Eltern stehen oft vor der Herausforderung, sicheres und schadstofffreies Spielzeug für ihre Kinder auszuwählen. Der Markt ist riesig, und nicht alle Produkte erfüllen die hohen Standards, die für die Gesundheit unserer Kleinsten notwendig sind. Verbraucherzentralen und unabhängige Testinstitute geben wichtige Hinweise, worauf beim Kauf geachtet werden sollte, um Risiken durch Chemikalien und mangelhafte Verarbeitung zu vermeiden.
Wichtige Erkenntnisse
- Prüfen Sie Spielzeug mit allen Sinnen auf Geruch, Kanten und Verarbeitung.
- Achten Sie auf das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit.
- Das CE-Zeichen ist eine Herstellererklärung, kein unabhängiges Prüfsiegel.
- Vermeiden Sie gebrauchtes Weichplastikspielzeug aus der Zeit vor 2007 wegen schädlicher Weichmacher.
- Informieren Sie sich über aktuelle Testergebnisse von Stiftung Warentest und ÖKO-TEST.
Warum die Wahl des richtigen Spielzeugs so wichtig ist
Spielzeug ist mehr als nur Unterhaltung. Es fördert die Entwicklung von Kindern, regt die Fantasie an und unterstützt das Lernen. Doch die Freude am Spiel kann getrübt werden, wenn Produkte gesundheitsschädliche Stoffe enthalten oder Sicherheitsmängel aufweisen. Unabhängige Tests zeigen immer wieder, dass selbst namhafte Hersteller nicht immer einwandfreie Produkte liefern.
Sicherheit und Schadstofffreiheit sollten daher oberste Priorität haben. Eltern sollten sich aktiv informieren und Spielzeug kritisch begutachten, bevor es in Kinderhände gelangt.
Wussten Sie schon?
Billiges Spielzeug wird häufiger aus ungeprüften, schadstoffbelasteten Materialien hergestellt. Doch auch bei Markenprodukten gibt es immer wieder Mängel.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Die Bedeutung von Prüfzeichen
Das GS-Zeichen ("Geprüfte Sicherheit") ist ein wichtiges Kriterium. Es bestätigt, dass das Spielzeug von einer unabhängigen Stelle geprüft wurde und den gesetzlichen Anforderungen an Sicherheit und Schadstoffe entspricht. Diese Prüfungen erfolgen regelmäßig und sind ein verlässlicher Indikator für Qualität.
Das CE-Zeichen hingegen ist lediglich eine Herstellererklärung. Es besagt, dass der Hersteller die Einhaltung der europäischen Richtlinien selbst bescheinigt. Eine unabhängige Prüfung ist damit nicht verbunden. Dennoch sollte kein Spielzeug ohne CE-Zeichen gekauft werden, da dessen Kennzeichnung gesetzlich vorgeschrieben ist.
"Das GS-Zeichen bietet eine zusätzliche Sicherheitsebene, die Eltern unbedingt beachten sollten. Es geht über die reine Herstellererklärung hinaus und bestätigt eine unabhängige Prüfung."
Spielzeug mit allen Sinnen prüfen
Bevor ein Spielzeug den Weg ins Kinderzimmer findet, lohnt sich eine genaue Begutachtung. Achten Sie auf folgende Merkmale:
- Geruch: Ein unangenehmer oder chemischer Geruch ist ein Warnsignal.
- Verarbeitung: Scharfe Kanten, Pressnähte oder Fehler bei Nähten, Bedruckung oder Lackierung sind inakzeptabel.
- Abfärben: Materialien, die beim Reiben abfärben, insbesondere bunte Bänder oder Schleifen, können schädliche Farbstoffe enthalten.
- Fasern und Füllungen: Bei Stofftieren sollten sich keine Fasern oder Füllungen leicht herausziehen lassen.
Warnhinweise und Altersangaben
Die Altersangaben auf der Verpackung sind obligatorisch und beginnen immer mit dem Wort "Achtung". Spielzeug, das mit "Achtung. Nicht für Kinder unter 36 Monaten verwenden" gekennzeichnet ist, sollte strikt befolgt werden. Solche Produkte können verschluckbare Kleinteile oder lange Schnüre enthalten, die eine Erstickungsgefahr darstellen.
Besonders bei Spielzeug für Kinder unter drei Jahren dürfen sich keine verschluckbaren Kleinteile (bis zur Größe eines Tischtennisballs) lösen. Batterien oder Knopfzellen müssen sicher und für Kinder unzugänglich angebracht sein.
Hintergrund: Grenzwerte und Vorschriften
In den letzten Jahren wurden zahlreiche Grenzwerte für Schadstoffe in Spielzeug eingeführt oder verschärft. Seit Mai 2021 gelten strengere Grenzwerte für Aluminium und Formaldehyd. Im Dezember 2022 wurden neue Grenzwerte für das krebserzeugende Anilin festgelegt. Älteres Spielzeug kann diese modernen Standards möglicherweise nicht erfüllen.
Materialkunde: Was ist sicher, was nicht?
Plastikspielzeug
Nicht jeder Kunststoff ist gleich. Während hartes Plastik aus ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer) vieler namhafter Hersteller in Tests gut abschneidet, ist bei weichen Kunststoffen Vorsicht geboten. PVC (Polyvinylchlorid) wird durch Weichmacher wie Phthalate elastisch gemacht, die sich jedoch aus dem Material lösen und in den Körper gelangen können. Diese Weichmacher stehen im Verdacht, das Hormonsystem zu stören und die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen.
- Achten Sie auf den Hinweis "PVC-frei" oder "phthalatfrei".
- Bevorzugen Sie Spielzeug aus PE (Polyethylen), PP (Polypropylen) oder ABS.
- Vorsicht bei billigen No-Name-Produkten aus weichem Plastik, insbesondere bei "Squishies".
- Gebrauchtes Weichplastikspielzeug, das vor 2007 hergestellt wurde, sollte gemieden werden.
Metallspielzeug
Nickel ist ein häufiges Kontaktallergen. Spielzeug, das zu viel Nickel freisetzt, kann bei Kindern eine lebenslange Allergie auslösen. Dies betrifft oft unlackiertes Metall oder Modellbaukästen. 2016 überschritten laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit 87 Prozent der untersuchten Metall- und Modellbaukästen den Grenzwert erheblich.
Auch hier ist das GS-Zeichen ein verlässlicher Indikator dafür, dass die gesetzlichen Nickel-Grenzwerte eingehalten werden.
Holzspielzeug
Holz ist ein beliebtes und oft sicheres Material. Achten Sie auf unbehandeltes Voll- oder Massivholz. Bei behandeltem Holz sollten Farben und Lacke der Spielzeugnorm DIN EN 71-3 entsprechen. Siegel wie Naturland oder das FSC-Label kennzeichnen Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft.
Vorsicht ist bei Holzwerkstoffen wie Sperrholz geboten, da diese Formaldehyd freisetzen können, was die Atemwege reizt und krebserregend wirken kann. Stiftung Warentest und ÖKO-TEST haben jedoch gezeigt, dass viele Hersteller hochwertiges und sicheres Holzspielzeug anbieten.
Kuscheltiere, Farben und Bastelmaterialien
Stofftiere und Kuscheltiere
Auch bei Kuscheltieren sind Schadstoffe ein Thema. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest im Jahr 2020 zeigte, dass die Hälfte der getesteten Kuscheltiere Mängel aufwies, darunter Schadstoffe, sich lösende Kleinteile oder zu schnelle Entflammbarkeit.
Suchen Sie nach Stoffspielzeug mit den Siegeln IVN, GOTS oder OEKO-TEX STANDARD 100. Waschen Sie neue Stofftiere immer vor dem ersten Gebrauch. Bei Kleinkindern sind aufgestickte Gesichter sicherer als Plastik- oder Glasaugen.
Fingerfarben und Knetmasse
Fingerfarben und Knetmasse gehören zu den beliebtesten Kreativspielzeugen. Bei Fingerfarben sollten Sie aktuelle Testberichte von ÖKO-TEST prüfen und Produkte auf Basis von Lebensmittel- oder Pflanzenfarben bevorzugen. Konservierungsstoffe müssen auf der Verpackung angegeben sein.
Bei Knetmasse fielen 2020 viele Produkte in Tests durch, oft wegen aromatischer Mineralölkohlenwasserstoffe, die krebserregende Substanzen enthalten können. Ton und Salzteig sind sichere Alternativen. Wenn Sie Knete selbst herstellen, verzichten Sie auf Alaun, um eine zusätzliche Aluminiumbelastung zu vermeiden.
Spielschleim und Straßenmalkreide
Spielschleime gaben in Tests häufig mehr Borsäure ab als gesetzlich erlaubt. Borsäure kann bei übermäßigem Verzehr Durchfall und Bauchschmerzen verursachen und steht im Verdacht, Fruchtbarkeit und Embryonalentwicklung zu schädigen. Selbermachen aus Marshmallows und Mehl ist eine sichere Alternative.
Straßenmalkreide ist ebenfalls nicht immer unbedenklich. 2018 wurden in sieben von elf getesteten Kreiden krebserregende aromatische Amine nachgewiesen. Weiße Kreide ist in der Regel unkritisch. Eine einfache und sichere Alternative ist selbst gemachte Kreide aus Gips und Lebensmittelfarben.
Kinderschminke und Luftballons
Kinderschminke
Kinderschminke, die als Spielzeug verkauft wird, enthält oft problematische Inhaltsstoffe wie krebserregende PAK, verbotene Konservierungsmittel oder erhöhte Nickelwerte. Die Hälfte der 2016 von ÖKO-TEST getesteten Produkte schnitt "ungenügend" ab.
Greifen Sie lieber zu zertifizierter Naturkosmetik für Erwachsene mit BDIH/COSMOS- oder NATRUE-Siegel. Diese Produkte müssen strengere Anforderungen erfüllen und sind oft geruchlos, was Allergien vorbeugt.
Luftballons
Luftballons unterliegen strengen Grenzwerten für Nitrosamine, da diese Substanzen das Erbgut verändern und krebserzeugend wirken können. Luftballons aus seriösen Geschäften vor Ort schnitten in Tests deutlich besser ab als Produkte aus Online-Shops aus Fernost.
Beachten Sie die Warnhinweise: Kinder unter 8 Jahren können an nicht aufgeblasenen oder geplatzten Ballons ersticken. Eine Pumpe zum Aufblasen ist empfehlenswert, und geplatzte Ballons müssen sofort entfernt werden.
Fazit: Informierter Kauf schützt Kinder
Die Auswahl des richtigen Spielzeugs erfordert Aufmerksamkeit und Information. Das GS-Zeichen, das Prüfen mit allen Sinnen und das Beachten von Warnhinweisen sind entscheidend. Nutzen Sie die Testergebnisse von Stiftung Warentest und ÖKO-TEST als Orientierungshilfe.
Die Verbraucherzentrale NRW bietet eine Online-Schadstoffberatung an, bei der Fragen zu Schadstoffen in Spielzeug und Haushaltsprodukten gestellt werden können. Ein bewusster Kauf schützt nicht nur die Gesundheit Ihrer Kinder, sondern fördert auch eine nachhaltigere Spielzeugproduktion.





