Das europaweite automatische Notrufsystem für Fahrzeuge, eCall, hat in Deutschland ein wichtiges Upgrade erhalten. Die drei großen Mobilfunknetzbetreiber Vodafone, O2 Telefónica und die Telekom haben gemeinsam den Next Generation eCall (NG eCall) in Betrieb genommen. Dieses neue System nutzt nun die modernen LTE- (4G) und zukünftig auch 5G-Netze, um bei Unfällen schnellere und umfangreichere Daten an die Rettungsdienste zu senden.
Wichtige Punkte
- NG eCall nutzt jetzt 4G/LTE und zukünftig 5G-Netze.
- Ältere eCall-Systeme im 2G-Netz werden bis 2030 abgeschaltet.
- Ab 2026 ist NG eCall für neue Fahrzeugtypen Pflicht.
- Das neue System kann mehr Daten übertragen, wie Aufprallgeschwindigkeit.
- Fast 16 Millionen Fahrzeuge in Deutschland nutzen noch das alte System.
Warum das Upgrade notwendig war
Das ursprüngliche eCall-System wurde für das GSM-Netz (2G) entwickelt. Dieses Netz wird in den kommenden Jahren schrittweise abgeschaltet. Um sicherzustellen, dass die Notruffunktion auch weiterhin zuverlässig funktioniert, war eine Umstellung auf modernere Mobilfunkstandards unerlässlich. Die Netzbetreiber Vodafone und die Deutsche Telekom haben bereits Zeitpläne für die Abschaltung ihrer 2G-Netze bekannt gegeben.
Die Deutsche Telekom plant die Abschaltung ihres GSM-Netzes bis 2028. Vodafone beginnt bereits in diesem Jahr mit dem Rückbau, der bis 2030 abgeschlossen sein soll. Telefónica Deutschland hat noch keinen festen Termin genannt, wird aber ebenfalls folgen. Ohne das Upgrade würden Notrufe von Fahrzeugen mit dem alten eCall-System ins Leere laufen, sobald die 2G-Netze nicht mehr verfügbar sind.
Faktencheck
- 140 Byte: Das ist die maximale Datenmenge, die das alte eCall-System übertragen konnte.
- 16 Millionen: So viele Fahrzeuge mit dem alten eCall-System sind aktuell in Deutschland zugelassen.
- 2018: Seit diesem Jahr müssen alle Neufahrzeuge in der EU mit eCall ausgestattet sein.
Funktionsweise und Vorteile von NG eCall
Bei einem Unfall stellt eCall automatisch eine Verbindung zur Notrufzentrale her. Dabei werden wichtige Informationen wie Fahrzeugtyp, Treibstoffart, Unfallzeitpunkt, präzise Fahrzeugposition, Fahrtrichtung und die Anzahl der angelegten Sicherheitsgurte übermittelt. Diese Daten ermöglichen es den Rettungskräften, sich optimal auf den Einsatz vorzubereiten und schnell am Unfallort zu sein.
Der NG eCall bietet gegenüber seinem Vorgänger entscheidende Vorteile. Die größte Neuerung ist die erhöhte Datenkapazität. Während das alte System auf 140 Byte beschränkt war, hebt NG eCall diese Begrenzung auf. Dadurch können zukünftig wesentlich umfangreichere Unfalldaten übertragen werden. Dazu gehören beispielsweise detaillierte Informationen von verschiedenen Fahrzeugsensoren oder die genaue Aufprallgeschwindigkeit.
„Die Möglichkeit, mehr Daten zu übermitteln, kann die Erstversorgung am Unfallort erheblich verbessern. Rettungskräfte wissen genauer, was sie erwartet.“
Hintergrund: eCall in Europa
Das eCall-System ist ein europaweites Notrufsystem. Es wurde eingeführt, um die Reaktionszeit der Rettungsdienste bei schweren Verkehrsunfällen zu verkürzen und somit die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten zu reduzieren. Die automatische Auslösung bei einem Unfall ist ein entscheidender Faktor, da sie auch dann funktioniert, wenn Insassen nicht mehr in der Lage sind, selbst einen Notruf abzusetzen.
Parallelbetrieb und zukünftige Vorschriften
Aktuell laufen eCall und NG eCall noch parallel. Dies soll einen reibungslosen Übergang gewährleisten, während die Mobilfunknetze modernisiert werden. Für Fahrzeughalter bedeutet dies, dass ihr bestehendes eCall-System weiterhin funktioniert, solange das 2G-Netz verfügbar ist.
Die Gesetzgebung reagiert auf diese technologische Entwicklung. Ab dem 1. Januar 2026 erhalten neu entwickelte Pkw und Kleintransporter in der EU nur noch eine Typenzulassung, wenn ihr bordeigenes Notrufsystem 4G/5G nutzt. Ein Jahr später, ab 2027, dürfen dann keine Neufahrzeuge ohne NG eCall mehr zugelassen werden. Dies unterstreicht die Wichtigkeit und die breite Akzeptanz des neuen Standards.
Herausforderungen für Autohersteller und Mobilfunkbetreiber
Die Umstellung erfordert von Automobilherstellern und Mobilfunkbetreibern eine enge Zusammenarbeit. Neue Fahrzeugmodelle müssen mit der entsprechenden Hardware ausgestattet werden, um die 4G/5G-Konnektivität zu nutzen. Gleichzeitig müssen die Mobilfunknetze die Kapazitäten für die Notrufe bereitstellen.
Der vierte deutsche Mobilfunknetzbetreiber, 1&1, bietet das neue Notrufsystem derzeit noch nicht an. Der Grund ist, dass 1&1 bisher keine Verträge mit Automobilherstellern für Flotten-SIM-Karten abgeschlossen hat. Sobald sich entsprechende Partnerschaften ergeben, plant 1&1 jedoch ebenfalls die Implementierung von NG eCall. Dies zeigt, dass die Einführung des Systems eine koordinierte Anstrengung über verschiedene Branchen hinweg erfordert.
Fazit: Mehr Sicherheit auf den Straßen
Die Einführung des Next Generation eCall ist ein wichtiger Schritt zur Erhöhung der Verkehrssicherheit in Deutschland und Europa. Durch die Nutzung moderner Mobilfunktechnologien und die Möglichkeit zur Übertragung umfangreicherer Daten können Rettungskräfte noch schneller und gezielter handeln. Dies kann im Ernstfall Leben retten und schwere Verletzungen mindern.
Fahrzeughalter sollten sich bewusst sein, dass ältere eCall-Systeme ihre Funktionalität verlieren werden, sobald die 2G-Netze vollständig abgeschaltet sind. Ein Blick auf die Ausstattung des eigenen Fahrzeugs und zukünftige Fahrzeugkäufe unter Berücksichtigung des NG eCall ist ratsam.





