Das südkoreanische Startup Robros hat einen entscheidenden Schritt in der Robotik vollzogen: Die Teleoperation seines Humanoiden IGRIS-C umfasst nun den gesamten Körper. Dies bedeutet, dass ein menschlicher Bediener die Bewegungen des Roboters in Echtzeit von Kopf bis Fuß steuern kann, anstatt sich nur auf Armbewegungen zu beschränken. Diese Entwicklung könnte die Einsatzmöglichkeiten von Humanoiden in industriellen Umgebungen erheblich erweitern.
Wichtige Erkenntnisse
- Robros demonstriert Echtzeit-Ganzkörper-Teleoperation des IGRIS-C Humanoiden.
- Die Steuerung umfasst jetzt koordinierte Bewegungen, Haltung und den Unterkörper.
- Bislang wurden 18 Roboter verkauft und 36 Einheiten produziert.
- Bezahlte Industrieprüfungen laufen in Bereichen wie Halbleiter, Automobil und Logistik.
- Die Technologie bietet Potenzial für komplexere Aufgaben, ohne jedoch autonome Leistung zu beweisen.
Ganzkörpersteuerung revolutioniert Robotereinsatz
Die jüngste Demonstration von Robros zeigt, wie ein Bediener mit einem Headset die Bewegungen des IGRIS-C Humanoiden in Echtzeit steuert. Dies geht über die bisherige Steuerung des Oberkörpers hinaus und ermöglicht nun die Koordination von Haltung und Bewegungen des gesamten Körpers. Der Roboter kann sich bücken, drehen, Kisten handhaben, Sandsäcke schlagen und sogar Bälle treten – alles unter direkter menschlicher Anleitung.
Diese erweiterte Kontrolle ist für industrielle Anwendungen besonders relevant. Viele Aufgaben erfordern das Zusammenspiel von Beinen, Rumpf und Armen, um zum Beispiel ein Bauteil zu erreichen oder ein Objekt zu bewegen. Eine Ganzkörper-Teleoperation könnte es Bedienern ermöglichen, komplexere Situationen zu meistern, die von einer festen Position aus schwer zu handhaben wären.
„Unser System koordiniert die Haltung und das Gleichgewicht des Roboters, während er dem Bediener folgt“, erklärt Robros in seiner Ankündigung. „Dies ist ein entscheidender Fortschritt für die praktische Anwendbarkeit von Humanoiden.“
Fakten zum IGRIS-C
- Größe: 154 cm
- Gewicht: 56 kg (Produktdatenblatt) bis 60 kg (Entwicklerdokumentation)
- Nutzlast (zwei Arme): 6 kg
- Endeffektoren: Austauschbar, inklusive Fünf-Finger-Hand und spezialisierten Greifern
Kommerzielle Aktivitäten und Industrieprüfungen
Robros, gegründet 2020 in Seoul, versteht sich als Komplettanbieter für humanoide Systeme, von der Hardware über die Steuerungssoftware bis zur KI. Das Unternehmen mit über 50 Mitarbeitern hat bereits erste kommerzielle Erfolge erzielt. Insgesamt wurden 18 IGRIS-C Einheiten verkauft und 36 Roboter produziert. Die restlichen Einheiten dienen der internen Entwicklung, Demonstrationen und Kundentests.
Die Kunden kommen aus den Bereichen Halbleiterfertigung, Automobilindustrie und Logistik. Geplante Testläufe umfassen anspruchsvolle Umgebungen wie Reinräume und gekühlte Distributionszentren. Diese bezahlten Verträge verleihen der Entwicklung von Robros Substanz, belegen jedoch noch nicht die langfristige, produktive Einsatzfähigkeit der Roboter im industriellen Alltag.
Herausforderungen in der Praxis
Während die Teleoperation beeindruckend ist, bleibt die Frage der autonomen Leistung und der dauerhaften industriellen Produktivität offen. Die aktuelle Demonstration zeigt eine vom Menschen gesteuerte Kontrolle, nicht die Fähigkeit des Roboters, Aufgaben eigenständig zu entscheiden und auszuführen. Es gibt keine Messwerte zu Autonomie, Aufgabenerfolg oder Produktionsdurchsatz. Auch die Zuverlässigkeit des Systems über eine ganze Industrieschicht hinweg muss noch bewiesen werden.
Südkoreas Ambitionen in der Humanoiden-Robotik
Die Fortschritte von Robros fügen sich in Südkoreas umfassendere Strategie ein, eine starke heimische Humanoiden-Industrie aufzubauen. Die Regierung hat angekündigt, bis 2030 rund 2,3 Billionen KRW (etwa 1,6 Milliarden Euro) in das Humanoiden-Ökosystem zu investieren. Dies beinhaltet die Entwicklung von Komponenten und die öffentliche Beschaffung. Das offizielle Ziel ist es, den Anteil heimischer Kernkomponenten von 45% auf 80% zu erhöhen.
Experten wie Oh Sang-rok, Präsident des KIST, sehen Südkorea als potenzielle dritte Großmacht in der Humanoiden-Robotik, neben den USA und China. Robros ist ein Beispiel für die Startup-Aktivitäten, die diese nationalen Bemühungen ergänzen.
Nächste Schritte: Was die Kundentests zeigen müssen
Für Robros wird es entscheidend sein, was die laufenden Kundentests ergeben. Der Fokus liegt auf der Fähigkeit des IGRIS-C, wiederholbare und nützliche Aufgaben zu erledigen, den Bedieneraufwand überschaubar zu halten und eine Leistung zu erbringen, die den realen Bedingungen eines Arbeitsplatzes standhält. Nur so kann sich die Technologie langfristig in der Industrie etablieren.
Die Erweiterung der Teleoperation auf den gesamten Körper ist ein großer Schritt. Sie zeigt das Potenzial von Humanoiden, komplexe physische Aufgaben unter menschlicher Aufsicht auszuführen. Der Weg zur vollständigen Autonomie und breiten industriellen Einführung ist jedoch noch lang und erfordert weitere Beweise für Zuverlässigkeit und Effizienz in realen Umgebungen.





