Ab dem 1. Mai soll die Energiesteuer auf Kraftstoffe für zwei Monate gesenkt werden. Doch Verbraucher könnten an den Zapfsäulen nicht sofort die volle Entlastung spüren. Experten warnen vor einer verzögerten Weitergabe des sogenannten „Tankrabatts“.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Energiesteuersenkung gilt vom 1. Mai bis 30. Juni.
- Verbraucher könnten erst mit Verzögerung von den niedrigeren Preisen profitieren.
- Kraftstoff in Tanklagern ist zum Stichtag noch höher versteuert.
- Preisanpassungen hängen auch stark vom Wettbewerb ab.
- Ähnliche Effekte gab es bereits beim Tankrabatt 2022.
Verzögerte Weitergabe: Warum der Preis nicht sofort fällt
Die geplante Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um jeweils rund 17 Cent brutto pro Liter wird voraussichtlich nicht direkt am Stichtag, dem 1. Mai, in vollem Umfang bei den Konsumenten ankommen. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erklärt in seiner Stellungnahme für den Finanzausschuss des Bundestags, dass die Steuersystematik hier eine Rolle spielt.
Die Energiesteuer entsteht bereits bei der Auslieferung der Kraftstoffe aus Raffinerien und großen Tanklagern, nicht erst beim Verkauf an der Tankstelle. Das bedeutet, dass alle Bestände, die vor dem 1. Mai eingelagert wurden, noch mit dem alten, höheren Steuersatz belegt sind. Die Tanks der Tankstellen werden am Stichtag also noch „normal versteuerten“ Kraftstoff enthalten.
„Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Steuersatzsenkung verzögert und schleichend in den Verbrauchspreisen widerspiegelt.“
Effekt auf die Nachfrage vor dem Stichtag
Es wird erwartet, dass Autofahrer in den Tagen vor dem 1. Mai zögerlich beim Tanken sein werden. Viele werden versuchen, das Tanken auf den Stichtag zu verschieben, um von den niedrigeren Preisen zu profitieren. Dies könnte jedoch dazu führen, dass die Tankstellen zunächst ihre höher versteuerten Bestände abverkaufen müssen, bevor sie günstigere Lieferungen erhalten.
Fakten zum Tankrabatt
- Dauer: 1. Mai bis 30. Juni
- Senkung Benzin: ca. 17 Cent brutto pro Liter
- Senkung Diesel: ca. 17 Cent brutto pro Liter
- Steuerentstehung: Bei Auslieferung aus dem Tanklager
Erfahrungen aus dem Tankrabatt 2022
Ähnliche Bedenken gab es bereits beim Tankrabatt im Jahr 2022. Damals zeigte sich, dass die Preisanpassungen nicht eins zu eins der Steuersenkung folgten. Daten des ADAC belegen, dass die bundesweiten Tagesdurchschnittspreise für E10 zu Beginn des Rabatts um etwa 27 Cent sanken, obwohl der Steuerunterschied rund 35 Cent betrug. Bei Diesel sank der Preis um knapp 12 Cent bei einem Steuerunterschied von rund 17 Cent.
Dies deutet darauf hin, dass die Marktmechanismen und der Wettbewerb zwischen den Tankstellen eine entscheidende Rolle spielen. Die Preise an den Zapfsäulen hängen nicht nur von den Energiesteuern ab, sondern auch von vielen anderen Parametern, die sich am Markt bilden.
Der umgekehrte Effekt am Ende des Rabatts
Der gleiche Effekt wird sich voraussichtlich auch am Ende der Rabattperiode zeigen, jedoch mit umgekehrtem Vorzeichen. Wenn der Tankrabatt am 30. Juni endet, werden die Tankstellen noch Bestände mit niedrig versteuertem Kraftstoff haben. Sie könnten diese dann aber bereits zu den höheren, wieder regulär versteuerten Preisen verkaufen.
Auch hier war 2022 zu beobachten, dass die Preissprünge am Ende des Rabatts zwar deutlich waren, aber ebenfalls niedriger ausfielen als die tatsächliche steuerliche Änderung. E10 stieg damals um 23 Cent, Diesel um knapp 9 Cent, jeweils weniger als die ursprüngliche Steuersenkung.
Hintergrund der Energiesteuer
Die Energiesteuer ist eine der wichtigsten Abgaben auf Kraftstoffe in Deutschland. Sie trägt wesentlich zum Endpreis an der Zapfsäule bei. Ihre Senkung ist eine politische Maßnahme, um Verbraucher in Zeiten hoher Energiepreise zu entlasten und die Kaufkraft zu stützen.
Wettbewerb und Marktmechanismen bestimmen den Preis
Der Mineralölwirtschaftsverband betont, dass die Preise an den Tankstellen von vielen Faktoren abhängen. Die Energiesteuern sind zwar eine wichtige Preiskomponente, aber nicht die einzige. Der Wettbewerb zwischen den Tankstellen und die internationale Preisentwicklung für Rohöl und Raffinerieprodukte spielen eine ebenso große Rolle.
Es ist daher unwahrscheinlich, dass die Preissenkung auf den Cent genau am Stichtag eintritt. Stattdessen wird sich der Effekt der niedrigeren Steuern schleichend einstellen, wenn die Tankstellen ihre Bestände erneuern und der Wettbewerb die Preise nach unten drückt.
Für Verbraucher bedeutet dies, dass Geduld gefragt ist. Es lohnt sich, die Preise in den ersten Tagen und Wochen nach dem 1. Mai genau zu beobachten und gegebenenfalls den günstigsten Anbieter zu wählen. Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe kann dabei helfen, die besten Angebote zu finden.
Ökonomische Betrachtung des Tankrabatts
Wirtschaftswissenschaftler warnen oft davor, dass solche Rabatte die Nachfrage ankurbeln und damit langfristig die Preise stabilisieren oder sogar erhöhen könnten. Zudem kommen sie nicht immer gezielt bei den Bedürftigen an, sondern entlasten alle Autofahrer gleichermaßen, unabhängig von ihrem Einkommen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte bereits in der Vergangenheit von solchen Maßnahmen abgeraten.
Die Bundesregierung erhofft sich jedoch eine schnelle und spürbare Entlastung für Pendler und Familien, die auf das Auto angewiesen sind. Ob diese Entlastung wie geplant ankommt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.





