Die Kosten für ein Girokonto können stark variieren und sind oft undurchsichtig. Viele Banken werben mit kostenlosen Konten, doch im Kleingedruckten verstecken sich häufig Gebühren für alltägliche Dienstleistungen. Verbraucher müssen genau hinschauen, um nicht unerwartet zur Kasse gebeten zu werden. Ein regelmäßiger Vergleich der Konditionen und das Wissen um die eigenen Rechte sind entscheidend, um unnötige Ausgaben zu vermeiden und das passende Angebot zu finden.
Wichtige Erkenntnisse
- Bankgebühren sind oft komplex und schwer zu durchschauen.
- Kostenlose Konten können versteckte Entgelte enthalten.
- Kunden haben ein Recht auf detaillierte Kostenaufstellungen.
- Bankwechsel ist ein effektives Mittel, um Druck auf die Preisgestaltung auszuüben.
- Onlinebanking kann Kosten senken, birgt aber auch Risiken.
Die Preislandschaft der Girokonten
Die Preisgestaltung bei Girokonten ist alles andere als einheitlich. Jede Bank verfolgt ihre eigene Strategie, und selbst innerhalb eines Kreditinstituts können die Konditionen je nach Kontomodell unterschiedlich sein. Einige Banken bieten ein Pauschalentgelt an, das alle Leistungen abdeckt. Andere wiederum berechnen neben einer Grundgebühr jede einzelne Buchung, oder sie orientieren sich ausschließlich an der Anzahl der Kontobewegungen.
Besonders bei Angeboten, die als „kostenlos“ beworben werden, ist Vorsicht geboten. Oftmals finden sich im Preisverzeichnis oder hinter einem Sternchen-Hinweis zusätzliche Gebühren für bestimmte Leistungen. Verbraucher sollten diese Angebote genau prüfen und das Kleingedruckte sorgfältig lesen, um keine Überraschungen zu erleben.
Wussten Sie schon?
Mindestens einmal jährlich muss Ihre Bank Ihnen eine kostenlose Entgeltaufstellung zur Verfügung stellen, die alle angefallenen Kosten detailliert auflistet. Dies hilft Ihnen, die tatsächlichen Ausgaben zu überblicken.
Ihr Nutzungsverhalten analysieren
Um das für Sie passende Konto zu finden, ist eine genaue Analyse Ihres eigenen Nutzungsverhaltens über einen längeren Zeitraum unerlässlich. Sammeln Sie alle Kosten und vergleichen Sie diese mit den Angeboten anderer Banken. Berücksichtigen Sie dabei auch mögliche Guthabenzinsen, die einige Banken zahlen. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für diese Entscheidung.
Fragen Sie bei „kostenlosen“ Kontoangeboten gezielt nach, ob es versteckte Entgelte für bestimmte Leistungen gibt. Eine direkte Nachfrage kann viele Missverständnisse und spätere Kostenfallen vermeiden.
Transparenz bei Buchungen und Preisen
Die Überprüfung der Entgelte, die eine Bank vom Konto abbucht, ist nicht immer einfach. Wenn Kosten in der Kontoabrechnung nur pauschal aufgeführt werden, ist es für Kunden oft schwer nachzuvollziehen, welche einzelnen Positionen sich dahinter verbergen. Als Kunde haben Sie jedoch das Recht, eine detaillierte Aufgliederung der Kosten zu verlangen, insbesondere wenn die Gesamthöhe zweifelhaft erscheint.
Pauschale Buchungen der Belastungen müssen nicht einfach hingenommen werden. Es empfiehlt sich, zumindest stichprobenartig zu prüfen, ob die Höhe der Pauschalsätze korrekt ist. Bei Unstimmigkeiten sollten Sie umgehend Widerspruch einlegen. Dies ist Ihr Recht als Kunde und kann Ihnen Geld sparen.
Hintergrundinformation
Banken sind verpflichtet, ihre Preisverzeichnisse am Schalter zur Einsicht bereitzuhalten und Kunden bei Kontoeröffnung auszuhändigen. Fehlen Preisangaben zu Standardleistungen, dürfen dafür keine Entgelte verlangt werden.
Preisanpassungen und Kündigungsrecht
Erhöht die Bank ihre Preise, haben Kunden in der Regel ein Sonderkündigungsrecht. Sie können dann Ihr Konto kostenfrei und ohne Frist kündigen. Bei gesonderter Vereinbarung beträgt die Frist oft einen Monat. Bis zur Kontoauflösung zahlen Sie die alten Entgelte.
Wichtig ist hierbei: Im Falle einer Kündigung sind regelmäßig erhobene Entgelte, wie Monatspauschalen, nur anteilig bis zum Zeitpunkt der Vertragsbeendigung zu entrichten. Im Voraus gezahlte Entgelte für die Zeit nach Vertragsende muss die Bank zurückerstatten. Wenn Sie bei der Bank bleiben möchten, müssen Sie dem Erhöhungsangebot aktiv zustimmen. Andernfalls könnte die Bank Ihnen das Konto kündigen.
„Kunden sollten Preisverzeichnisse regelmäßig prüfen und bei Preiserhöhungen ihre Optionen abwägen. Ein Bankwechsel ist oft die beste Reaktion.“
Ausnahmen und Sonderleistungen
Nicht alle kostenpflichtigen Leistungen müssen zwingend im Preisverzeichnis einer Bank aufgeführt sein. Dies betrifft Leistungen, die nicht zum regulären Tagesgeschäft gehören und im Auftrag oder mutmaßlichen Interesse des Kunden erbracht werden. Beispiele hierfür sind das erneute Versenden von Kontoauszügen auf Wunsch des Kunden oder die Erstellung einer individuellen Bescheinigung für das Finanzamt.
Die Entgelte für solche Sonderleistungen dürfen jedoch nicht willkürlich hoch sein. Sie müssen individuell festgelegt und nachvollziehbar sein. Im Streitfall muss die Bank ihre Kalkulation offenlegen. Kunden sollten solche Sonderentgelte kritisch prüfen. Ist ein Entgelt überhöht oder kann die Bank ihre Kalkulation nicht nachweisen, kann ein Gericht den Betrag herabsetzen.
Beispiel für überhöhte Kosten
Verlangt eine Bank beispielsweise 30 Euro für die Kopie eines Kontoauszugs, die ein Mitarbeiter in wenigen Minuten aus dem System abrufen kann, sind diese Kosten in der Regel überhöht. Bei solchen Fällen oder anderen Unstimmigkeiten sollten Kunden zunächst die Bank kontaktieren. Bleibt die Bank stur, können Sie kostenlos die Schlichtungsstelle des Kreditinstituts anrufen. Ein Bankwechsel ist oft eine einfachere und effektivere Lösung als ein langwieriger Rechtsstreit.
Kostenfreier Service und Mehrkosten
Banken haben nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Viele Servicedienste, die zum Girovertrag gehören, dürfen keine zusätzlichen Kosten verursachen. Dazu gehören beispielsweise die Auflösung des Kontos oder die Erstellung eines Kontoauszuges, sofern dieser nicht explizit per Post zugeschickt werden soll.
Die verstärkte Nutzung von Selbstbedienungsgeräten wie Geldautomaten oder Kontoauszugsdruckern sollte für den Kunden keine Mehrkosten bedeuten. Im Gegenteil, diese Dienste entlasten das Personal und sollten dem Kunden einen Kostenvorteil bringen. Wenn es keine kostenlosen Kontoauszüge mehr am Schalter gibt, müssen diese am Automaten kostenfrei erhältlich sein, auf Wunsch auch mit einer kosten- und risikofreien Kundenkarte.
- Kostenlose Services: Kontoauflösung, Kontoauszüge am Automaten.
- Selbstbedienung: Sollte keine Mehrkosten verursachen, sondern den Kunden entlasten.
Vermeidbare Mehrkosten
Manche Mehrkosten sind durch das Verhalten des Kunden selbst verursacht, zum Beispiel wenn Mahnungen verschickt werden müssen. Hier ist es gerechtfertigt, dass der Kunde diese Kosten trägt, allerdings nur in angemessener Höhe. Gerichte haben in einigen Fällen 2,50 Euro für eine Mahnung als überhöht angesehen. Die erste Mahnung muss in der Regel kostenlos sein.
Wird eine Lastschrift nicht eingelöst, kann die eigene Bank ein Entgelt für die Ablehnung verlangen. Dieses muss jedoch angemessen sein und sich an den tatsächlichen Kosten orientieren. Kunden haften nur, wenn sie nachweislich einen Schaden verursacht haben, nicht aber, wenn die Bank in ihrem eigenen Geschäftsinteresse handelt.
Onlinebanking: Komfort und Sicherheit
Onlinebanking bietet eine bequeme Alternative zum traditionellen Bankbesuch. Es ermöglicht Überweisungen, das Einrichten von Daueraufträgen und das Ausdrucken von Kontoauszügen rund um die Uhr. Oftmals werden Online-Banker mit geringeren Kontokosten belohnt, da sie der Bank Arbeit abnehmen. Im Gegenzug können Kunden, die kein Onlinebanking nutzen, mit höheren Kosten konfrontiert werden.
Die Datensicherheit beim Onlinebanking ist durch Verschlüsselung gewährleistet. Dennoch sind Risiken nicht ausgeschlossen. Kriminelle nutzen Ausspähprogramme auf Endgeräten oder sogenannte Phishing-Methoden, um an sensible Daten zu gelangen. Dabei werden gefälschte Bankwebseiten verwendet, um PIN und TAN abzufragen.
Sicherheitstipps für Onlinebanking
- Nutzen Sie wirksame, automatisch aktualisierte Virenschutzprogramme.
- Seien Sie sparsam im Umgang mit persönlichen Daten.
- Geben Sie PIN oder TAN niemals auf Aufforderung Dritter preis.
- Geben Sie Zugangsdaten nur auf der Ihnen bekannten Banking-Seite oder in der offiziellen Banking-App ein.
- Vermeiden Sie Onlinebanking in öffentlichen WLAN-Netzen oder an fremden PCs.
Der Bankwechsel als Wettbewerbsfaktor
Eine staatliche oder verbraucherverbandsseitige Preisaufsicht über Banken existiert in Deutschland nicht. Die Preise am Bankenmarkt bilden sich durch den Wettbewerb. Sie als Kunde sind die einzige „Preisaufsicht“. Durch einen bewussten Bankwechsel können Sie direkten Druck auf die Preisgestaltung der Kreditinstitute ausüben und sich die Bank mit den besten Konditionen aussuchen.
Der Vergleich der Entgelte verschiedener Banken lohnt sich immer. Besonders wenn Ihnen die Preise Ihrer aktuellen Bank zu hoch erscheinen, sollten Sie die Tarife der Konkurrenz prüfen und gegebenenfalls wechseln. Die Auflösung einer Kontoverbindung ist jederzeit, ohne Begründung und ohne Einhaltung einer Frist möglich.
Die neue Bank bietet oft eine gesetzliche Kontowechselhilfe an, die Ihnen den Papierkram abnimmt. Manchmal kann es sich auch lohnen, mit mehreren Banken zusammenzuarbeiten, um die jeweils besten Konditionen für unterschiedliche Leistungen zu nutzen. Bietet die Hausbank beispielsweise keine Guthabenzinsen, könnte ein Tagesgeldkonto bei einer Direktbank eine gute Alternative sein.
Vorteile eines Bankwechsels
- Druck auf Preisgestaltung der Banken ausüben.
- Bessere Konditionen finden.
- Kostenfreie und fristlose Kündigung des alten Kontos.
- Hilfe beim Wechsel durch die neue Bank.





