Volkswagen hat die Produktion seiner neuen Elektro-Kleinwagen in Spanien aufgenommen. Im Werk Martorell bei Barcelona laufen der VW ID. Polo und das Schwestermodell Cupra Raval vom Band. Diese Modelle sollen den Konzern im Segment der erschwinglichen Elektrofahrzeuge positionieren, mit einem geplanten Einstiegspreis von knapp unter 25.000 Euro für den VW ID. Polo.
Wichtige Fakten
- Produktionsstart für VW ID. Polo und Cupra Raval in Martorell, Spanien.
- Anvisierter Einstiegspreis für VW ID. Polo: unter 25.000 Euro.
- Ziel: Mehrere Hunderttausend Fahrzeuge pro Jahr in diesem Segment verkaufen.
- Investitionen von rund 10 Milliarden Euro in Spanien, davon 3 Milliarden Euro in Martorell.
- Batteriefertigung in Sagunto bei Valencia geplant.
Ein strategischer Schritt für den VW-Konzern
Der Start der Produktion dieser neuen Elektro-Kleinwagen ist ein entscheidender Moment für Volkswagen. Der Konzern möchte damit eine führende Rolle im wachsenden Markt für erschwingliche Elektrofahrzeuge einnehmen. Konzernchef Oliver Blume betonte bereits auf der IAA in München die Bedeutung dieser Fahrzeugfamilie.
Blume äußerte, dass der Markt für batterieelektrische Kleinwagen in Europa nach 2030 etwa viermal so groß sein wird wie heute. Dies biete ein enormes Wachstumspotenzial. Volkswagen plant, jährlich mehrere Hunderttausend Fahrzeuge dieser Modellreihe zu verkaufen.
Interessanter Fakt
Zum offiziellen Produktionsstart in Spanien wurde Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez erwartet. Dies unterstreicht die politische und wirtschaftliche Bedeutung des Projekts für das Land und den Konzern.
Modelle und Preisgestaltung
Der VW ID. Polo soll zu einem Einstiegspreis von knapp unter 25.000 Euro angeboten werden. Der Cupra Raval, der etwas früher auf den Markt kommt, ist etwa 1.000 Euro teurer. Anfänglich werden die Modelle jedoch nur in besser ausgestatteten Versionen mit größerer Batterie für über 30.000 Euro verfügbar sein. Die günstigeren Einstiegsversionen mit kleinerem Akku sollen ab Juli bestellbar sein, die Auslieferung des VW ID. Polo in allen Varianten startet im September.
Markenchef Thomas Schäfer bekräftigte, dass Elektromobilität kein Luxus sein dürfe. Sie müsse bezahlbar sein und im Alltag überzeugen. Dies sei die Kernbotschaft hinter den neuen Modellen.
Herausforderungen im Preis-Segment
Der anvisierte Einstiegspreis von 25.000 Euro ist im aktuellen Marktumfeld nicht mehr so einzigartig wie noch vor einem Jahr. Branchenexperte Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands in Berlin hält diesen Preis für ein Einstiegsmodell inzwischen für zu hoch.
Schwope sieht den kommenden VW ID. Every1, der ab dem nächsten Jahr für rund 20.000 Euro aus Portugal kommen soll, eher in der Rolle eines echten Einstiegsmodells. Andere Hersteller bieten bereits Elektroautos für unter 25.000 Euro an. Dazu gehören der Renault Twingo E-Tech für rund 20.000 Euro, der Dacia Spring und der Leapmotor T03, die noch günstiger sind. Auch der Citroën ë-C3 ist dank Aktionsprämien für knapp über 17.000 Euro erhältlich.
Wettbewerb im Blick
Der Markt für erschwingliche Elektro-Kleinwagen ist bereits hart umkämpft. Viele etablierte und neue Marken drängen in dieses Segment, was den Druck auf Volkswagen erhöht, wettbewerbsfähige Preise und Ausstattungen anzubieten.
Spanien als Produktionsstandort: Kosten und Strategie
Volkswagen hat zusammen mit Zulieferern rund 10 Milliarden Euro in den Umbau der spanischen Standorte investiert. Allein 3 Milliarden Euro flossen seit 2023 in die Umrüstung des Werks in Martorell. Dort sollen künftig bis zu 300.000 Elektroautos pro Jahr produziert werden können.
Die Entscheidung für Spanien als Produktionsstandort ist primär auf Kostenvorteile zurückzuführen. Spanien bietet günstigen Solarstrom für die Batteriefertigung und niedrigere Lohnkosten in der Montage. Der spanische Staat unterstützt das Projekt zusätzlich mit fast 400 Millionen Euro an Fördermitteln.
„Mit diesem Auto unterstreichen wir, dass elektrische Einstiegsmobilität keine Kompromisse braucht.“
Thomas Schäfer, VW-Markenchef
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Strategie ist die Batteriezellfabrik, die in Sagunto bei Valencia entsteht. Auch der zweite Produktionsstandort, das bisherige VW-Werk Pamplona, wird umgebaut. Dort sollen noch in diesem Jahr die SUV-Schwestermodelle Skoda Epiq und VW ID. Cross anlaufen.
Gleichteile und Entwicklung
Um die Kosten weiter zu senken, setzt Volkswagen auf eine hohe Anzahl von Gleichteilen: 80 Prozent der Bauteile sind in den vier neuen Modellen identisch. Auch die Entwicklung der Fahrzeuge wurde bei Cupra gebündelt, was laut VW Einsparungen von 600 Millionen Euro ermöglichte.
Die leistungsstarken Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen für die teureren Modelle kommen aus dem konzerneigenen Batteriewerk in Salzgitter, Deutschland. Die günstigeren Lithium-Eisenphosphat-Akkus für die Basisversionen sollen später in Valencia gefertigt werden.
Auswirkungen auf deutsche Standorte
Der Betriebsrat in Wolfsburg sieht die Verlagerung der Kleinwagenproduktion nach Spanien gelassen. Betriebsratschefin Daniela Cavallo erklärte, dass Volkswagen seine Einstiegsverbrenner schon lange nicht mehr in Deutschland fertige. Der VW Polo als Verbrenner lief bereits zuvor in Spanien vom Band.
Um Platz für die neuen Elektromodelle zu schaffen, wurde die Produktion des Verbrenner-Polos im Jahr 2024 nach Südafrika verlagert. Cavallo betonte, dass in Deutschland eher komplexere Modelle mit höheren Margen produziert würden.
Sie ist überzeugt, dass auch die deutschen Standorte von den günstigeren Modellen aus dem Süden profitieren. Diese Modelle würden Kunden an die Marke heranführen. Spätere Umstiege auf größere Modelle könnten dann aus deutscher Fertigung erfolgen.
Zahlen und Fakten zur Investition
- 10 Milliarden Euro: Gesamtinvestition von VW und Zulieferern in Spanien.
- 3 Milliarden Euro: Direkt in die Umrüstung des Martorell-Werks seit 2023 investiert.
- 300.000 E-Autos: Geplante jährliche Produktionskapazität in Martorell.
- 400 Millionen Euro: Fördermittel des spanischen Staates.
- 80 Prozent: Anteil der Gleichteile in den vier neuen Modellen.
- 600 Millionen Euro: Einsparungen durch Bündelung der Fahrzeugentwicklung bei Cupra.





