Faraday Future hat sein Robotik-Portfolio erheblich ausgebaut. Das Unternehmen stellte am 19. September neun Roboterkonfigurationen in fünf Modellen vor. Die Preise reichen von 9.990 US-Dollar bis zu 137.900 US-Dollar. Faraday Future gibt an, dass alle Modelle sofort zum Verkauf und zur Auslieferung bereitstehen.
Die Einführung umfasst humanoide Roboter, Quadrupeden und Rad-Bein-Roboter. Ein besonderer Fokus liegt auf dem neuen Master Mini, einem kompakten Humanoiden für Bildung und Robotersport, der zu einem Einstiegspreis von 9.990 US-Dollar angeboten wird. Dieser Schritt zeigt eine klare Strategie, Roboter zusammen mit Software- und Anwendungspaketen unter eigener Marke zu vertreiben.
Wichtige Punkte
- Faraday Future bietet neun Roboterkonfigurationen in fünf Modellen an.
- Preise starten bei 9.990 US-Dollar für den Master Mini.
- Das Angebot umfasst Humanoiden, Quadrupeden und Rad-Bein-Roboter.
- Roboter werden gebündelt mit Software und Dienstleistungspaketen verkauft.
- Die Hardware stammt von externen Lieferanten wie Booster und AGIBOT.
Ein breiteres Portfolio für diverse Anwendungen
Faraday Future zielt mit seiner erweiterten Produktpalette auf verschiedene Märkte ab. Schulen, Universitäten, Sicherheitsdienste und industrielle Inspektionskunden gehören zu den primären Zielgruppen. Diese Diversifizierung ermöglicht es dem Unternehmen, ein breiteres Spektrum an Bedürfnissen abzudecken.
Der neue Master Mini ist ein etwa 95 Zentimeter großer und 19,5 Kilogramm schwerer Roboter. Er ist speziell für Programmierkurse, offene Entwicklung und Robotersport konzipiert. Seine Spezifikationen und die Erwähnung von Booster-Software deuten darauf hin, dass er auf der Booster K1-Plattform basiert.
Faktencheck
- Der Master Mini wiegt 19,5 kg und ist 95 cm groß.
- Er verfügt über 22 Freiheitsgrade.
- Der Futurist Standard/Ultra hat 51 aktive Freiheitsgrade, mit Upgrade 71.
- Der Futurist Ultra erreicht 700 TOPS Rechenleistung.
Die Produktseite des Master Mini nennt explizit Booster und ROS 2 SDKs, Booster Gym Trainingswerkzeuge und einen Booster Controller. Diese Details sind starke Indikatoren für eine Zusammenarbeit mit Booster, obwohl Faraday Future dies in der offiziellen Pressemitteilung nicht explizit erwähnt.
Hardware von bekannten Zulieferern
Die Erweiterung des Angebots von Faraday Future basiert nicht ausschließlich auf Eigenentwicklungen. Vielmehr nutzt das Unternehmen Hardware von Drittanbietern. Neben Booster wird auch AGIBOT als Zulieferer vermutet. Der All-New Futurist von Faraday Future zeigt beispielsweise starke Ähnlichkeiten mit dem AGIBOT A3.
Beide Modelle weisen ein ähnliches Kopf-, Rumpf- und Gliedmaßendesign auf. Sie sind 173 Zentimeter groß und verfügen über ein 1.152 Wh Dual-Batteriesystem. Das Gewicht des Futurist liegt bei 54 Kilogramm, während der A3 von AGIBOT 55 Kilogramm wiegt. Diese Übereinstimmungen legen nahe, dass der All-New Futurist auf der A3-Plattform aufbaut.
Hintergrundinformationen
Das Konzept des White-Labeling ist in der Robotik-Branche weit verbreitet. Unternehmen wie Faraday Future kaufen Roboterhardware von spezialisierten Herstellern und vertreiben diese unter ihrer eigenen Marke. Sie fügen dann ihre eigene Software, Dienstleistungen und Markenidentität hinzu. Dies ermöglicht eine schnellere Markteinführung und Konzentration auf Software- und Lösungsentwicklung.
Faraday Future hatte bereits bei seinem Robotik-Debüt auf White-Label-Hardware von AGIBOT zurückgegriffen. Die aktuelle Erweiterung des Portfolios zeigt, dass dieser Ansatz beibehalten und ausgebaut wird. Dies ermöglicht es dem Unternehmen, schnell eine breite Produktpalette anzubieten, ohne alle Komponenten selbst entwickeln zu müssen.
Die Kosten und verfügbaren Modelle
Die Preise für die neuen Roboter variieren stark je nach Modell und Konfiguration. Die angebotenen Preise beinhalten sogenannte „Skills Packages“, deren Werte von Faraday Future festgelegt werden. Die Preisgestaltung ist ein zentraler Bestandteil der Verkaufsstrategie.
- Master Mini / Pro / Ultra: 9.990 / 12.990 / 17.990 US-Dollar. Diese Modelle sind für Bildung, Entwicklung und Robotersport gedacht.
- All-New Futurist Standard / Ultra: 89.900 / 129.900 US-Dollar. Dies sind humanoide Roboter für Forschung und professionelle Anwendungen.
- Aegis Hyper: 137.900 US-Dollar. Ein schwerer industrieller Quadruped für gefährliche Umgebungen.
- Aegis Mega A / D: Startpreise ab 74.990 US-Dollar. Industrielle Rad-Bein-Roboter.
- Aegis Ultra-W: 12.990 US-Dollar. Ein leichter Rad-Bein-Roboter für Sicherheit und Entwicklung.
Der All-New Futurist verfügt über 51 aktive Freiheitsgrade, die mit einer verbesserten Konfiguration der geschickten Hände auf 71 erhöht werden können. Faraday Future gibt eine Betriebszeit von etwa acht Stunden unter Standardbedingungen an, basierend auf einem 1.152 Wh Dual-Batteriesystem. Die Ultra-Version des Futurist nutzt NVIDIA Jetson Thor und ist für 700 TOPS ausgelegt.
„Unser Ziel ist es, nicht nur Roboter, sondern komplette Lösungen anzubieten, die sofort einsatzbereit sind und echten Mehrwert schaffen“, so ein Sprecher von Faraday Future.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Spezifikationen Herstellerangaben sind und nicht unabhängig getestet wurden. Die Shop-Seite von Faraday Future listet derzeit für den Futurist 31 Freiheitsgrade und sechs Stunden Steh- oder vier Stunden kontinuierliche Gehzeit. Die Diskrepanz zwischen Pressemitteilung und Shop-Seite wird nicht erklärt.
Das Geschäftsmodell: Roboter als Paketlösung
Faraday Futures Geschäftsmodell geht über den reinen Verkauf von Robotern hinaus. Das Unternehmen setzt auf umfassende Paketlösungen, die Hardware, Software, Lehrmaterialien und Dienstleistungen umfassen. Dies ist besonders im Bildungsbereich sichtbar.
Das Bildungsangebot kombiniert Roboter mit Lehrmaterialien für Blockly, Python und ROS, sowie Lehrerschulungen und Tools für das Klassenzimmermanagement. Für Forschungszwecke verspricht das Unternehmen eine gemeinsame Entwicklungsumgebung, die Simulation, Datenerfassung, Modelltraining und den Einsatz über verschiedene Robotertypen hinweg abdeckt.
Sicherheits- und Inspektionspakete bieten Flottenmanagement und aufgabenspezifische Funktionen. Dazu gehören thermische Sensorik, Zählerablesung und Gaserfassung. Faraday Future bietet die Hardware allein an, die Hardware mit einem Skills Package oder eine komplette Anwendungslösung.
Das „EAI Brain“ als Kernstück
Die zugrunde liegende Vision ist ein gemeinsames „EAI Brain“, das verschiedene Roboterkörper unterstützt. Daten aus dem Einsatz sollen in die Entwicklung von Modellen und Fähigkeiten zurückfließen. Die entscheidende Frage ist, ob Faraday Future eine nützliche Integration, Unterstützung und Software auf der Basis der zugekauften Hardware liefern kann.
Ein breiterer Produktkatalog allein beweist nicht, dass eine gemeinsame Intelligenz zuverlässig zwischen diesen Plattformen übertragen werden kann. Für Käufer wird es entscheidend sein, den langfristigen Einsatz der Roboter zu beobachten. Es geht darum, welche Fähigkeiten die gebündelten Pakete tatsächlich bieten, wie viel Einrichtung und Überwachung sie erfordern und ob die Dienstleistungen von Faraday Future den Einsatz dieser Roboter einfacher machen als der Kauf direkt von den ursprünglichen Lieferanten.





