Fairer Handel ist weit mehr als ein Trend; er ist eine Bewegung, die darauf abzielt, globale Handelsstrukturen gerechter zu gestalten. Millionen von Kleinbauern und Arbeitern in Entwicklungsländern sind oft extrem niedrigen Weltmarktpreisen und schlechten Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Der Faire Handel bietet hier eine Alternative, indem er existenzsichernde Einkommen, bessere Arbeitsbedingungen und Umweltschutz fördert.
Die wichtigsten Punkte
- Fairer Handel sichert faire Preise und Prämien für Produzenten.
- Der Begriff „fair“ ist gesetzlich nicht geschützt, was zu einer Vielfalt an Siegeln führt.
- Mischprodukte enthalten oft unterschiedliche Anteile fairer Zutaten.
- Der Mengenausgleich ermöglicht die Vermischung fairer und konventioneller Rohstoffe.
- Auch Produkte aus dem globalen Norden können fair gehandelt sein.
Was bedeutet Fairer Handel wirklich?
Der Faire Handel setzt sich für gerechtere Bedingungen in der globalen Wertschöpfungskette ein. Das Hauptziel ist es, benachteiligten Kleinbauern und Arbeitern in südlichen Ländern zu ermöglichen, ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft nachhaltig zu sichern. Dies geschieht durch feste Mindestpreise, die Produktionskosten decken und ein existenzsicherndes Einkommen garantieren.
Neben dem Preis erhalten Produzenten oft eine zusätzliche Prämie. Diese Prämie investieren sie in soziale, ökologische oder ökonomische Projekte. Beispiele hierfür sind der Bau von Schulen, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung oder Investitionen in umweltfreundlichere Anbaumethoden.
Wichtige Fakten
- 80 Prozent der fair gehandelten Produkte sind Lebensmittel.
- Kaffee ist das meistverkaufte faire Lebensmittel.
- Der Faire Handel bekämpft Armut, Kinder- und Zwangsarbeit.
Grundlagen und Prinzipien
Internationale Dachorganisationen wie Fairtrade International, die World Fair Trade Organization (WFTO) und die European Fair Trade Association (EFTA) haben gemeinsame Grundsätze für den Fairen Handel entwickelt. Diese Prinzipien bilden den Rahmen für alle beteiligten Akteure.
- Faire (Mindest-)Preise: Sie decken die Produktionskosten und sichern ein existenzsicherndes Einkommen.
- Prämienzahlung: Eine zusätzliche Zahlung für Gemeinschaftsprojekte.
- Vorfinanzierung und Schulung: Unterstützung für Produzenten bei Investitionen und zur Qualitätsverbesserung.
- Transparente Handelsbeziehungen: Langfristige und partnerschaftliche Zusammenarbeit ohne ausbeuterischen Zwischenhandel.
- Angemessene Arbeitsbedingungen: Einhaltung von Arbeitsschutz, Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, Gleichberechtigung.
- Umweltschutz: Förderung umweltverträglicher Anbaumethoden, Verbot von gentechnisch verändertem Saatgut und gefährlichen Pestiziden.
Die Vielfalt der Fair-Handels-Siegel
Der Begriff „fair“ ist in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. Das führt zu einer großen Vielfalt an Siegeln und Labeln auf dem Markt. Verbraucher müssen genau hinschauen, um die Standards hinter den verschiedenen Kennzeichnungen zu verstehen.
Es gibt zwei Hauptwege der Zertifizierung: die Produktzertifizierung und die integrierte Lieferkette. Bei der Produktzertifizierung kennzeichnen Unternehmen einzelne Produkte mit einem Fair-Handels-Siegel. Bei der integrierten Lieferkette richten Organisationen wie die Fairhandelshäuser Gepa oder El Puente ihr gesamtes Geschäft nach den Fair-Handels-Grundsätzen aus.
„Die fehlende gesetzliche Definition von 'Fair' erschwert es Verbrauchern, seriöse von unseriösen Anbietern zu unterscheiden. Eine einheitliche Regelung wäre für mehr Klarheit dringend notwendig.“
Herausforderung Mischprodukte und Mengenausgleich
Ein wichtiger Unterschied besteht bei Mischprodukten, die aus mehreren Zutaten bestehen. Während Monoprodukte wie Kaffee oder Bananen zu 100 Prozent fair gehandelt sein müssen, variiert der Anteil fairer Zutaten bei Mischprodukten stark. Fairtrade International fordert hier einen Mindestanteil von 20 Prozent, sofern die Zutaten Fairtrade-zertifiziert erhältlich sind. Fairhandelshäuser streben oft einen Mindestgehalt von 50 Prozent an.
Mengenausgleich: Was bedeutet er?
Seit 2011 gibt es für Produkte wie Kakao, Tee, Zucker und Orangensaft den sogenannten Mengenausgleich. Dies bedeutet, dass fair gehandelte und konventionelle Rohstoffe im Verarbeitungsprozess vermischt werden können. Verbraucher sehen auf der Verpackung oft einen Hinweis, dass der Kakao „mit Mengenausgleich“ gekennzeichnet ist. Die Fairhandelshäuser Gepa und El Puente verzichten auf den Mengenausgleich und trennen faire und konventionelle Rohware konsequent.
Die Verbraucherzentralen sehen den Mengenausgleich kritisch. Sie fordern, dass, wenn „Fair“ draufsteht, auch „Fair“ drin sein muss. Dies ist ein zentraler Punkt in der Debatte um Transparenz und Glaubwürdigkeit im Fairen Handel.
Fairtrade-Programme und firmeneigene Label
Um den Absatz von Fairtrade-Rohstoffen zu steigern, wurden spezielle Programme für Kakao, Zucker und Baumwolle eingeführt. Unternehmen verpflichten sich hier, bestimmte Mengen an Fairtrade-Rohstoffen abzunehmen. Dies hat dazu geführt, dass Deutschland deutlich mehr fairen Kakao absetzt, was den Kleinproduzenten zugutekommt.
Allerdings muss der Fairtrade-Anteil in diesen Produkten nicht immer gekennzeichnet werden. Das bedeutet, dass Produkte mit dem Programm-Siegel auch weniger als 20 Prozent Fairtrade-Rohstoffe enthalten können. Eine klare Kennzeichnung des Anteils wäre hier wünschenswert.
Firmeneigene Label als Orientierungshilfe?
Viele Unternehmen nutzen firmeneigene Fairhandels-Label, um ihre Produkte hervorzuheben. Beispiele hierfür sind FAIRGLOBE oder ONE WORLD. Diese Label sollen das Engagement für Nachhaltigkeit zeigen. Es ist jedoch nicht immer klar ersichtlich, welche spezifischen Fair-Handels-Standards diese Label erfüllen. Oft werden sie auch parallel zu etablierten Siegeln verwendet, was als Co-Labelling bezeichnet wird.
Kontrolle im Fairen Handel
- FLOCERT: Überprüft die Einhaltung der Fairtrade-Standards.
- WFTO-Garantiesystem: Überprüft die Einhaltung der WFTO-Prinzipien für ganze Unternehmen.
- Naturland Fair: Zertifizierung für ökologischen Landbau, auch für Produkte aus dem globalen Norden.
Fairer Handel aus dem globalen Norden
Der Fokus des Fairen Handels liegt traditionell auf dem globalen Süden. Doch seit einigen Jahren gibt es auch faire Produkte aus dem globalen Norden. Dies zeigt, dass die Prinzipien des Fairen Handels auch auf Produkte aus Industrieländern angewendet werden können, wo Bauern ebenfalls mit Preisdruck und Existenzängsten kämpfen.
Ein Beispiel ist die Naturland Fair-Zertifizierung für Milch aus Deutschland. Molkereigenossenschaften, die nach diesen Prinzipien arbeiten, zahlen ihren Mitgliedern einen höheren Milchpreis, der die Produktionskosten deckt. So können auch heimische Bauern von den Vorteilen des Fairen Handels profitieren und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern.
Neben den reinen Fair-Handels-Siegeln gibt es auch Nachhaltigkeitssiegel wie Rainforest Alliance. Diese konzentrieren sich auf ökologische und ökonomische Verbesserungen im Anbau und Handel, sind aber keine reinen Fair-Handels-Standards. Sie ergänzen das breite Spektrum der Nachhaltigkeitsbemühungen im globalen Handel.





