Der humanoide Roboter Figure 03 hat seine Arbeit im BMW Group Werk Spartanburg aufgenommen. Nach einem erfolgreichen ersten Pilotprojekt im Karosseriebau übernimmt der Figure 03 nun komplexe Sortieraufgaben in der Logistik. Diese Entwicklung markiert einen wichtigen Schritt in der Integration humanoider Roboter in die industrielle Fertigung.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Figure 03 Roboter ist im BMW Werk Spartanburg im Logistikbereich im Einsatz.
- Er sortiert unsortierte Komponenten in Sequenztrolleys für die Montage.
- Das Projekt findet in der erweiterten Halle 52 statt, wo BMW X3 und iX5 Varianten montiert werden.
- Der Figure 03 verfügt über verbesserte Hardware, einschließlich taktiler Fingersensoren und kabellosem Laden.
- Dies ist die nächste Phase einer engen Partnerschaft zwischen Figure und BMW.
Rückkehr nach Spartanburg: Figure 03 in der Logistik
Wenige Monate nach Abschluss des ersten Pilotprojekts kehrt Figure mit seinem neuesten humanoiden Roboter, dem Figure 03, ins BMW Group Werk Spartanburg zurück. CEO Brett Adcock kündigte die Rückkehr auf sozialen Medien an und äußerte sich begeistert über den Einsatz des F.03-Roboters bei BMW.
Eine offizielle Ankündigung der BMW Group hat den Umfang des Projekts nun detailliert. Der neu entwickelte Figure 03 hat offiziell den Betrieb aufgenommen. Dies zeigt einen schnellen Übergang von Labor-Meilensteinen zu einem kommerziellen Wiedereinstieg in die reale Welt. Es ist die nächste Phase einer genau beobachteten Automobilpartnerschaft.
Hintergrund der Partnerschaft
Zuvor unterstützte eine Figure 02 Flotte über zehn Monate lang die Produktion von mehr als 30.000 BMW X3 Fahrzeugen. Die Roboter luden Blechpaneele im Karosseriebau. Dieser erste Pilot konzentrierte sich auf eine einzelne, starre Pick-and-Place-Aufgabe. Ziel war es, die grundlegende Hardware-Haltbarkeit unter Produktionsbedingungen zu beweisen. Das neue Figure 03 Projekt verlagert die Hardware in einen völlig anderen Bereich der Fabrik: die Montagelogistik.
„Das Werk Spartanburg ist der Geburtsort der humanoiden Robotik im täglichen Betrieb von BMW Manufacturing. Nachdem wir bereits erfolgreich einen Pilotversuch mit Figure 02 in unserem Karosseriebau abgeschlossen haben, freuen wir uns nun darauf, Figure 03 für einen Sequenzierungs-Anwendungsfall in der Logistik einzusetzen.“
– Ulrich Wieland, Vizepräsident für Produktionssteuerung und Logistik bei BMW Manufacturing
Vom Karosseriebau zur Logistik-Sequenzierung
Der Wechsel des Einsatzbereichs bringt eine grundlegende Veränderung im Arbeitsablauf mit sich. Anstatt schwere Blechpaneele in Schweißvorrichtungen zu heben, wird der Figure 03 nun für komplexe Sequenzierungsanwendungen eingesetzt. In diesem Arbeitsablauf kommen die gelieferten Komponenten zunächst unsortiert in größeren Behältern in der Logistikhalle an.
Der humanoide Roboter muss diese Komponenten autonom aufnehmen und in einen Sequenztrolley sortieren. Sobald der Trolley gefüllt ist, wird er zu einem definierten Sammelpunkt für den Weitertransport gebracht. Ein automatisiertes Zugfahrzeug oder ein Smart Transport Robot transportiert die Teile dann zum Installationsort. Dort werden sie den Montage-Mitarbeitern „just in sequence“ zur Verfügung gestellt.
Faktencheck: Mobile Kommissionierung
Diese spezielle Aufgabenstruktur ist in den veröffentlichten Medien deutlich sichtbar. Die Figure 03 Roboter manipulieren schwarze Kunststoff-Automobilkomponenten und setzen sie in eine spezielle vertikale Regalmatrix ein. Eine größere Ansicht des Arbeitsplatzes zeigt den Roboter, wie er mit einem mobilen Wagenrahmen interagiert. Dies ist eine gängige Einrichtung in Automobil-Kommissionierungsumgebungen.
Diese Sequenzierungsanwendung stellt einen großen Branchentrend zur mobilen Kommissionierung dar. Die Aufgabe ähnelt eng den Entwicklungsspuren anderer prominenter Robotiklabore, wie den von Boston Dynamics gezeigten Aufgaben, bei denen die Atlas-Plattform eine sehr ähnliche Sortierroutine mit mehreren Fächern durchführt.
Hardware-Upgrades und verbesserte Fähigkeiten
Der Übergang zur Logistik wird durch die umfassende architektonische Überarbeitung der Figure 03 Plattform ermöglicht. Der vorherige Pilot im Karosseriebau zeigte kritische Hardware-Schwachstellen. Die Ingenieure von Figure identifizierten den Unterarm und die dynamische Handgelenksverkabelung als Hauptfehlerquellen unter der Belastung von 10-Stunden-Schichten.
Um seine operativen Fähigkeiten für komplexe Handhabung zu erweitern, führt der Figure 03 mehrere technische Updates ein. Diese sind darauf ausgelegt, Präzision und Verfügbarkeit zu verbessern:
- Fortschrittliche Geschicklichkeit: Die Hände verfügen über integrierte taktile Sensoren an jeder Fingerspitze und spezielle Handflächenkameras. Diese sind für erhöhte Präzision und Geschicklichkeit konzipiert.
- Onboard-Audio: Neue Sprach-zu-Sprach-Audiofunktionen unterstützen die lokalisierte Sprachkommunikation.
- Hochverfügbare Ladung: Standardisiertes kabelloses induktives Laden in den Füßen soll eine höhere Hardware-Verfügbarkeit unterstützen.
- Weiche Sicherheitskomponenten: Das Chassis enthält weiche Komponenten, die für erhöhte Sicherheit bei kollaborativen Operationen entwickelt wurden.
Diese Verbesserungen wurden kürzlich während eines intensiven 200-stündigen kontinuierlichen autonomen Sortiermarathons in Figures Hauptsitz in Sunnyvale getestet. Dort verarbeitete eine Flotte fast 250.000 Pakete ohne einen einzigen mechanischen Ausfall.
BMW iFACTORY: Digitale Transformation der Produktion
Für BMW ist das Figure 03 Projekt eng mit der digitalen Transformation der Produktion im Werk Spartanburg verbunden. Dies geschieht im Rahmen des umfassenderen „BMW iFACTORY“-Ansatzes. Das neue Projekt wird in Halle 52 eingesetzt, einem Montagebereich, der umfassend erweitert und aktualisiert wurde. Dort werden Varianten des BMW X3 und zukünftig auch der elektrifizierte BMW iX5 montiert.
Bevor Komponenten überhaupt die Live-Produktionslinie erreichen, helfen virtuelle 3D-Simulationen, Prozesse zu optimieren. Sie ermöglichen eine fehlerfreie Implementierung, indem menschliche Bewegungsabläufe simuliert werden. Diese virtuelle Kartierung hilft, die Komplexität zu bewältigen und die Mitarbeiterergonomie zu optimieren.
Darüber hinaus verstärkt BMW seine Qualitätskontrolle am Fließband mit AIQX (Artificial Intelligence Quality Next). Dies ist ein hauseigenes Kamera- und Sensorsystem, das visuelle und akustische KI nutzt. Es liefert den Mitarbeitern am Band sofortiges Feedback über intelligente Geräte.
Der Automobilhersteller hat seine Evaluierung humanoider Roboter kürzlich intensiviert. Er hat ein eigenes Kompetenzzentrum für Physische KI in München eingerichtet. Zudem testet er modulare, rollende Plattformen wie den AEON Humanoiden von Hexagon in seinem Leipziger Werk.
Indem Figure 03 sich auf eine hochfrequente, hochvariable Aufgabe wie die Logistik-Sequenzierung konzentriert, gehen BMW und Figure einen Arbeitsablauf an, den traditionelle Automatisierung nicht leicht lösen kann. Wenn die Plattform eine hohe Platzierungsgenauigkeit beibehalten und das Produktionstempo unter realem Logistikdruck mithalten kann, wird sie eine starke Verteidigung für den kommerziellen Einsatz humanoider Roboter bieten.
Fürs Erste dient der Einsatz in Spartanburg als eines der entscheidendsten Testfelder. Es wird sich zeigen, ob zweibeinige Maschinen wirklich von engen Labor-Demonstrationen zu einer flexiblen, dauerhaften industriellen Arbeitskraft übergehen können.




