Die meisten Lebensmittel erreichen uns verpackt. Diese Verpackungen schützen sie, verlängern die Haltbarkeit und erleichtern Transport sowie Lagerung. Doch nicht alle Verpackungen sind unbedenklich. Substanzen aus dem Verpackungsmaterial können in unsere Nahrung übergehen. Dieser Prozess, bekannt als Migration, wirft wichtige Fragen zur Lebensmittelsicherheit auf.
Wichtige Erkenntnisse
- Schadstoffe können aus Verpackungen in Lebensmittel gelangen, Glas ist die einzige Ausnahme.
- Die Migration von Stoffen ist gesetzlich geregelt und muss gesundheitlich unbedenklich sein.
- Lagerdauer, Temperatur und Lebensmitteleigenschaften beeinflussen den Übergang.
- Vermeiden Sie das Erhitzen von Lebensmitteln in Originalverpackungen, es sei denn, diese sind explizit dafür gekennzeichnet.
- Verbraucher können durch bewusste Kaufentscheidungen und korrekte Lagerung Risiken minimieren.
Wie Schadstoffe in unsere Lebensmittel gelangen
Der Übergang von Substanzen aus einer Verpackung in ein Lebensmittel wird als Migration bezeichnet. Die zulässige Höhe dieser Migration ist durch strenge Grenzwerte reguliert. Diese Grenzwerte basieren auf der täglich tolerierbaren Aufnahmemenge (TDI) und sollen sicherstellen, dass die menschliche Gesundheit nicht gefährdet wird.
Verschiedene Faktoren beeinflussen das Ausmaß der Migration. Dazu gehören die Lagerdauer des Lebensmittels in der Verpackung und die Lagertemperatur. Höhere Temperaturen erhöhen das Risiko des Stoffübergangs erheblich. Auch der Fett- und Säuregehalt des Lebensmittels spielt eine Rolle, da diese Eigenschaften die Aufnahme von Substanzen aus der Verpackung begünstigen können.
Faktencheck: Einflussfaktoren der Migration
- Lagerdauer und -temperatur
- Art der migrierenden Substanzen
- Fett- und Säuregehalt des Lebensmittels
- Größe der Kontaktfläche zwischen Lebensmittel und Verpackung
- Herstellungstemperatur und UV-Einstrahlung
Gefährliche Substanzen in Verpackungen
Eine Reihe von Stoffen, die in Lebensmittelverpackungen vorkommen können, stehen unter Beobachtung. Dazu gehören Klebstoffe, Bisphenol A (BPA), Weichmacher (Phthalate), unabsichtlich eingebrachte Stoffe (NIAS), per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sowie Mineralöle.
Klebstoffe und ihre Risiken
Viele Verpackungen nutzen Klebstoffe, besonders bei wiederverschließbaren Produkten wie Wurst- oder Käseverpackungen. Diese Praktik ist zwar bequem, birgt aber das Risiko einer erhöhten Migration von Stoffen. Ein großes Problem entsteht, wenn der Klebstoff nach dem Zusammenfügen der Folien nicht ausreichend aushärten konnte.
Besonders besorgniserregend sind primäre aromatische Amine (paA). Diese können durch unsachgemäße Verfahren entstehen und gelten in geringen Mengen als krebserregend. Obwohl das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Empfehlungen ausspricht, gibt es derzeit noch keine bindenden Grenzwerte für Klebstoffe in Lebensmittelverpackungen.
Bisphenol A (BPA): Ein weitgehendes Verbot
BPA war lange Zeit ein gängiger Bestandteil von Polycarbonat-Kunststoffen und Beschichtungen, beispielsweise in Trinkflaschen, Mikrowellengeschirr und Konservendosen. Die Europäische Union hat die absichtliche Verwendung von BPA zur Herstellung von Lebensmittelkontaktmaterialien und -gegenständen durch die Verordnung (EU) 2024/3190 weitgehend untersagt.
Dennoch können noch Restbestände im Umlauf sein. Die gesundheitlichen Risiken von BPA sind seit Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Es wird als besonders besorgniserregender Stoff eingestuft, insbesondere wegen seiner hormonähnlichen Wirkungen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat den Grenzwert für die täglich tolerierbare Aufnahmemenge (TDI) drastisch gesenkt, auf 0,2 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht.
„Die Reduzierung des BPA-Grenzwertes um den Faktor 20.000 seit 2015 unterstreicht die wachsende Besorgnis um die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Substanz.“
Weichmacher (Phthalate): Einsatz und Bedenken
Weichmacher machen Kunststoffe biegsam und dehnbar. Phthalate sind eine wichtige Gruppe dieser Weichmacher und finden sich oft in Lebensmittelverpackungen, wie PVC-Folien für Frischfleisch oder Dichtungsringen in Schraubdeckeln. Sie können auch während der Produktion, etwa durch PVC-haltige Schläuche, in Lebensmittel gelangen.
Einige Phthalate sind in hohen Konzentrationen gesundheitsschädlich und können das Fortpflanzungssystem oder die Leber beeinflussen. Die EFSA bewertet die ernährungsbedingte Exposition jedoch als unbedenklich, da sie weit unter den Sicherheitsgrenzwerten liegt. Für bestimmte Anwendungen, wie Kinderspielzeug und Babyartikel, sind Phthalate bereits verboten.
Hintergrund: Unabsichtlich eingebrachte Stoffe (NIAS)
NIAS sind Substanzen, die nicht absichtlich zugesetzt werden, aber dennoch in Lebensmittelkontaktmaterialien vorkommen können. Sie stammen oft aus verunreinigten Rohstoffen oder entstehen als Reaktions- und Abbauprodukte während der Herstellung. Ihre gesundheitliche Wirkung ist noch weitgehend unerforscht, was Handlungsbedarf aus Sicht der Verbraucherzentralen signalisiert.
PFAS: Langlebigkeit und gesundheitliche Fragen
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind bekannt für ihre besonderen Eigenschaften und werden in vielen Verbraucherprodukten eingesetzt, darunter auch in antihaftbeschichteten Pfannen und bestimmten Papierverpackungen für Fastfood oder Mikrowellen-Popcorn. Das Problem bei PFAS ist ihre extreme Langlebigkeit; sie bauen sich nur sehr langsam ab und können sich im menschlichen Körper anreichern.
Die EFSA vermutet Zusammenhänge zwischen einzelnen PFAS und gesundheitlichen Auswirkungen wie verminderten Impfwirkungen oder erhöhtem Cholesterinspiegel, betont aber, dass die Studienlage noch nicht ausreicht, um umfassende Aussagen zu treffen. Ein Schwellenwert von 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Woche wurde für die wichtigsten PFAS festgelegt.
Mineralöle: Kontamination durch Verpackungen
Mineralöle können auf verschiedenen Wegen in Lebensmittel gelangen, beispielsweise durch Schmierstoffe bei Ernte und Verarbeitung oder über bedruckte Verpackungsmaterialien, insbesondere aus Recyclingkarton. Mineralölbasierte Druckfarben sind hier oft die Ursache. Trockene Lebensmittel mit großer Oberfläche wie Mehl oder Reis sind besonders anfällig für die Aufnahme von Mineralölen.
Man unterscheidet gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH) und aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH). Während MOSH in sehr hohen Dosen möglicherweise bedenklich sind und sich in Organen anreichern können, stuft die EFSA MOAH als grundsätzlich bedenklich ein, da einige als erbgutverändernd und krebserregend gelten. Das BfR fordert daher dringend, den Übergang von Mineralölen auf Lebensmittel zu minimieren und für MOAH gänzlich zu unterbinden.
10 Tipps für den Umgang mit verpackten Lebensmitteln
Verbraucher können aktiv dazu beitragen, die Risiken durch Schadstoffe in Verpackungen zu minimieren. Hier sind praktische Ratschläge für den Alltag:
- Verpackungen reduzieren: Kaufen Sie so oft wie möglich unverpackte Ware, zum Beispiel an der Frischetheke.
- Glas bevorzugen: Greifen Sie zu Verpackungen aus Glas, da hier kein Stoffübergang stattfindet.
- Umfüllen: Füllen Sie Produkte wie Nudeln oder Reis nach dem Öffnen in geeignete Behälter aus Glas oder Porzellan um.
- Gefäße reinigen: Reinigen Sie neue Aufbewahrungsgefäße gründlich vor dem ersten Gebrauch.
- Nicht in Verpackung erhitzen: Erhitzen Sie Fertiggerichte nicht in der Originalverpackung, es sei denn, diese ist explizit als mikrowellengeeignet gekennzeichnet.
- Herstellerhinweise beachten: Halten Sie sich an empfohlene Erhitzungstemperaturen, -dauern und Wattzahlen.
- Keine Wiederverwendung: Nutzen Sie Einwegverpackungen wie Joghurtbecher oder Eisbehälter nicht zum Einfrieren, Erwärmen oder Aufbewahren von Speisen.
- Fett- und säurehaltige Lebensmittel: Füllen Sie diese Produkte besonders sorgfältig in geeignete Gefäße um.
- Eingeschweißte Lebensmittel: Auch diese sollten zu Hause aus der Verpackung genommen und in geeignete Behälter umgefüllt werden, selbst wenn sie eingefroren werden sollen.
- Konservendosen: Angebrochene Lebensmittel aus Konservendosen immer umfüllen, bevor sie im Kühlschrank gelagert werden.
Durch diese einfachen Maßnahmen können Sie Ihre Exposition gegenüber potenziellen Schadstoffen erheblich reduzieren und einen Beitrag zu Ihrer Gesundheit leisten.





