Die chinesische Luxussteuer auf Fahrzeuge hat den Absatz deutscher Premium-Autohersteller in China erheblich beeinträchtigt. Eine vor einem Jahr eingeführte Änderung der Steuerregelung führte zu einem deutlichen Rückgang der Verkaufszahlen, insbesondere im Hochpreissegment.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Luxussteuergrenze in China wurde von 1,3 Millionen Yuan auf 900.000 Yuan gesenkt.
- Erstmals sind auch Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeuge von der Steuer betroffen.
- Deutsche Hersteller verzeichneten im ersten Halbjahr erhebliche Absatzrückgänge: Porsche (-32%), Mercedes (-28%), BMW (-20%), Audi (-19%).
- Chinesische Premium-Elektrofahrzeuge gewinnen Marktanteile.
- VDA fordert eine Prüfung der Folgen der Maßnahme.
Neue Steuerregelung und ihre Auswirkungen
Seit dem 20. Juli 2025 gilt in China eine verschärfte Luxussteuer für Automobile. Die Schwelle, ab der die Abgabe fällig wird, sank von 1,3 Millionen Yuan (ohne Mehrwertsteuer) auf 900.000 Yuan, was derzeit etwa 116.000 Euro entspricht. Diese Anpassung betrifft nun auch Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeuge, die zuvor ausgenommen waren. Diese Maßnahme zielt direkt auf das Segment, in dem europäische und insbesondere deutsche Premium-Hersteller stark vertreten sind.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) äußerte sich kritisch zu dieser Entwicklung. Eine Sprecherin des VDA erklärte, die Anpassung habe sich erwartbar negativ auf europäische und deutsche Hersteller ausgewirkt, da sie auf besonders werthaltige Fahrzeuge ziele. Die Maßnahme kam zu einem Zeitpunkt, als die wirtschaftlichen Bedingungen in China ohnehin schon schwierig waren und dies weiterhin sind. Dies dämpfe die Verbraucherstimmung und belaste das bilaterale Handelsklima zwischen der EU und China.
Faktencheck: Chinas Luxussteuer
- Alte Grenze: 1,3 Millionen Yuan (ca. 168.000 Euro)
- Neue Grenze: 900.000 Yuan (ca. 116.000 Euro)
- Betroffene Fahrzeuge: Neuwagen (Verbrenner, Elektro, Brennstoffzelle)
- Inkrafttreten: 20. Juli 2025
Marktverschiebung und Wettbewerbsdruck
Cui Dongshu, Generalsekretär des chinesischen Pkw-Verbandes CPCA, sieht in der gesenkten Steuerschwelle eine strukturelle Marktveränderung. Die Nachfrage nach Verbrennern im Preissegment zwischen 900.000 und 1,3 Millionen Yuan sei „deutlich zurückgegangen“. Deutsche Hersteller müssen die zusätzliche Belastung entweder über höhere Endpreise an die Kunden weitergeben, was ihre Wettbewerbsfähigkeit schwächt, oder sie selbst tragen, was die Margen schmälert. Es wird beobachtet, dass teure Sonderausstattungen gestrafft und Preise gezielt unter der Steuerschwelle gehalten werden, um die Steuer zu umgehen.
Verbraucher weichen vermehrt auf chinesische Oberklassemodelle mit Elektro- oder Hybridantrieb sowie auf günstigere gebrauchte Luxusautos aus. Dies zeigt eine klare Präferenzverschiebung hin zu heimischen Marken und alternativen Antriebskonzepten, die oft preislich attraktiver sind oder von der Steuerpolitik weniger stark betroffen werden.
„Die Anpassung der chinesischen sogenannten Luxussteuer auf Fahrzeuge im vergangenen Jahr hat sich erwartbar besonders negativ zulasten europäischer und insbesondere deutscher Hersteller ausgewirkt, da sie auf besonders werthaltige Fahrzeuge zielt.“
Chinesische Marken als ernsthafte Konkurrenz
Cui Dongshu betont, dass die Luxussteuer nicht das Hauptproblem der deutschen Hersteller sei. Er bezeichnet den Aufstieg chinesischer Premiummarken als den „entscheidenden Schlag“. Der Preiskampf und die Steuerpolitik seien lediglich „kurzfristiger zusätzlicher Druck“. Das dringendste Problem der deutschen Hersteller sei der „ernsthafte Rückstand bei der Lokalisierung intelligenter Fahrzeugtechnik und bei der Elektrifizierung“.
Chinesische Hersteller haben in den letzten Jahren massiv in Forschung und Entwicklung investiert. Sie bieten zunehmend Fahrzeuge an, die nicht nur technologisch mithalten können, sondern oft auch besser auf die spezifischen Bedürfnisse und Vorlieben chinesischer Kunden zugeschnitten sind. Besonders im Bereich der intelligenten Fahrzeugtechnik und Konnektivität haben sie einen Vorsprung aufgebaut.
Hintergrund: Chinas Automarkt
China war lange Zeit der wichtigste Wachstumsmarkt für deutsche Premium-Automobilhersteller. Die dortige Mittelschicht und Oberschicht zeigte eine hohe Nachfrage nach Luxusfahrzeugen. In den letzten Jahren hat sich der Markt jedoch verändert, unter anderem durch eine Immobilienkrise, die das Konsumklima dämpft, und den starken Aufstieg lokaler Marken, insbesondere im Bereich der Elektromobilität.
Rückgänge bei deutschen Premium-Herstellern
Die Absatzzahlen der deutschen Premium-Hersteller in China sind im ersten Halbjahr des aktuellen Jahres deutlich gesunken. Porsche verzeichnete einen Rückgang der Auslieferungen um 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mercedes-Benz sah seinen Pkw-Absatz um 28 Prozent sinken. Bei BMW fiel der Absatz im gleichen Zeitraum um 20 Prozent, und Audi verzeichnete einen Rückgang von 19 Prozent.
Die deutschen Hersteller spielen die Auswirkungen der Steuer jedoch herunter. BMW teilte mit, die Steuer betreffe „einzelne Oberklassemodelle, die nach China importiert werden“. Der Fahrzeugpreis betreffe geringe Volumina, die von einer kaufkräftigen Kundenschicht geordert werden. Der abgesenkte Schwellenwert habe daher „kaum Auswirkungen auf unseren Gesamtabsatz im Markt“.
Auch Audi gab an, die Regelung betreffe „nur eine sehr begrenzte Anzahl der in China verkauften Modelle des Volkswagen-Konzerns“. Bei Porsche seien „einzelne Derivate“ betroffen. Mercedes-Benz erklärte, der Anteil der betroffenen Fahrzeuge liege in China bei weniger als fünf Prozent des Gesamtabsatzes. Diese Fahrzeuge befänden sich ausschließlich im Top-End-Segment, insbesondere im Umfeld der S-Klasse und der Mercedes-Maybach-Modelle.
- Porsche: -32% Auslieferungen im ersten Halbjahr
- Mercedes-Benz: -28% Pkw-Absatz im ersten Halbjahr
- BMW: -20% Absatz im ersten Halbjahr
- Audi: -19% Absatz im ersten Halbjahr
Trotz dieser Relativierungen der Hersteller zeigen die deutlichen Absatzrückgänge, dass der Druck auf dem chinesischen Markt wächst. Die Kombination aus strengerer Steuerpolitik, dem Aufstieg lokaler Wettbewerber und einem sich wandelnden Konsumverhalten stellt deutsche Premium-Hersteller vor große Herausforderungen. Eine strategische Neuausrichtung und eine stärkere Lokalisierung von Technologien könnten entscheidend sein, um in diesem wichtigen Markt wieder Fuß zu fassen.





