterstützen sie Simulationen für Ausbildung und Betriebsabläufe oder helfen bei der Behandlung psychischer Erkrankungen. Diese breite Palette an Anwendungen macht VR-Brillen zu einem faszinierenden Werkzeug, birgt jedoch auch neue Herausforderungen im Bereich des Datenschutzes.
Datensammlung in der virtuellen Welt: Was VR-Brillen alles erfassen
VR-Brillen sind mit zahlreichen Sensoren ausgestattet, darunter Kameras und Mikrofone. Diese Sensoren ermöglichen eine weitaus detailliertere Datenerfassung als dies bei der üblichen Internetnutzung über einen Bildschirm der Fall ist. Innerhalb von nur 20 Minuten Nutzung können bis zu 2 Millionen einzelne Datenpunkte anfallen. Ein Datenpunkt ist dabei eine einzelne Information, beispielsweise die Blickrichtung oder die Geschwindigkeit einer Kopfdrehung.
Die Geräte zeichnen auf, wie sich Nutzer bewegen, wohin sie schauen und wie sie sich verhalten. Hier sind die fünf Hauptkategorien von Daten, die VR-Brillen sammeln können:
- Bewegungen: Erfassung von Kopf-, Körper- und Handbewegungen sowie der Fortbewegung im Raum.
- Augenbewegungen: Neuere Modelle verfolgen die Blickrichtung, messen die Blickdauer und analysieren Pupillenreaktionen.
- Gesichtsausdrücke: Einige neue Modelle können Gesichtsausdrücke aufzeichnen, um diese auf Avatare zu übertragen.
- Ton und Sprache: Mikrofone erfassen die Stimme und Umgebungsgeräusche.
- Umgebung: Außenkameras scannen den Raum, um Kollisionen zu vermeiden. Dabei können jedoch auch Teile des Zimmers oder andere Personen gefilmt werden.
Zusätzlich zum Nutzungsverhalten in Spielen und Apps werden auch Interaktionen mit anderen Personen in VR-Welten detailliert erfasst, wie etwa Gesprächspartner und Gesprächsdauer. Diese umfassende Datenerfassung birgt das Potenzial, sehr genaue Profile der Nutzer zu erstellen.
Was Ihre VR-Daten über Sie verraten können
Die gesammelten Daten können weit mehr offenbaren als nur technische Notwendigkeiten. Zum Beispiel ist das Scannen des Raumes und die Berechnung der Körpergröße oft technisch notwendig für die Nutzung. Auch die kurzzeitige Speicherung von Gesprächen kann für Sicherheitsfunktionen wichtig sein, um Fehlverhalten zu melden.
Ihre Daten – Einzigartig wie ein Fingerabdruck?
Ihre Körper-, Kopf- und Handbewegungen können Sie so treffsicher identifizieren wie Ihr Fingerabdruck. Die Kombination aus Größe, Haltung und der Art, wie Sie sich bewegen, ergibt ein für jeden Menschen einzigartiges Bewegungsmuster.
Aus der Kombination von Bewegungsdaten, Augenbewegungen und Gesichtsausdrücken können VR-Unternehmen detaillierte Rückschlüsse ziehen. So können Augenbewegungen Informationen über den Gefühlszustand, sexuelle Vorlieben oder den persönlichen Geschmack bei Essen und Einrichtung liefern. Dies geschieht durch die Analyse von Blickfrequenz, Blickdauer, Pupillenreaktionen und Blinzelhäufigkeit.
„Ein Blick sagt mehr als tausend Worte – das gilt auch in der virtuellen Realität“, so ein Experte im Bereich Datenschutz. „Die Daten können Rückschlüsse auf Ihre Persönlichkeit, Ihre Interessen und sogar Ihre sensibelsten Merkmale zulassen.“
Die Kombination all dieser Daten erlaubt es, ein umfassendes Profil zu erstellen. Dazu gehören unter anderem das ungefähre Alter, Geschlecht, Körpergewicht, Einkommen, die politische Orientierung, der Gefühlszustand, mögliche Drogenabhängigkeit und sogar Persönlichkeitsmerkmale wie Offenheit oder Gewissenhaftigkeit.
Nutzung der Daten durch Unternehmen und die Folgen
VR-Unternehmen nutzen die gesammelten Daten hauptsächlich zur Verbesserung ihrer Anwendungen, für personalisierte Inhaltvorschläge und für gezielte Werbung. Ziel ist es, die Nutzererfahrung so fesselnd und ansprechend wie möglich zu gestalten, um eine längere und häufigere Nutzung der VR-Brille zu fördern.
Dies kann verschiedene Folgen für Verbraucher haben:
- Suchtähnliches Verhalten: Durch die optimierte Gestaltung können Nutzer dazu verleitet werden, die VR-Brille länger und häufiger zu nutzen.
- Beeinflussung durch personalisierte Werbung: Gezielte Werbung kann zu unüberlegten Kaufentscheidungen führen oder im Falle politischer Werbung die Meinungsbildung manipulieren.
- Risiko von Datenmissbrauch und -diebstahl: Die enorme Menge an sensiblen Daten macht VR-Nutzer zu attraktiven Zielen für Hackerangriffe und Identitätsdiebstahl.
Die umfassende kommerzielle Nutzung dieser Daten ist grundsätzlich nicht ohne die freiwillige Einwilligung der Nutzer zulässig, die jederzeit widerrufen werden kann.
So schützen Sie Ihre Daten in der virtuellen Welt
Ein vollständiger Schutz der Daten ist bei der Nutzung von VR-Brillen schwierig, da die Anbieter mit den gesammelten Daten Geld verdienen. Dennoch gibt es wichtige Schritte, um die Preisgabe von Informationen zu minimieren und Risiken zu reduzieren. Verbraucherzentralen empfehlen, sich bewusst zu machen, dass alles, was man mit einer VR-Brille tut, potenziell aufgezeichnet werden kann.
Vor dem Kauf und der ersten Nutzung
Informieren Sie sich vor dem Kauf über die Datenerfassung des Geräteherstellers. Unabhängige Tests und Fachportale können hierbei helfen. Aktuell gibt es nur wenige datensparsame Modelle auf dem Markt.
Bei der ersten Einrichtung gilt: Lehnen Sie zunächst alle Anfragen zur Datenerfassung oder zum Zugriff auf Sensoren ab. Viele Angebote funktionieren trotzdem, sammeln aber weniger Daten, da Anbieter ohne Zustimmung keine Daten verarbeiten dürfen. Achten Sie auf irreführende Gestaltung von Zustimmungs-Buttons, die oft „Akzeptieren“ hervorheben.
Bei der Kontoerstellung sollten Sie:
- Nur unbedingt notwendige Daten angeben und auf optionale Angaben verzichten.
- Ein Pseudonym statt des echten Namens verwenden.
- Kein persönliches Foto als Profilbild hochladen.
- Den Avatar nicht zu 100 % an Ihr Erscheinungsbild anpassen.
- Wenn möglich, nur die E-Mail-Adresse nutzen und keine Verknüpfung mit anderen Konten (Google, soziale Netzwerke, Fitness-Apps) vornehmen.
- Ein starkes Passwort verwenden und die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren.
Einstellungen und Nutzung während des Betriebs
Beim ersten Einschalten der VR-Brille sollten Sie das Teilen von Daten zur Dienstverbesserung ablehnen. Deaktivieren Sie Hand-, Körper-, Augen- und Gesichtstracking, sofern diese Funktionen nicht zwingend benötigt werden. Ein einmaliger Raumscan zu Beginn ist oft ausreichend; deaktivieren Sie erweiterte räumliche Dienste. Es ist ratsam, die VR-Brille immer im selben Raum zu nutzen.
Überprüfen Sie regelmäßig die Privatsphäre- und Datenschutzeinstellungen:
- Deaktivieren Sie personalisierte Werbung und Ortungsdienste.
- Deaktivieren Sie Headset-Tracking, falls Sie nicht verfolgt werden möchten, wo Sie sich im Raum befinden (dies kann die Funktionalität einschränken).
- Deaktivieren Sie alle nicht benötigten Sensoren wie Hand-, Körper-, Augen- und Gesichtstracking.
- Beachten Sie, dass Mikrofon und Kameras nicht pauschal deaktiviert werden können.
Bei der Nutzung von Apps: Viele kostenlose Apps finanzieren sich durch Datensammlung. Achten Sie bei der Installation auf geforderte Zugriffsberechtigungen und schränken Sie diese nachträglich ein. Löschen Sie bei nicht mehr genutzten Apps zuerst den Account, dann die App selbst, um Berechtigungen zu entziehen. Nutzen Sie die VR-Brille möglichst offline und aktivieren Sie WLAN nur bei Bedarf.
Sicherheit und erweiterte Maßnahmen
Für Ihre Sicherheit sollten Sie stets aktuelle Updates installieren und automatische Updates aktivieren. Nutzen Sie nur Apps von seriösen Anbietern und seien Sie vorsichtig bei Anwendungen von anderen Nutzern. Verwenden Sie die VR-Brille nur in einem sicheren, privaten WLAN und teilen Sie keine sensiblen Daten.
Vermeiden Sie die Nutzung in sensiblen Situationen, insbesondere wenn Minderjährige oder andere Personen im Raum sind. Schalten Sie die Brille nach Gebrauch komplett aus und bewahren Sie sie in einer geschlossenen Box auf. Beim Weiterverkauf löschen Sie alle Daten und setzen die Brille auf Werkseinstellungen zurück.
Wichtige Rechte als Nutzer
- Recht auf Auskunft: Sie können beim Betreiber Auskunft über Ihre gespeicherten Daten verlangen.
- Recht auf Löschung: Sie können die Löschung all Ihrer Daten beantragen.
- Beschwerderecht: Bei Missachtung Ihrer Rechte können Sie eine Beschwerde bei einer Datenschutzaufsichtsbehörde einreichen.
Für fortgeschrittene Nutzer besteht die Möglichkeit, ein VPN für die VR-Brille einzurichten. Ein VPN kann die IP-Adresse und den Standort verbergen, obwohl andere Daten weiterhin gesammelt werden. Es sorgt zudem für eine sichere Verbindung. Achten Sie bei der Wahl des VPN-Dienstes darauf, welche Daten dieser protokolliert.





