Die deutsche Automobilindustrie steht vor großen Herausforderungen. Geopolitische Spannungen, mögliche US-Zölle und ein sich wandelnder chinesischer Markt belasten die Geschäftsentwicklung führender Hersteller wie Audi und BMW. Beide Unternehmen haben nun ihre Ergebnisse für das erste Quartal 2026 bekannt gegeben und zeigen auf, wie sie diesen Widrigkeiten begegnen wollen.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für die deutsche Autoindustrie fiel im April auf minus 23,8 Punkte.
- BMW erwartet für 2026 einen Vorsteuergewinn leicht unter dem Vorjahreswert von 10,2 Milliarden Euro.
- Audi verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Gewinnrückgang von 11 Prozent auf 559 Millionen Euro.
- US-Zölle belasten die Margen beider Hersteller erheblich.
- China bleibt für beide Marken ein schwieriger Markt mit rückläufigen Auslieferungen.
Geopolitische Unsicherheiten und ihre Folgen
Die globale politische Lage beeinflusst die Automobilbranche stark. Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Zölle auf Autos und Lastwagen aus der EU auf 25 Prozent zu erhöhen, hat die Stimmung weiter getrübt. Dies könnte die Aussichten erheblich verschlechtern und zu einer allgemeinen Kaufzurückhaltung bei Neuwagen führen.
Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für die deutsche Autoindustrie ist im April 2026 auf minus 23,8 Punkte gesunken. Im März lag dieser Wert noch bei minus 19 Punkten. Dieser Rückgang unterstreicht den wachsenden Druck, dem die Branche ausgesetzt ist.
Faktencheck: Ifo-Geschäftsklimaindex
Der Ifo-Geschäftsklimaindex misst die Stimmung und Erwartungen in der deutschen Wirtschaft. Ein fallender Indexwert deutet auf eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage hin.
BMW navigiert durch stürmische Gewässer
BMW strebt für das laufende Jahr an, das Auslieferungsniveau des Vorjahres von 2,46 Millionen Fahrzeugen zu halten. Der bayerische Hersteller gab bekannt, dass der Vorsteuergewinn (EBT) für 2026 voraussichtlich leicht unter dem Wert von 10,2 Milliarden Euro aus dem Jahr 2025 liegen wird. Die EBIT-Marge im Automobilgeschäft wird bei 4 bis 6 Prozent erwartet, nach 5,3 Prozent im Vorjahr.
US-Importzölle haben die Marge bereits um rund 1,25 Prozentpunkte belastet. Exakte Zahlen will BMW am 6. Mai veröffentlichen. Trotz dieser Herausforderungen gibt es auch positive Entwicklungen.
Erfolg der „Neuen Klasse“ und Führungswechsel
Der Marktstart der neuen Elektro-Modellgeneration „Neue Klasse“ verläuft erfolgreich. Das batterieelektrische SUV BMW iX3 verzeichnet bereits mehr als 50.000 Bestellungen. Vertriebsvorstand Jochen Goller betonte auf der Bilanzpressekonferenz: „Mehr als die Hälfte der bestellten BMW X3 sind vollelektrisch.“
Die elektrische Limousine BMW i3 auf „Neue-Klasse“-Basis folgt 2026, die Produktion in München startet im August. BMW plant, bis 2027 über 40 Modelle auf der neuen Plattform anzubieten. Das Unternehmen rechnet für 2026 mit einem Elektroauto-Anteil von etwa 18 Prozent, was dem Vorjahreswert entspricht.
„Mehr als die Hälfte der bestellten BMW X3 sind vollelektrisch.“ – Jochen Goller, Vertriebsvorstand BMW
Zudem kündigte BMW einen Führungswechsel an: Milan Nedeljkovic, bisher Produktionsvorstand, wird nach der Hauptversammlung am 13. Mai 2026 neuer Konzernchef und löst Oliver Zipse ab. Der scheidende Konzernchef Oliver Zipse hinterlässt seinem Nachfolger das ambitionierte Ziel, vor Ende des Jahrzehnts drei Millionen verkaufte Autos pro Jahr zu erreichen.
Hintergrund: Die „Neue Klasse“
Die „Neue Klasse“ ist BMWs Strategie für eine neue Generation von Elektrofahrzeugen. Sie umfasst eine speziell entwickelte Architektur, die auf batterieelektrische Antriebe ausgelegt ist und ein hohes Maß an Digitalisierung und Nachhaltigkeit bietet.
Herausforderungen in China und Europa
Weltweit lieferte BMW im ersten Quartal des laufenden Jahres 565.748 Fahrzeuge aus, ein Rückgang um 3,5 Prozent. Besonders in China sanken die Auslieferungen von BMW und Mini um 10 Prozent auf 143.958 Einheiten. Der Konzern reagiert mit Händlerunterstützung und Netzanpassungen auf die Immobilienkrise und den harten Wettbewerb lokaler Hersteller.
In Europa hingegen stiegen die Bestellungen für Elektrofahrzeuge um 40 Prozent. In Deutschland legten die Auslieferungen um 10,7 Prozent auf 68.022 Fahrzeuge zu. Finanzvorstand Walter Mertl erwartet für 2026 einen Free Cashflow im Automobilbereich von über 4,5 Milliarden Euro, nach 3,2 Milliarden Euro im Jahr 2025. Ein mögliches Handelsabkommen zwischen der EU und den USA könnte die Zollbelastung auf null reduzieren und für Entlastung sorgen.
Audi kämpft mit anhaltendem Gewinnrückgang
Auch Audi spürt die schwierigen Marktbedingungen. Im ersten Quartal 2026 sank der Gewinn nach Steuern um 11 Prozent auf 559 Millionen Euro. Dies ist bereits der vierte Rückgang in Folge. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2022 hatte Audi noch 2,9 Milliarden Euro verdient. Der Umsatz fiel von 15,4 auf 14,2 Milliarden Euro.
In China brach der Ergebnisbeitrag von 170 auf nur noch 28 Millionen Euro ein. Die Auslieferungen sanken um 12 Prozent auf 127.109 Fahrzeuge. Finanzchef Jürgen Rittersberger bezifferte die Belastung durch US-Zölle auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. „Ohne Zölle wäre Gewinnwachstum möglich gewesen“, sagte er.
Audi Quartalszahlen im Überblick
- Gewinn nach Steuern: 559 Mio. Euro (minus 11%)
- Umsatz: 14,2 Mrd. Euro (von 15,4 Mrd. Euro)
- China Ergebnisbeitrag: 28 Mio. Euro (von 170 Mio. Euro)
- Globale Auslieferungen: 360.106 Einheiten (minus 6,1%)
Strategien für den chinesischen Markt und Kostensenkungen
Die globalen Auslieferungen gingen im ersten Quartal um 6,1 Prozent auf 360.106 Einheiten zurück. Besonders stark war der Rückgang in Nordamerika mit 27 Prozent. Neben den Zöllen und dem Wettbewerb in China belastete auch eine Modellwechsel-Delle beim Audi A6 die Verkäufe, von der sich das Unternehmen jedoch eine Erholung erhofft.
Für den chinesischen Markt führte Audi eine neue Wortmarke „AUDI“ ohne die bekannten Ringe ein. In Partnerschaft mit SAIC soll 2026 ein zweites Modell folgen, um die Position in diesem wichtigen Markt zu stärken. Der Finanz-Manager bei Audi räumte ein: „Unsere Ergebnisentwicklung zeigt klar, dass wir erheblichen Handlungsdruck haben.“ Audi will daher Kosten senken und die Effizienz steigern. Das Werk Neckarsulm sei „entscheidend, modern und ausgelastet“.
Ausblick für die Automobilbranche
Die deutsche Automobilindustrie befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Die Umstellung auf Elektromobilität, der harte Wettbewerb, insbesondere in China, und die Unsicherheiten durch Handelskonflikte fordern die Hersteller heraus. Sowohl BMW als auch Audi setzen auf neue Elektro-Modelle und Effizienzsteigerungen, um diesen Herausforderungen zu begegnen.
Die kommenden Monate werden zeigen, welche Strategien sich als erfolgreich erweisen und wie schnell sich die Branche an die neuen globalen Rahmenbedingungen anpassen kann. Der Fokus auf Innovation und Kostenmanagement wird dabei entscheidend sein.





