Eine aktuelle Studie des schwedischen Technologiekonzerns Hexagon zeigt: Die Akzeptanz von Robotern steigt, je öfter Menschen mit ihnen in Kontakt kommen. Dort, wo Roboter im Alltag sichtbar sind, ist die Sorge vor ihnen deutlich geringer. Dies deutet darauf hin, dass die sogenannte „Roboter-Angst“ weniger mit der Technologie selbst als vielmehr mit mangelnder Vertrautheit zusammenhängt.
Wichtige Erkenntnisse
- In Ländern mit hoher Robotersichtbarkeit, wie China, ist die Begeisterung groß und die Angst gering.
- In Ländern mit geringer Roboterdichte, wie Großbritannien, ist die Skepsis hoch.
- Sicherheitsbedenken und die Angst vor Hacking übertreffen die Sorge um den Arbeitsplatzverlust.
- Die Akzeptanz von Robotern hängt stark vom Einsatzbereich ab.
Vertrautheit schafft Vertrauen
Die „Robot Generation“-Studie von Hexagon befragte 18.000 Menschen in neun verschiedenen Ländern. Sie zeigt ein klares Bild: Die Sichtbarkeit von Robotern im Alltag beeinflusst maßgeblich die öffentliche Wahrnehmung. In China haben 75 Prozent der Erwachsenen bereits Roboter im realen Leben gesehen oder genutzt. Dort äußern sich 81 Prozent der Befragten begeistert über die Technologie.
Im Gegensatz dazu haben in Großbritannien nur 30 Prozent der Erwachsenen persönliche Erfahrungen mit Robotern gemacht. Hier äußern 52 Prozent der Befragten die Sorge, dass bei einer Interaktion mit Robotern „etwas schiefgehen könnte“. Diese Zahlen belegen einen direkten Zusammenhang zwischen der Vertrautheit mit Robotern und dem Vertrauen in die Technologie.
„Vertrautheit reduziert Angst“, erklärt Dr. Blay Whitby, ein Technologieethiker, der in dem Bericht zitiert wird. Dies gelte besonders für die Wahrnehmung von Software im Vergleich zu physischen Robotern.
Software vs. Hardware: Ein Unterschied in der Wahrnehmung
Interessanterweise nutzen in Großbritannien 61 Prozent der Erwachsenen regelmäßig Künstliche Intelligenz (KI) und 56 Prozent sehen Chatbots als „Roboter“ an. Dennoch steigt die Angst deutlich, sobald die KI eine physische, mobile Form annimmt. Dies unterstreicht, dass die Skepsis nicht der KI an sich gilt, sondern der physischen Manifestation.
Fakten zur Roboter-Angst
- In Großbritannien haben nur 30% der Erwachsenen einen Roboter gesehen.
- 52% der Briten befürchten Probleme bei der Interaktion mit Robotern.
- In China sind 81% der Befragten begeistert von Robotern.
Neue Ängste: Sicherheit vor Arbeitsplatzverlust
Ein überraschendes Ergebnis der Studie ist die Verschiebung der Hauptsorgen. Lange Zeit dominierte die Angst, dass Roboter Arbeitsplätze ersetzen würden. Die aktuelle Umfrage zeigt jedoch, dass Hacking und Sicherheitsbedenken (51 Prozent) die Sorge vor Arbeitsplatzverlust (41 Prozent) überholt haben.
Diese Veränderung deutet darauf hin, dass die Öffentlichkeit Roboter zunehmend als vernetzte industrielle Geräte und weniger als existenzielle Bedrohung betrachtet. Die Angst ist nicht mehr nur der Verlust des Einkommens, sondern die Möglichkeit, dass ein Angreifer die Kontrolle über den Roboter übernimmt.
Top-Barrieren für die Roboterakzeptanz
Prozentsatz der befragten Erwachsenen, die besorgt sind:
- Roboter könnten gehackt/missbraucht werden: 51%
- Roboter könnten fehlerhaft sein/Schaden anrichten: 41%
- Roboter werden Menschen bei der Arbeit ersetzen: 41%
- Roboter werden Menschen faul machen: 31%
- Mangelndes Vertrauen im Vergleich zu Menschen: 26%
Kontext ist entscheidend für Akzeptanz
Die Studie zeigt auch, dass die Akzeptanz von Robotern stark vom Einsatzbereich abhängt. Menschen fühlen sich mit Robotern in Fabriken und Lagerhallen deutlich wohler (63 Prozent Komfortniveau) als in Privathaushalten (46 Prozent) oder Klassenzimmern (39 Prozent).
In industriellen Umgebungen ist der Zweck der Maschine klar definiert und Sicherheitsstandards sind bekannt. Dies passt zur aktuellen Strategie der Industrie, die sich auf kontrollierte Umgebungen konzentriert. Ein Beispiel hierfür ist der Einsatz des Hexagon AEON Humanoiden im BMW-Werk Leipzig, wo er bei der Batteriemontage unterstützt.
Der Weg nach vorn: Angemessenes Vertrauen
Burkhard Boeckem, CTO von Hexagon, betont, dass der Aufbau von Vertrauen „Sichtbarkeit, Zweck und Kontrolle“ erfordert. Der Bericht legt nahe, dass die abstrakte Angst vor einer „Roboter-Übernahme“ verschwindet, wenn Menschen Roboter sicher und effektiv an der Seite von Menschen sehen, die praktische Probleme lösen.
„Angemessenes Vertrauen entsteht, wenn die Öffentlichkeit den spezifischen Zweck und die Grenzen robotischer Systeme versteht“, so Burkhard Boeckem.
Die Verantwortung liegt jedoch bei Ingenieuren und Wissenschaftlern, transparent zu sein. Wenn die Industrie nicht erklärt, warum diese Technologien existieren, wird ein „Gegen-Narrativ“ der Angst das Vakuum füllen, wie Michael Szollosy, ein Forschungsstipendiat für Robotik, in der Studie anmerkt.
Für Hexagon, ein Unternehmen mit einem Nettoumsatz von rund 5,4 Milliarden Euro und einem wachsenden Engagement im Humanoiden-Wettlauf, ist diese Forschung mehr als nur eine PR-Übung. Sie ist ein Fahrplan für den Einsatz. Um den AEON-Humanoiden in europäischen Fabriken zu etablieren, muss das Unternehmen sicherstellen, dass die „Roboter-Generation“ das Gefühl hat, die Kontrolle zu behalten.





