Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Stadtsparkasse München haben ihren Rechtsstreit um Prämiensparverträge durch einen gerichtlichen Vergleich beendet. Nach Angaben der Sparkasse ist die Abwicklung der Nachzahlungen zu 99 Prozent abgeschlossen. Viele Verbraucher, die sich für die Musterfeststellungsklage registriert hatten, haben bereits Auszahlungen erhalten.
Das Wichtigste in Kürze
- Der vzbv klagte wegen fehlerhafter Zinsberechnung bei Prämiensparverträgen der Stadtsparkasse München.
- Ein gerichtlicher Vergleich führte zu pauschalierten Zinsnachzahlungen an betroffene Kunden.
- Die Abwicklung des Vergleichs ist nahezu abgeschlossen, 99 Prozent der Fälle sind laut Sparkasse bearbeitet.
- Verbraucher erhielten in den meisten Fällen unkompliziert Geld auf ihre Konten überwiesen.
Hintergrund der Klage gegen die Stadtsparkasse München
Die Klage des vzbv gegen die Stadtsparkasse München zielte auf die Zinsberechnung von Prämiensparverträgen ab. Nach Ansicht der Verbraucherzentralen hatte die Sparkasse ihren Kunden jahrelang zu geringe Zinsen gezahlt. Dies führte zu finanziellen Nachteilen für Tausende von Sparern.
Im Jahr 2021 erhob der vzbv, unterstützt von der Verbraucherzentrale Bayern, eine Musterfeststellungsklage. Ziel war es, eine einheitliche Klärung der Rechtslage herbeizuführen und den betroffenen Verbrauchern zu ihrem Recht zu verhelfen.
Faktencheck: Prämiensparverträge
- Prämiensparverträge waren in den 1990er und 2000er Jahren beliebte Sparprodukte.
- Sie zeichnen sich durch einen variablen Grundzins und zusätzlich steigende Prämien aus.
- Die variable Zinsanpassung war oft Gegenstand von Streitigkeiten, da Banken diese nicht immer korrekt vornahmen.
Der Weg zum gerichtlichen Vergleich
Ohne den Vergleich hätte das Verfahren voraussichtlich den Bundesgerichtshof erreicht. Dies hätte weitere Jahre der Unsicherheit und Wartezeit für die betroffenen Verbraucher bedeutet. Die Einigung zwischen vzbv und der Stadtsparkasse München Anfang 2025 ermöglichte eine schnellere Lösung.
„Durch die Einigung konnten wir die damit verbundenen Verzögerungen vermeiden und pauschalierte Zinsnachzahlungen ermöglichen. Der Vergleich bietet Verbraucher:innen einen zügigen und klaren Ausgleich in der Streitsache.“
Diese Aussage unterstreicht den Nutzen des Vergleichs für die Verbraucher. Ein langwieriger Rechtsstreit wurde vermieden, und die Kunden erhielten schneller ihr Geld.
Was ist eine Musterfeststellungsklage?
Eine Musterfeststellungsklage ist ein Instrument des kollektiven Rechtsschutzes in Deutschland. Sie ermöglicht es Verbraucherverbänden, Rechtsfragen von allgemeiner Bedeutung für viele Betroffene gerichtlich klären zu lassen. Verbraucher können sich in ein Klageregister eintragen, um von einem positiven Urteil oder Vergleich zu profitieren, ohne selbst klagen zu müssen.
Ablauf und Ergebnisse des Vergleichs
Das Gericht informierte alle im Klageregister angemeldeten Verbraucher schriftlich über den Vergleich. Für die meisten Kunden der Stadtsparkasse München war der Prozess unkompliziert. Sie mussten in der Regel nichts weiter unternehmen.
Sofern das Prämiensparkonto noch bestand oder ein Girokonto bei der Sparkasse vorhanden war, erfolgte die Zinsnachzahlung automatisch. Das Geld wurde im Laufe des Jahres auf das entsprechende Konto überwiesen. Dies betraf die Mehrheit der Fälle.
Sonderfälle und Austrittsmöglichkeiten
Verbraucher, die weder ein Prämienspar- noch ein Girokonto bei der Sparkasse hatten, mussten einen Nachweis erbringen. Dies war notwendig, um die Auszahlung der Zinsnachzahlung zu ermöglichen. Dieser Schritt stellte sicher, dass die korrekten Empfänger identifiziert wurden.
Wer nicht am Vergleich teilnehmen wollte, hatte die Möglichkeit, eine Austrittserklärung gegenüber dem Gericht abzugeben. Diese Option ermöglichte es den Verbrauchern, auf eigenes Risiko individuelle Klagen zu verfolgen. Allerdings entschieden sich nur wenige dafür, da der Vergleich eine schnelle und sichere Lösung bot.
Zahlen und Fakten zur Abwicklung
- 99 Prozent der Fälle sind laut Stadtsparkasse München abgeschlossen (Stand März 2026).
- Tausende von Verbrauchern haben von den pauschalierten Zinsnachzahlungen profitiert.
- Die Einigung führte zu einem zügigen Ausgleich ohne weitere Gerichtsverfahren.
Bedeutung für Verbraucher und Sparkassen
Der erfolgreiche Abschluss dieses Verfahrens zeigt die Wirksamkeit von Musterfeststellungsklagen im Verbraucherschutz. Er verdeutlicht, dass Verbraucherverbände erfolgreich für die Rechte von Sparern eintreten können.
Für die Stadtsparkasse München bedeutet der Vergleich eine klare Linie unter die langwierige Auseinandersetzung. Die schnelle und umfassende Abwicklung trägt dazu bei, das Vertrauen der Kunden wiederherzustellen und zukünftige Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden.
Insgesamt stellt der Vergleich einen wichtigen Präzedenzfall dar. Er sendet ein klares Signal an Finanzinstitute, die Zinsberechnungen ihrer Sparprodukte korrekt und transparent zu gestalten. Verbraucher können sich weiterhin auf die Unterstützung der Verbraucherzentralen verlassen, wenn ihre Rechte verletzt werden.





