Pflegebedürftige und ihre Angehörigen stehen oft unter großem Druck. In dieser schwierigen Phase nutzen unseriöse Anbieter die Situation aus. Sie locken mit vermeintlich kostenlosen Dienstleistungen oder drängen zu Verträgen, die oft unnötige Kosten verursachen oder wichtige Leistungen blockieren.
Wichtige Punkte
- Pflegeanträge bei Kassen sind immer kostenlos.
- Vorsicht vor unerwünschten Werbeanrufen (Cold Calling).
- Nie sensible Daten am Telefon preisgeben.
- Verträge und Abtretungserklärungen genau prüfen.
- Unabhängige Beratungsstellen nutzen.
Wie Betrüger im Pflegebereich vorgehen
Die Verbraucherzentralen erhalten regelmäßig Beschwerden über fragwürdige Praktiken im Pflegebereich. Die rechtlichen Ansprüche und die verschiedenen Pflegegrade sind komplex. Dies nutzen unseriöse Dienstleister aus, um Profit zu schlagen.
Kostenpflichtige Hilfe beim Pflegeantrag
Ein häufiges Problem sind Online-Dienstleister, die mit „kostenlosen“ Services werben. Dabei ist die direkte Beantragung von Leistungen bei der Pflegekasse immer gratis. Oft werden im Hintergrund unbemerkt weitere Leistungen beantragt, zum Beispiel Pflegehilfsmittel zum Verbrauch. Dies kann zu unerwarteten Lieferungen und Kosten führen.
Wussten Sie schon?
Die Beantragung eines Pflegegrades oder von Leistungen bei Ihrer Pflegekasse ist immer kostenlos. Seien Sie misstrauisch, wenn jemand Geld dafür verlangt.
Provisionen für Verhinderungs- und Entlastungspflege
Manche Anbieter verlangen Entgelte, um Ansprüche auf den Entlastungsbetrag oder die Verhinderungspflege bei der Pflegekasse geltend zu machen. Teilweise erheben sie eine Provision von bis zu 10 Prozent des erstatteten Betrags. Auch hier gilt: Die Antragstellung direkt bei der Pflegekasse ist stets kostenfrei.
"In der emotional belastenden Situation der Pflege sollten sich Betroffene nicht unter Druck setzen lassen. Es ist wichtig, alle Angebote genau zu prüfen und sich unabhängig beraten zu lassen."
Unerlaubte Werbeanrufe (Cold Calling)
Vermeintliche Mitarbeitende der Pflegekasse oder des Medizinischen Dienstes (MD) drängen am Telefon zum Abschluss von Verträgen. Dabei geht es oft um Hausnotrufe, Pflegekurse oder Pflegehilfsmittel zum Verbrauch. Diese Anrufe sind oft unerlaubte Kaltakquise und dienen dazu, schnell Verträge abzuschließen, die oft nicht dem tatsächlichen Bedarf entsprechen.
Versteckte Abtretungserklärungen und ihre Folgen
Eine besonders perfide Masche sind versteckte Abtretungserklärungen. Einige ambulante Pflegedienste lassen sich Leistungen wie die Verhinderungspflege oder den Entlastungsbetrag „automatisch“ abtreten. Dies bedeutet, dass die Betroffenen den Zugriff auf ihr eigenes Budget verlieren. Wenn sie das Geld später für andere, dringend benötigte Zwecke tatsächlich brauchen, steht es ihnen nicht mehr zur Verfügung.
Was ist eine Abtretungserklärung?
Eine Abtretungserklärung ist eine rechtliche Vereinbarung, bei der Sie Ihre Ansprüche auf eine Zahlung an eine andere Person oder ein Unternehmen übertragen. Im Pflegebereich bedeutet dies, dass Ihr Pflegedienst direkt mit der Pflegekasse abrechnet und Sie keinen direkten Zugriff mehr auf das Budget haben.
Es ist entscheidend, solche Klauseln in Pflegeverträgen genau zu prüfen. Eine Unterschrift kann hier weitreichende finanzielle Folgen haben.
So schützen Sie sich vor Betrug
Um sich in der komplexen Pflegewelt zu schützen, gibt es klare Schritte, die Sie beachten sollten. Der wichtigste Grundsatz ist, sich nicht unter Druck setzen zu lassen und immer kritisch zu bleiben.
Keine sensiblen Daten am Telefon preisgeben
- Geben Sie niemals Details zum Pflegegrad oder persönliche Daten an Unbekannte weiter.
- Echte Pflegekassen fordern solche Informationen nicht spontan am Telefon ab.
- Unerwünschte Werbeanrufe können Sie bei der Bundesnetzagentur melden.
Konsequent nachhaken bei Werbeanrufen
Bei unerwünschten Anrufen sollten Sie aktiv Fragen stellen:
- „Mit wem spreche ich?“
- „Für welches Unternehmen rufen Sie an?“
- „Was ist der Grund für Ihren Anruf?“
- „Woher haben Sie meine Daten?“
Verlangen Sie zudem eine Datenauskunft sowie die Löschung Ihrer Daten gemäß Art. 15 DSGVO. Dies kann unseriöse Anrufer abschrecken.
Anträge direkt bei der Pflegekasse stellen
Nutzen Sie für die Beantragung eines Pflegegrades keine Drittanbieter im Internet. Wenden Sie sich direkt an Ihre Pflegekasse. Dies spart Kosten und schützt Ihre persönlichen Daten vor Missbrauch. Die Pflegekassen sind verpflichtet, Sie kostenlos zu beraten.
Verträge und Abtretungen genau prüfen
Unterschreiben Sie nichts ungeprüft. Achten Sie bei Pflegeverträgen besonders auf Klauseln zur Abtretung des Entlastungsbetrags oder der Verhinderungspflege. Nehmen Sie sich Zeit, die Dokumente in Ruhe durchzulesen, oder lassen Sie sie von einer Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle prüfen.
Widerrufsrecht nutzen
Wenn Sie einen Vertrag unbewusst abgeschlossen haben oder sich dazu gedrängt fühlten (z.B. zur Lieferung von Pflegehilfsmitteln), widerrufen Sie diesen umgehend schriftlich. Dies ist in der Regel innerhalb von 14 Tagen möglich.
Bedarf prüfen und unabhängige Beratung nutzen
Prüfen Sie zuerst, welche Leistungen Sie tatsächlich brauchen und welche am besten zu Ihrem individuellen Bedarf passen. Lassen Sie sich nicht von schnellen Angeboten blenden, die Ihnen nicht benötigte Produkte oder Services aufdrängen wollen.
Wo Sie unabhängige Hilfe finden
- Pflegestützpunkte: Diese bieten kostenlose und neutrale Beratung zu allen Fragen rund um die Pflege.
- Ihre Pflegekasse: Auch die Pflegekassen selbst sind eine wichtige Anlaufstelle für Informationen und Anträge.
- Verbraucherzentralen: Sie bieten umfassende Beratung und helfen bei Problemen mit unseriösen Anbietern.
Vergleichen Sie Angebote für Hausnotrufe oder Hilfsmittelboxen in Ruhe, bevor Sie sich binden. Eine fundierte Entscheidung schützt Sie vor unnötigen Ausgaben und Frustration.
Haben Sie selbst ähnliche Erfahrungen gemacht? Es ist wichtig, solche Fälle zu melden, damit Missstände aufgedeckt und andere geschützt werden können. Melden Sie Ihren Fall zum Beispiel über das Beschwerde-Formular der Verbraucherzentralen zur ambulanten Pflege.
Weitere hilfreiche Informationen:
- Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: Diese Regeln sollten Sie kennen
- Pflegehilfsmittel: Wer bekommt sie, wer muss zahlen?
- Hilfsmittel für die Krankenbehandlung und in der Pflege





