Siemens hat eine maßgeschneiderte Referenzarchitektur für KI-Rechenzentren von Nvidia entwickelt. Dieses Projekt, in Zusammenarbeit mit Fluence und unter Berücksichtigung von nVent-Designprinzipien, zielt darauf ab, die Vision einer KI-Fabrik in eine industrietaugliche elektrische, Leistungs- und Steuerungsarchitektur umzusetzen. Sie ist für Hyperscaler, Colocation-Anbieter und spezialisierte Cloud-Infrastruktur-Provider gedacht und auf Nvidias DSX Vera Rubin Plattform sowie die NVL72 Compute-Architektur abgestimmt.
Wichtige Erkenntnisse
- Siemens, Fluence und nVent arbeiten an einer Referenzarchitektur für KI-Rechenzentren.
- Das Design unterstützt eine Gesamtanlagenkapazität von 136 MW, davon 100 MW IT-Last.
- Fluence integriert Smartstack Batteriespeicher für Netzstabilität und Lastglättung.
- nVent liefert Wärmemanagementlösungen, die ab Tag eins zuverlässig funktionieren.
- Vorgefertigte Komponenten sollen Bauzeiten verkürzen und die Inbetriebnahme beschleunigen.
Die neue Architektur im Detail
Die von Siemens entwickelte Referenzarchitektur ist auf eine Gesamtanlagenkapazität von 136 Megawatt ausgelegt. Davon sind 100 Megawatt für die IT-Last vorgesehen. Die Anbindung an das Versorgungsnetz erfolgt über eine Nennspannung von 34,5 Kilovolt. Die Verteilung der Mittel- und Niederspannung reicht bis zu den einzelnen Rack-Schnittstellen.
Ein zentrales Merkmal dieser Architektur ist die Unterstützung der Tier-III-Gleichzeitige-Wartbarkeit. Das bedeutet, dass jede Komponente gewartet werden kann, ohne den Betrieb des Rechenzentrums zu unterbrechen. Dies ist entscheidend für die hohe Verfügbarkeit, die KI-Anwendungen erfordern.
Fakten zur Leistung
- Gesamtanlagenkapazität: 136 MW
- IT-Last: 100 MW
- Netzanschluss: 34,5 kV
- Wartbarkeit: Tier III (gleichzeitige Wartung möglich)
Fluence und die Rolle der Batteriespeicher
Fluence integriert sein Smartstack Batteriespeichersystem in das Design. Dieses System ist dafür zuständig, Netzinstabilitäten zu bewältigen. Dazu gehören Spannungsschwankungen, Frequenzschwankungen, Schwarzstartfähigkeit und die Glättung von Lastspitzen, die bei KI-Workloads auftreten können.
Smartstack ist ein modulares, containerisiertes Batteriespeichersystem. Es kombiniert Lithium-Ionen-Batterien, Stromwandlungssysteme, Wärmemanagement und fortschrittliche Softwaresteuerungen. Die Einheit ist vorgefertigt und als Plug-and-Play-Lösung für den Versorgungs- und kommerziellen Bereich konzipiert.
„Die Smartstack-Plattform bietet kritische Netzunterstützungsfunktionen, einschließlich Lastspitzenmanagement und KI-Lastglättungsdienste“, erklärt Jeff Monday, Chief Growth Officer von Fluence. „Diese Fähigkeiten adressieren einen der operativ anspruchsvollsten Aspekte beim Betrieb dichter KI-Computing-Infrastrukturen in großem Maßstab.“
Hintergrund: Fluence's Wachstum
Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres erreichte Fluence einen Auftragseingang von 2 Milliarden US-Dollar. Das ist doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der Auftragsbestand beläuft sich auf 5,6 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen bestätigte eine Jahresprognose von 3,2 bis 3,4 Milliarden US-Dollar Umsatz.
nVent und das Wärmemanagement
nVent, ein Unternehmen mit über 2 Gigawatt an weltweit installierter Flüssigkeitskühlleistung, wird die Wärmemanagementdienste bereitstellen. Die Integration von nVent-konformen elektrischen Designparametern gewährleistet die Kompatibilität mit Nvidia-Workloads und Systemarchitekturen.
Eine Erweiterung um fortschrittliche Wärmemanagementfunktionen ist in einem zukünftigen Ergänzungsdokument geplant. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, die Kühlung von Hochleistungs-KI-Systemen ständig weiterzuentwickeln.
Sara Zawoyski, Präsidentin von nVent Systems Protection, betont: „Unsere operative Erfahrung ermöglicht es uns, Referenzarchitekturen in einsetzbare thermische Lösungen zu übersetzen, die vom ersten Tag an in diesem Maßstab zuverlässig funktionieren.“
Beschleunigte Bereitstellung und Wirtschaftlichkeit
Vorgefertigte Mittel- und Niederspannungsskids sollen die Bauarbeiten vor Ort reduzieren und die Inbetriebnahmezeiten verkürzen. Diese Funktion ist darauf ausgelegt, dem Druck der Rechenzentrumsbetreiber gerecht zu werden, die eine schnelle Amortisation ihrer Investitionen anstreben, da die Bereitstellung von KI-Infrastruktur immer schneller voranschreitet.
Batteriespeicher können Rechenzentren auf vielfältige Weise unterstützen. Sie können Dieselgeneratoren als Notstromversorgung ersetzen, die Nachfrage glätten, um Spitzennetzkosten zu senken, und es den Einrichtungen ermöglichen, an Netzdienstleistungsmärkten teilzunehmen. All diese Funktionen verbessern sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch das Umweltprofil des Rechenzentrumsbetriebs.
Herausforderungen bei der Integration
Die Gestaltung von Batteriespeichern für KI-Rechenzentren ist jedoch komplex. Anwendungsfälle, Größenanforderungen und Integrationsmodelle entwickeln sich ständig weiter. Die Profile von KI-Workloads und die Netzanschlussbeschränkungen variieren stark zwischen verschiedenen Standorten und Märkten.
Experten diskutieren diese Herausforderungen kontinuierlich. Die schnelle Entwicklung der KI-Infrastruktur komprimiert die Zeitpläne für die Implementierung von Lösungen.
Ausblick und globale Expansion
Fluence hat bereits Master-Lieferverträge mit zwei großen Hyperscalern unterzeichnet und erwartet, den ersten Auftrag von einem dieser Kunden im laufenden Quartal zu verbuchen. Die Ankündigung der Siemens-Referenzarchitektur bietet den technischen Rahmen, durch den diese Beziehungen in umsetzbare Projekte überführt werden können.
Jeff Monday von Fluence prognostizierte bereits, dass die Bereitstellung von Batteriespeichern in Australien schnell an Fahrt gewinnen wird, sobald standardisierte Batteriespeicher-Blaupausen mit Hyperscale-Kunden in den USA fertiggestellt sind. Er beschrieb die Gelegenheit im Rechenzentrumsmarkt für Batteriespeicher als einen „Katapult-Moment“.
Die Nachfrage nach zuverlässigen und effizienten Energielösungen für KI-Rechenzentren wird weiter steigen, was die Bedeutung solcher Kooperationen unterstreicht.





