Ein entscheidender Meilenstein im Bau des Fehmarnbelt-Tunnels ist erreicht: Das erste von insgesamt 89 Tunnelelementen liegt nun sicher auf dem Meeresboden der Ostsee. Nach einem mehrtägigen, komplexen Manöver wurde das riesige Betonteil vor der dänischen Küstenstadt Rødby erfolgreich platziert und mit dem dänischen Tunnelportal verbunden.
Wichtige Fakten
- Erstes von 89 Segmenten des Fehmarnbelt-Tunnels erfolgreich versenkt.
- Das Element ist 217 Meter lang, 42 Meter breit und wiegt 73.500 Tonnen.
- Der Absenkvorgang dauerte 14 Stunden und wurde durch Strömungen verzögert.
- Der Tunnel soll die Fährverbindung ersetzen und Reisezeiten erheblich verkürzen.
- Die Fertigstellung wird voraussichtlich auf 2031 verzögert.
Ein Gigant auf dem Meeresgrund
Das erste Tunnelelement stellt einen bemerkenswerten Fortschritt in diesem ehrgeizigen Infrastrukturprojekt dar. Es ist ein kolossales Bauwerk: 217 Meter lang und 42 Meter breit. Sein Gewicht beträgt beeindruckende 73.500 Tonnen. Zusätzlich wurde es mit 4500 Tonnen Ballast beschwert, um das Absinken zu ermöglichen.
Das Segment beherbergt vier Röhren. Zwei davon sind für den Autoverkehr vorgesehen, zwei weitere für den Zugverkehr. Eine zusätzliche Röhre dient als Rettungsweg und erhöht die Sicherheit im Tunnel.
Zahlen und Fakten zum Segment
- Länge: 217 Meter
- Breite: 42 Meter
- Gewicht: 73.500 Tonnen
- Zusätzlicher Ballast: 4500 Tonnen
- Röhren: 4 für Verkehr, 1 Rettungsröhre
Komplexes Manöver unter schwierigen Bedingungen
Der Transport des Tunnelelements begann bereits am Montagabend vom Arbeitshafen der Fabrik, wo die Segmente gefertigt werden. Fünf Schlepper zogen es zu einem Spezialschiff, das für das Absenken auf den Grund der Ostsee konzipiert wurde. Die Arbeiten verzögerten sich jedoch aufgrund starker Strömungen.
Erst am Mittwochnachmittag konnte der eigentliche Absenkvorgang beginnen. Dieses komplexe Manöver dauerte insgesamt 14 Stunden. Lasse Vester von Sund & Bælt, der Muttergesellschaft des Bauherrn Femern A/S, betonte die Einzigartigkeit des Vorgangs.
„Das ist ein sehr komplexes Manöver, das in dieser Größenordnung noch nie durchgeführt wurde“, so Lasse Vester.
Hintergrund: Sund & Bælt
Sund & Bælt ist ein dänisches Unternehmen, das dem dänischen Verkehrsministerium gehört. Es hat bereits Erfahrung mit dem Bau von Absenktunneln. Der Drogdentunnel, Teil der Öresundverbindung zwischen Kopenhagen und Malmö, wurde ebenfalls in dieser Bauweise errichtet.
Präzision und Stabilisierung
Die einzelnen Segmente müssen mit äußerster Präzision abgesenkt werden, um eine nahtlose Verbindung zu gewährleisten. Eine Abweichung von wenigen Millimetern kann bereits Probleme verursachen. Nach dem Absenken und Verbinden wird der Graben um das Segment herum mit Steinen und Schotter aufgefüllt, um es zu stabilisieren.
Am Ende des Bauprozesses wird der gesamte Tunnel mit einer Schutzschicht aus großen Steinen bedeckt. Darüber kommt eine Sandschicht, um den ursprünglichen Zustand des Meeresbodens wiederherzustellen. Dies ist wichtig für das maritime Ökosystem.
Herausforderungen des Projekts
Obwohl Sund & Bælt Erfahrung mit ähnlichen Projekten hat, stellt der Fehmarnbelt-Tunnel eine neue Dimension dar. Die Elemente sind länger, schwerer und breiter als jene, die für die Öresundverbindung verwendet wurden. Zudem erfolgen die Arbeiten in deutlich tieferem Wasser, was die Anforderungen an die Technik und das Personal erhöht.
Verbindung Deutschland-Dänemark: Schnellere Reisezeiten
Der Fehmarnbelt-Tunnel wird eine etwa 18 Kilometer lange Querung unter dem Fehmarnbelt bilden. Er soll die bestehende Fährverbindung zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rødbyhavn auf Lolland ersetzen. Die Reisezeit wird sich drastisch verkürzen.
Mit dem Zug soll die Querung dann nur noch 7 Minuten dauern, mit dem Auto etwa 10 Minuten. Die Fähre benötigt derzeit ohne Wartezeit rund 45 Minuten. Dies bedeutet eine enorme Zeitersparnis für Pendler und Reisende.
Reisezeitverkürzung durch den Tunnel
- Zug: 7 Minuten (statt 45 Minuten mit Fähre)
- Auto: 10 Minuten (statt 45 Minuten mit Fähre)
Verzögerungen und weitere Bauprojekte
Die ursprüngliche Eröffnung des Tunnels war für das Jahr 2029 geplant. Aktuell wird jedoch mit einer Verzögerung von voraussichtlich zwei Jahren gerechnet, was die Fertigstellung auf 2031 verschiebt. Ein Hauptgrund dafür ist die längere Bauzeit des Spezialschiffs, das für das Absenken der Segmente benötigt wird.
Auch auf deutscher Seite gibt es Verzögerungen. Hier entsteht ein 1,7 Kilometer langer Tunnel zwischen Fehmarn und dem Festland. Dieser soll den Verkehr aufnehmen, der bisher über die Fehmarnsundbrücke fließt. Der deutsche Tunnel wird voraussichtlich erst Ende 2032 fertiggestellt sein.
Wie bei vielen großen Infrastrukturprojekten gab es auch gegen den Fehmarnbelt-Tunnel heftige Proteste und Klagen. Trotzdem schreitet der Bau, wenn auch mit einigen Verzögerungen, stetig voran.





