Der Online-Handel boomt, doch mit extrem günstigen Produkten aus Nicht-EU-Ländern steigt auch das Risiko für Verbraucher. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass mehr als die Hälfte dieser Artikel Sicherheitsstandards nicht erfüllen. Besonders betroffen sind Kinderartikel, Elektronik und Kosmetik. Kunden müssen wachsam sein, da viele Gefahren, wie Schadstoffe oder elektrische Mängel, nicht sofort erkennbar sind.
Wichtige Erkenntnisse
- Extrem günstige Online-Produkte sind oft unsicher.
- Mehr als die Hälfte der geprüften Waren aus Drittstaaten fiel durch.
- Besonders gefährdet sind Kinderartikel, Elektronik und Kosmetik.
- Das CE-Zeichen bietet keine absolute Sicherheit, GS-Zeichen ist verlässlicher.
- Verbraucher sollten Anbieter und Herkunft der Ware genau prüfen.
Billigprodukte: Hohes Risiko im Online-Handel
Der Kauf von besonders preiswerten Artikeln im Internet birgt ein hohes Risiko. Viele dieser Produkte, die direkt aus Nicht-EU-Ländern versandt werden, erfüllen die europäischen Sicherheitsstandards nicht. Zollbehörden haben dies in jüngsten Kontrollen festgestellt. Bei einer EU-weiten Aktion wurden 20.000 Spielzeuge und elektronische Kleingeräte überprüft. Mehr als die Hälfte entsprach nicht den Vorschriften. Eine Laboruntersuchung einer Stichprobe zeigte sogar: 84% dieser Produkte waren gefährlich.
Die Anzahl der EU-weiten Warnmeldungen über gefährliche Produkte, bekannt als RAPEX oder Safety Gate, hat einen Höchststand erreicht. Dies unterstreicht die Dringlichkeit für Verbraucher, beim Online-Shopping besonders vorsichtig zu sein.
Faktencheck: Unsichere Produkte
- Bei EU-weiter Kontrolle fielen über 50% der geprüften Spielzeuge und Elektronikgeräte durch.
- Laboruntersuchungen zeigten, dass 84% einer Stichprobe gefährlich waren.
- Die Zahl der EU-Warnmeldungen (Safety Gate) hat einen Rekordwert erreicht.
Welche Produktgruppen sind besonders problematisch?
Gefahren lauern besonders bei Artikeln, die direkten Einfluss auf Gesundheit und Sicherheit haben können. Dazu gehören:
- Kinderartikel und Spielzeug: Hier besteht Gefahr durch Weichmacher, verschluckbare Kleinteile oder Strangulierung. Auch die Cybersicherheit von Smart Toys ist oft mangelhaft.
- Elektrische Geräte und Ladegeräte: Sie können Brände oder Stromschläge verursachen. Auch hier sind Mängel bei der Cybersicherheit häufig.
- Kosmetik und Produkte mit Hautkontakt: Kleidung oder Schuhe können nicht deklarierte Inhaltsstoffe enthalten, die allergische Reaktionen auslösen.
- Haushaltswaren: Hier können Schadstoffe oder Materialmigration Probleme bereiten.
CE- und GS-Zeichen: Was sie wirklich bedeuten
Das CE-Zeichen ist ein wichtiger Hinweis, jedoch keine Garantie für Sicherheit. Mit diesem Zeichen erklärt der Hersteller eigenverantwortlich, dass das Produkt die grundlegenden EU-Sicherheitsanforderungen erfüllt. Eine unabhängige Prüfung ist dafür oft nicht zwingend. Gerade bei sehr günstigen Produkten aus Fernost wird das CE-Kennzeichen häufig missbräuchlich verwendet.
Fehlt das CE-Zeichen, ist das Produkt nicht automatisch mangelhaft. Die Verbraucherzentrale rät jedoch dazu, bei Kinderspielzeug, Werkzeug oder Elektronik kein Risiko einzugehen. Das GS-Zeichen, das für „Geprüfte Sicherheit“ steht, bietet mehr Verlässlichkeit. Produkte mit diesem Zeichen wurden von unabhängigen, zugelassenen Prüfstellen wie TÜV oder DEKRA auf ihre Sicherheit getestet. Die Echtheit der Prüfung lässt sich oft über eine Zertifikatsnummer überprüfen.
Hintergrund: Prüfzeichen im Vergleich
Das GS-Zeichen ist eine freiwillige, unabhängige Prüfung, die vom Hersteller beauftragt wird und zusätzliche Sicherheit bietet. Das CE-Kennzeichen ist eine Selbstdeklaration des Herstellers, dass das Produkt EU-Standards erfüllt; eine unabhängige Prüfung findet in der Regel nicht statt.
Warum unsichere Produkte auf den Markt gelangen
Die Hauptverantwortung für Produktsicherheit liegt bei Herstellern und Händlern. Eine unabhängige Prüfung vor dem Verkauf findet meist nicht statt. Besonders problematisch sind Geschäftsmodelle, die auf extrem niedrige Preise, sehr kurze Entwicklungszyklen und tausende neue Produkte täglich setzen. Bei diesen schnelllebigen Modellen werden Produkte oft nicht präventiv geprüft. Stattdessen werden Produktrückrufe und Erstattungen als kalkuliertes Risiko in Kauf genommen, was die Sicherheit der Käufer gefährdet.
„Die Unsicherheit eines Produktes wird zum einkalkulierten Risiko. Produktrückrufe und Erstattungen sind einkalkuliert – auf Kosten der Sicherheit der Kaufenden.“
Wer haftet bei Schäden?
Das europäische Produktsicherheitsrecht sieht vor, dass Importeure und Händler in der EU haften. Gibt es jedoch keinen Händler oder Hersteller mit Sitz in der EU, oder übernehmen diese keine Verantwortung, sind Verbraucher im Schadensfall oft schutzlos. Schadensersatzansprüche können dann nicht durchgesetzt werden. Marktüberwachungsbehörden können in solchen Fällen lediglich den Verkaufsstopp eines unsicheren Produkts veranlassen. Auch das EU-Warnsystem „Safety Gate“ greift erst, wenn ein Produkt als gefährlich erkannt und gemeldet wurde.
Weitere Probleme mit Billigprodukten
Selbst wenn Billigprodukte sicher sind, bringen sie oft andere Nachteile mit sich:
- Erschwerte Verbraucherrechte: Widerrufs- und Gewährleistungsrechte sind bei außereuropäischen Anbietern oft kaum durchsetzbar.
- Kurze Lebensdauer: Die Qualität ist oft so minderwertig, dass Produkte schnell kaputtgehen.
- Mangelnde Produktionsbedingungen: Faire Bezahlung, gute Arbeitsbedingungen und Umweltschutzstandards werden oft nicht eingehalten.
- Hohe Umweltbelastung: Lange Transportwege, insbesondere per Luftfracht, verursachen erhebliche Emissionen.
Sicher Online einkaufen: Darauf sollten Sie achten
Es ist schwierig, die Verantwortung von Anbietern für Produktsicherheit zu erkennen. Besonders kritisch sind Anbieter ohne Sitz oder Ansprechpartner in der EU, die Produkte direkt aus Drittstaaten versenden. Achten Sie auf folgende Punkte:
Prüfung des Vertragspartners
- Der Vertragspartner muss eine ladungsfähige Adresse in Deutschland oder der EU angeben (kein Postfach).
- Kontaktdaten wie Telefon und E-Mail sollten vorhanden sein.
- Überprüfen Sie, ob das Unternehmen im Registerportal registriert ist.
- Vorsicht bei angeblichen Geschäftsaufgaben oder Fantasiedaten im Impressum.
Angaben zu einem EU-Bevollmächtigten
Ist der Hersteller nicht in der EU ansässig, müssen Angaben zu einem EU-Bevollmächtigten vorliegen. Fehlen diese oder sind sie unvollständig, ist vom Kauf abzuraten.
Widerrufsbelehrung und Rücksendeadresse
Unklare oder fehlende Angaben zum Widerruf und zur Rücksendung sind ein Warnsignal. Kaufen Sie in solchen Fällen besser nicht.
Herkunftsland der Ware und Versandort
Achten Sie auf Hinweise wie „Versand aus …“ oder „Lieferung durch …“. Lange Lieferzeiten (10-20 Tage) oder zusätzliche Zollgebühren deuten stark auf eine Einfuhr aus Drittstaaten hin.
Produktauswahl: Was Sie beachten können
- Preisspanne: Extrem günstige Preise sind oft ein Hinweis auf mangelnde Produktsicherheit als Geschäftsmodell.
- Kundenbewertungen: Achten Sie besonders auf negative Bewertungen.
- Bezahlmethode: Rechnungskauf ist am sichersten. Vorkasse ist riskant. Vorsicht, wenn beworbene Zahlungsmethoden nicht funktionieren.
- Güte- und Prüfsiegel: Vertrauen Sie unabhängigen Siegeln wie dem GS-Zeichen oder TÜV-/VDE-Zertifikaten.
- Produktbeschreibung: Fehlende, unklare oder nicht in der Landessprache verfasste Sicherheitshinweise sind ein Warnsignal.
- Produktwarnungen: Prüfen Sie Portale wie BAuA oder Safety Gate. Ist ein Produkt dort gelistet, kaufen Sie es nicht.
Das Safety-Gate-Portal und die BAuA
Das EU-weite Safety-Gate-Portal ermöglicht es Verbrauchern, gefährliche Produkte (außer Lebensmittel und Arzneimittel) zu melden. Diese Meldungen werden an die zuständigen Behörden weitergeleitet. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlicht in ihrer Datenbank „Gefährliche Produkte“ bekannte Produktrückrufe und -warnungen.
„Deutsche“ oder „europäische“ Shops: Vorsicht vor Täuschungen
Manche Shops täuschen mit einer .de-Domain oder einem europäischen Impressum vor, „deutsch“ oder „europäisch“ zu sein. Die Ware wird jedoch oft direkt aus Nicht-EU-Ländern versandt. Ein Hinweis darauf ist, wenn die Allgemeinen Geschäftsbedingungen verlangen, dass die Ware im Falle eines Widerrufs in ein Land außerhalb der EU zurückgeschickt werden muss.
Markenprodukte aus Nicht-EU-Ländern
Auch viele Markenprodukte kommen aus Nicht-EU-Ländern. Der entscheidende Unterschied liegt in der Haftung. Das europäische Produktsicherheitsrecht verlangt, dass Importeure und Händler in der EU die Verantwortung für die Produktkonformität übernehmen. Fehlt ein solcher Akteur, weil Produkte direkt beim außereuropäischen Hersteller bestellt werden, spielen Online-Marktplätze eine Schlüsselrolle:
- Einige Marktplätze lassen nur Anbieter mit EU-Firmensitz und deutscher Umsatzsteuer-ID zu. Hier ist das Risiko gering.
- Andere Marktplätze lassen außereuropäische Anbieter zu, versuchen aber selbst, EU-Standards durch Stichproben zu sichern. Hier besteht ein gewisses Restrisiko.
- Marktplätze mit extrem günstigen Produkten ergreifen oft nur selten Maßnahmen zur Produktsicherheit. Hier ist das Risiko besonders hoch.
Häufige Fragen zur Produktsicherheit
Sind günstige Produkte immer unsicher? Nein, aber extrem niedrige Preise erhöhen das Risiko erheblich, besonders bei sicherheitsrelevanten Artikeln.
Ist ein CE-Zeichen ein Qualitätsnachweis? Nein, es ist meist eine Selbstdeklaration des Herstellers und kein unabhängiger Test.
Welchen Prüfzeichen kann ich vertrauen? Das GS-Zeichen und unabhängige Tests wie die der Stiftung Warentest bieten mehr Sicherheit.
Warum sind Produkte aus Drittstaaten häufiger problematisch? Oft fehlt ein verantwortlicher Importeur in der EU, und Sicherheitsprüfungen werden umgangen oder fehlen ganz.
Was tun, wenn ich ein gefährliches Produkt gekauft habe? Benutzen Sie es nicht mehr, kontaktieren Sie den Händler, fordern Sie Ihr Geld zurück. Informieren Sie die Marktüberwachung, die Verbraucherzentrale und melden Sie das Produkt im Safety-Gate-Portal der EU.





