Die Robotikbranche erlebt eine bedeutende Personalie: Scott LaValley, Gründer des kürzlich geschlossenen Startups Cartwheel Robotics, ist zu Google DeepMind gewechselt. Dort wird er sich auf Robotik und physische KI konzentrieren. Dieser Schritt vereint ihn mit Aaron Saunders, dem ehemaligen CTO von Boston Dynamics, der Ende 2025 als Vizepräsident für Hardware-Entwicklung zu DeepMind kam. Beide sind Pioniere der frühen Tage von Boston Dynamics und ihr Engagement bei DeepMind markiert eine massive Konzentration von Spitzenkräften im Bereich Mechanik und Software unter dem Dach von Alphabet.
Wichtige Punkte
- Scott LaValley, Gründer von Cartwheel Robotics, verstärkt Google DeepMind.
- Er arbeitet dort an Robotik und physischer KI.
- LaValley trifft auf Aaron Saunders, ebenfalls ein ehemaliger Boston Dynamics Experte.
- Der Wechsel signalisiert eine Konsolidierung von Top-Talenten bei DeepMind.
- DeepMind will die Lücke zwischen Simulation und Realität in der Robotik schließen.
Ein Wiedersehen an der Spitze der Robotik
Scott LaValleys Karriere ist geprägt von Stationen in den einflussreichsten Bereichen der Robotik. Er war Teil des Teams bei Boston Dynamics, das die erste Generation dynamischer Humanoide entwickelte. Diese Maschinen setzten neue Maßstäbe in Balance und Bewegung. Später wechselte er zu Disney Imagineering, wo er das Team leitete, das den ausdrucksstarken Baby Groot Roboter entwickelte. Diese Erfahrung prägte seine Philosophie, dass Roboter 'liebenswert' und zugänglich sein sollten – eine Vision, die er mit Cartwheel Robotics umsetzen wollte.
Interessanter Fakt
LaValley war maßgeblich an der Entwicklung der ersten dynamischen Humanoiden bei Boston Dynamics beteiligt, die neue Standards für Bewegung setzten.
Sein Wechsel zu Google DeepMind ist für LaValley eine Rückkehr zu den Wurzeln, wie er auf LinkedIn schrieb:
"In vielerlei Hinsicht fühlt sich dieser Moment an, als würde ich an die Grenze zurückkehren, aber in einem ganz anderen Maßstab."Er betont, dass die schwierigsten Probleme in der Robotik nicht inkrementell gelöst werden können. Sie erfordern tiefgehende KI-Forschung, ernsthafte Infrastruktur, lange Zeiträume und die Bereitschaft, grundlegende Durchbrüche zu erzielen.
Skalierung der physischen KI
LaValleys Ernennung erfolgt nur wenige Wochen nach der Schließung von Cartwheel Robotics. Das Startup musste aufgrund mangelnden Kapitals die Türen schließen. Trotz technischer Meilensteine mit seinem humanoiden Roboter "Yogi" – einschließlich eines KI-gesteuerten "Bewegungssprachmodells", das bemerkenswert flüssige, lebensechte Bewegungen erzeugte – scheiterte das Unternehmen am oft zitierten "Tal des Todes" für hardwarelastige Startups.
Das "Tal des Todes"
Dieser Begriff beschreibt die kritische Phase für Startups, insbesondere im Hardwarebereich, in der es schwierig ist, von der Prototypenentwicklung zur kommerziellen Produktion zu skalieren und die Finanzierung zu sichern.
Bei DeepMind wird LaValley voraussichtlich den "Sauerstoff" finden, den er bei Cartwheel vermisste: nahezu unbegrenztes Kapital und Infrastruktur. Demis Hassabis, CEO von DeepMind, hat sich wiederholt zu seiner Strategie geäußert, das Gemini-KI-Modell zu einem universellen "Betriebssystem" für Roboter zu entwickeln. Während Cartwheels "Yogi" auf emotionale Verbindung und häusliche Gesellschaft ausgelegt war, sind DeepMinds Ambitionen breiter gefächert. Durch die Gewinnung von Spezialisten wie Saunders und LaValley positioniert sich das Labor, um die "Sim-to-Real"-Lücke zu schließen. Das bedeutet, sicherzustellen, dass grundlegende KI-Modelle komplexe, sich verformende und dynamische Hardware in der unvorhersehbaren realen Welt steuern können. Dieses Ziel ist entscheidend für den Fortschritt in der Robotik.
Das aufstrebende Dream-Team
Die Einstellung von LaValley unterstreicht einen klaren Trend: die Konvergenz von High-End-Animationsphysik und fortgeschrittenem maschinellem Lernen. LaValleys Arbeit an ausdrucksstarken Bewegungen bei Disney und Cartwheel spiegelt DeepMinds jüngste Zusammenarbeit mit Disney am Olaf-Roboterprojekt wider. Dort wurde das "Newton"-Simulationsframework genutzt, um Robotern "Squash-and-Stretch"-Animationsprinzipien beizubringen. Dies zeigt, wie die Grenzen zwischen digitaler Animation und physischer Robotik verschwimmen.
Google DeepMind rekrutiert weiterhin Ingenieure, die die bekannteste Hardware der Branche gebaut haben. Das Labor entwickelt sich über die Rolle eines reinen Softwarepartners hinaus. Mit der Expertise hinter dem elektrischen Atlas-Roboter und dem "liebenswerten" Yogi im eigenen Haus baut Google ein Team auf, das in der Lage ist, die nächste Generation von Roboterkörpern zu entwerfen – und die Gehirne zu entwickeln, die sie steuern.
Wichtige Entwicklung
DeepMind arbeitet daran, das Gemini-KI-Modell als "Betriebssystem" für Roboter zu etablieren, um die Lücke zwischen Simulation und Realität zu überbrücken.
Zukunft der Humanoiden
Die Kombination von LaValleys Erfahrung in emotionaler Robotik und der tiefgreifenden KI-Forschung von DeepMind könnte die Entwicklung von Humanoiden maßgeblich beeinflussen. Es geht nicht mehr nur um funktionale Bewegungen, sondern auch um die Fähigkeit der Roboter, auf eine Weise zu interagieren, die für Menschen intuitiv und ansprechend ist. Die Integration von "motion language models" könnte hierbei eine Schlüsselrolle spielen, um Robotern eine natürliche und flüssige Kommunikation durch Bewegung zu ermöglichen. Dies wäre ein großer Schritt in Richtung alltagstauglicher Roboter, die sich nahtlos in unser Leben einfügen können.
- Emotionale Robotik: LaValleys Hintergrund bei Disney und Cartwheel bringt eine einzigartige Perspektive auf die Schaffung von Robotern mit, die menschliche Emotionen ansprechen können.
- Fortschrittliche Simulation: DeepMinds Fähigkeiten in der Simulation sind entscheidend, um KI-Modelle in einer sicheren Umgebung zu trainieren, bevor sie in die reale Welt übertragen werden.
- Hardware- und Software-Integration: Die Zusammenführung von Hardware- und Software-Experten unter einem Dach ist entscheidend, um ganzheitliche Robotik-Lösungen zu entwickeln.
Die Synergien aus diesen Bereichen versprechen, die Robotik in den kommenden Jahren grundlegend zu verändern. Google DeepMind positioniert sich damit als führender Akteur in der Entwicklung der nächsten Generation autonomer Systeme.





