Kunststoffe sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie umgeben uns in Form von Verpackungen, Kleidung, Möbeln und vielem mehr. Doch viele dieser Materialien bergen unsichtbare Gefahren für unsere Gesundheit und die Umwelt. Einige Kunststoffe und ihre Zusatzstoffe stehen im Verdacht, schädliche Chemikalien freizusetzen, die unser Hormonsystem beeinflussen oder sogar krebserregend sein können. Es ist wichtig, die Risiken zu kennen und bewusste Entscheidungen beim Kauf zu treffen.
Wichtige Erkenntnisse
- Bestimmte Kunststoffe wie PVC, PTFE, Polycarbonat und Polystyrol sind besonders problematisch.
- Weichmacher und Flammschutzmittel sind häufige, bedenkliche Zusatzstoffe.
- Chemikalien können aus Kunststoffen in Lebensmittel, Raumluft und Hausstaub übergehen.
- Mikroplastik wurde in menschlichen Organen und Körperflüssigkeiten nachgewiesen.
- Verbraucher haben ein Auskunftsrecht über besonders besorgniserregende Stoffe in Produkten.
PVC: Der vielseitige Problemfall
Polyvinylchlorid, kurz PVC oder auch Vinyl genannt, begegnet uns in vielen Formen. Als harter Kunststoff findet es sich in Fensterrahmen, während weiches PVC für Yogamatten, Puppen oder Bodenbeläge verwendet wird. Der Recyclingcode 03 kennzeichnet PVC-Produkte.
Die Herstellung von PVC ist problematisch, da giftiges Chlorgas zum Einsatz kommt. Sein Baustein Vinylchlorid gilt als krebserregend. Bei unzureichender Verbrennung können aus PVC hochgiftige Dioxine entstehen. Um PVC elastisch zu machen, werden Weichmacher hinzugefügt, die nicht fest an den Kunststoff gebunden sind und über lange Zeiträume freigesetzt werden können.
Die europäische Chemikalienbehörde ECHA listet verschiedene Hitzestabilisatoren, Flammschutzmittel und Weichmacher auf, die in PVC eingesetzt werden und das Hormonsystem sowie die allgemeine Gesundheit schädigen können.
Faktencheck PVC
- Krebserregend: Vinylchlorid, der Baustein von PVC.
- Giftige Dämpfe: Dioxine bei unzureichender Verbrennung.
- Hormonschädlich: Viele Weichmacher und Zusatzstoffe.
PTFE (Teflon): Vorsicht bei Hitze
Polytetrafluorethylen, besser bekannt als Teflon, wird häufig als Antihaftbeschichtung für Pfannen und Backformen sowie als Membran in Outdoorjacken verwendet. Dieser Kunststoff ist an sich stabil, doch bei Temperaturen über 360 Grad Celsius können giftige Dämpfe freigesetzt werden. Es ist daher ratsam, beschichtete Pfannen und Formen niemals leer zu erhitzen.
Die Produktion von PTFE birgt ebenfalls Risiken. Dabei werden giftige Schadstoffe wie PFOA eingesetzt, die Wasser und Böden nachhaltig belasten. PFOA ist bekannt dafür, das Immun- und Hormonsystem zu schädigen, fruchtschädigend zu wirken und Krebs zu verursachen. Obwohl Hersteller inzwischen meist Ersatzstoffe für PFOA verwenden, haben auch diese bereits zu Umweltkontaminationen geführt.
Die Entsorgung von PTFE ist komplex. Der Kunststoff kann nur bei sehr hohen Temperaturen vollständig zerstört werden, wobei giftige Flusssäure entsteht, die in Müllverbrennungsanlagen neutralisiert werden muss.
Polycarbonat und Epoxidharze: Bisphenole im Fokus
Polycarbonat ist ein harter, durchsichtiger Kunststoff, der oft in Küchengeräten wie Mix- oder Messbechern und in Spielzeug zu finden ist. Mit zunehmendem Alter zeigt Polycarbonat oft sichtbare Rissbildungen. Der Recyclingcode 07 steht für verschiedene Kunststoffe, wobei die zusätzliche Angabe „PC“ Polycarbonat eindeutig kennzeichnet.
Epoxidharze werden unter anderem für Dosenbeschichtungen, als Gießharz und im Baubereich eingesetzt. Beide Kunststoffe werden aus Bisphenolen wie Bisphenol A (BPA) hergestellt. Bisphenol A und andere Bisphenole stehen auf der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe, da sie das Hormonsystem schädigen können.
Regulierungen zu Bisphenolen
In der EU ist die Verwendung von Polycarbonat in Babyflaschen und Trinklerntassen bereits seit 2011 verboten. Ein EU-weites Verbot hormonsystemschädigender Bisphenole in Beschichtungen und Lackierungen mit Lebensmittelkontakt, wie zum Beispiel in Konservendosen, trat im Dezember 2024 in Kraft. Übergangsfristen erlauben den Verkauf von BPA-haltigen Konservendosen bis Juli 2026 für Produkte allgemein und bis Januar 2028 für Gemüse, Obst und Fischereiprodukte. Mehrweggeschirr mit BPA darf noch bis Januar 2029 abverkauft werden. Eine Kennzeichnungspflicht fehlt jedoch oft, was es Verbrauchern erschwert, BPA-freie Produkte zu erkennen.
Polystyrol: Styrol und Flammschutzmittel
Polystyrol (PS) ist ein vielseitiger Kunststoff, der oft als aufgeschäumtes Material für Verpackungen, Dämmstoffe oder als Füllung für Sitzsäcke verwendet wird. Auch im Lebensmittelkontakt findet er Anwendung. Der Recyclingcode 06 kennzeichnet Polystyrol.
Dieser Kunststoff kann seinen Baustein Styrol freisetzen, der hauptsächlich über die Atemluft aufgenommen wird. Styrol kann Reizungen der Atemwege, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwindel verursachen und möglicherweise die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Häufig werden Polystyrol halogenierte Flammschutzmittel zugesetzt.
„Chemisch oder auffällig riechendes Spielzeug sollte Kindern nicht zugemutet werden. Bei solchen Produkten ist davon auszugehen, dass die Qualität des Spielzeugs nicht ausreichend geprüft wurde.“
Für das in Dämmstoffen oft eingesetzte Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) gilt seit Frühjahr 2016 in der EU ein weitgehendes Handels- und Verwendungsverbot.
Die Rolle der Zusatzstoffe: Weichmacher und Flammschutzmittel
Oft ist nicht der Kunststoff selbst das Problem, sondern die Vielzahl der zugesetzten Chemikalien. Diese Zusatzstoffe können über 40 Prozent des Gesamtmaterials ausmachen und verleihen dem Kunststoff die gewünschten Eigenschaften. Leider bleiben diese Substanzen nicht immer fest im Material gebunden, sondern können in die Raumluft, den Hausstaub oder sogar in Lebensmittel übergehen und so in den menschlichen Körper gelangen.
Weichmacher: Die unsichtbare Gefahr
Fühlt sich ein Kunststoff weich und elastisch an, besonders wenn es PVC ist, sollten Verbraucher vorsichtig sein. Weichmacher machen eigentlich spröde Kunststoffe geschmeidig. Viele Weichmacher sind jedoch nicht fest an den Kunststoff gebunden und können wieder freigesetzt werden. Dazu gehören Ester der Phthalsäure (Phthalate), Zitronensäure (Citrate) oder Adipinsäure (Adipate) sowie sogenannte Ersatzweichmacher.
Einige Phthalat-Weichmacher sind mittlerweile weitgehend verboten, da sie das Hormonsystem schädigen und die Fortpflanzungsfähigkeit gefährden können. Sie stehen auf der Liste der „besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC)“. Da es keine Kennzeichnungspflicht gibt, ist es für Verbraucher schwer zu erkennen, welche Weichmacher verwendet wurden. Ein Auskunftsrecht besteht jedoch, wenn diese Stoffe auf der SVHC-Liste stehen.
- Vorkommen: 98 Prozent der Weichmacher werden in PVC eingesetzt. Auch Polystyrol oder thermoplastisches Polyurethan (TPU) können Weichmacher enthalten.
- Produkte: Weiches Plastikspielzeug (Wasserbälle, Puppen), Hundespielzeug, Sport- und Yogamatten, Luftmatratzen, Erotikartikel und Elektronikprodukte.
- Lebensmittel: Seltener in Lebensmittelverpackungen, aber in PVC-Dichtungen von Schraubglasdeckeln. Achten Sie auf BPA-freie Beschichtung und PVC-freie (oft blaue) Deckeldichtung.
Kunststoffe wie PE (Polyethylen, Recyclingcode 02 oder 04), PP (Polypropylen, Recyclingcode 05) und PET-Getränkeflaschen kommen ohne flüchtige Weichmacher aus.
Organische Flammschutzmittel: Versteckte Risiken
Organische Flammschutzmittel finden sich in Fahrzeugen, Textilien, Schaumstoffen für Polstermöbel und Matratzen sowie Baumaterialien. Verbraucher erfahren selten etwas darüber, da es keine Kennzeichnungspflicht gibt. Das Auskunftsrecht bei SVHC-Stoffen kann hier helfen.
Etwa 21 Prozent der weltweit jährlich hergestellten Flammschutzmittel sind halogenierte (bromierte und chlorierte) organische Flammschutzmittel. Einige davon wurden wegen ihrer Gesundheitsschädlichkeit und Langlebigkeit in der EU und weltweit verboten. Es besteht die Gefahr, dass verbotene Substanzen durch Recycling in neue Produkte gelangen.
Bestimmte halogenierte Flammschutzmittel werden mit Krebs, Hormonstörungen, verminderter Fruchtbarkeit sowie einem niedrigeren IQ und Hyperaktivität bei Kindern in Verbindung gebracht.
Mikroplastik: Eine allgegenwärtige Bedrohung
Mikroplastik bezeichnet feste Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Noch kleinere Partikel (unter 100 Nanometern) werden als Nanoplastik bezeichnet. Sie entstehen entweder absichtlich, etwa als Schleifmittel, oder unabsichtlich durch Abrieb von Plastikprodukten.
Mikroplastik variiert in Größe, Form und Materialzusammensetzung. Es hat eine große Oberfläche, an der sich Chemikalien und Mikroorganismen anlagern können. Studien zur gesundheitlichen Bewertung sind komplex und müssen die spezifischen Eigenschaften der Partikel berücksichtigen.
Mikroplastik kann über die Nahrung und das Einatmen in den Körper gelangen. Es wurde in menschlichen Organsystemen wie Herz-Kreislauf, Verdauung, Hormon-, Lymph-, Atemwegs-, Fortpflanzungs- und Harnwegsorganen nachgewiesen. Auch in Muttermilch, Blut, Stuhl, Sputum und Urin wurden Mikroplastikpartikel gefunden. In-vitro-Studien deuten auf mögliche gesundheitsschädigende Effekte wie Entzündungsreaktionen hin.
Die Forschung zu den langfristigen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit ist noch nicht abgeschlossen. Da Mikroplastik allgegenwärtig ist, lässt sich die Aufnahme nicht vollständig vermeiden, aber durch die Bevorzugung von Plastikalternativen reduzieren.
Was Verbraucher tun können
- Auskunftsrecht nutzen: Fragen Sie Hersteller und Händler nach besonders besorgniserregenden Stoffen. Die Scan4Chem-App des Umweltbundesamtes oder Musterbriefe können dabei helfen. Hersteller müssen innerhalb von 45 Tagen Auskunft geben, wenn ein Produkt mehr als 0,1 Prozent eines Schadstoffes enthält.
- Auf Kennzeichnungen achten: Bei Spielzeug auf „PVC-frei“, „phthalatfrei“ oder das GS-Zeichen mit Prüfstelle achten.
- Umweltsiegel bevorzugen: Achten Sie beim Kauf von Bodenbelägen, Polstermöbeln und Elektronik auf Siegel wie den Blauen Engel.
- Plastikalternativen wählen: Wo immer möglich, auf Glas, Edelstahl, Keramik oder Holz umsteigen.
- Vorsicht bei Hitze und Fett: Vermeiden Sie längeren Kontakt von Kunststoffen mit heißen oder fettigen Lebensmitteln.





