Noble Machines, ein Startup aus Sunnyvale, hat heute seine ersten kommerziellen humanoiden Roboter vorgestellt. Diese Maschinen sind speziell für anspruchsvolle Aufgaben in der Bau-, Bergbau- und Energiebranche konzipiert. Das Unternehmen, das zuvor als Under Control Robotics (UCR) bekannt war, setzt auf robuste Bauweise und eine spezielle "Physical AI" anstatt auf menschenähnliche Ästhetik.
Wichtige Erkenntnisse
- Noble Machines konzentriert sich auf robuste Humanoiden für Schwerindustrie.
- Die Roboter können bis zu 27 kg heben und haben eine Akkulaufzeit von 5 Stunden.
- Die "Whole-Body"-KI ermöglicht schnelles Erlernen neuer Aufgaben.
- Das Unternehmen arbeitet mit ADLINK, Solomon und Schaeffler zusammen.
- Der Einsatz erfolgt in "4D-Jobs": stumpf, schmutzig, gefährlich und rückläufig.
Ein neuer Ansatz für Industrieroboter
Noble Machines betritt einen Markt, der zunehmend von humanoiden Robotern geprägt ist. Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern, die menschenähnliche Bewegungen und taktile Haut betonen, verfolgt Noble Machines einen pragmatischen Ansatz. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Leistung, die für industrielle Anwendungen unerlässlich ist. Ziel ist es, Werkzeuge zu schaffen, die den harten Bedingungen in Branchen wie Bauwesen und Bergbau standhalten.
Die Gründer von Noble Machines stammen von bekannten Unternehmen und Institutionen wie SpaceX, Apple, NASA und Caltech. Sie starteten das Unternehmen im Jahr 2024. Die Umbenennung von Under Control Robotics (UCR) zu Noble Machines markiert den Übergang von der experimentellen Entwicklung zur kommerziellen Skalierung.
Faktencheck: Noble Machines Roboter
- Tragfähigkeit: Bis zu 27 kg (50 Pfund)
- Akkulaufzeit: 5 Stunden pro Ladung
- Mobilität: Optimiert für Treppen, Gerüste und unebenes Gelände
- Steuerung: Eine einzige NVIDIA Jetson Orin Edge AI-Einheit
Hardware für anspruchsvolle Umgebungen
Die Roboterplattform von Noble Machines ist speziell für sogenannte "4D-Jobs" entwickelt worden. Diese Aufgaben sind oft stumpf, schmutzig, gefährlich und in Bezug auf menschliche Arbeitskräfte rückläufig. Beispiele hierfür sind Materialtransport auf Baustellen oder Inspektionsarbeiten in gefährlichen Umgebungen.
Die Entwickler haben bewusst auf hohe Gehgeschwindigkeiten oder filigrane Ästhetik verzichtet. Stattdessen liegt der Fokus auf Robustheit und Funktionalität. Die Roboter können Lasten von bis zu 27 Kilogramm tragen. Ihre Akkulaufzeit beträgt fünf Stunden, angetrieben von einer NVIDIA Jetson Orin Edge AI-Einheit. Dies ist entscheidend für den Einsatz in Umgebungen, in denen ein häufiges Aufladen nicht praktikabel ist.
"Unsere Mission ist es, all die gefährlichen, körperlich anspruchsvollen Industrieaufgaben zu bewältigen, die die Welt am Laufen halten", sagte Wei Ding, Mitbegründer und CEO von Noble Machines.
Navigation in komplexen Umgebungen
Ein weiteres Merkmal der Noble-Plattform ist ihre Fähigkeit, sich in komplexen und unstrukturierten Umgebungen zu bewegen. Sie sind für Treppen, Gerüste und unebenes Gelände optimiert, nicht für glatte Laborböden. Diese adaptive Mobilität ist entscheidend für den Einsatz in realen industriellen Settings.
Hintergrund: "Physical AI"
"Physical AI" bezieht sich auf Künstliche Intelligenz, die speziell für die Interaktion mit der physischen Welt entwickelt wurde. Dies beinhaltet die Fähigkeit, Objekte zu manipulieren, sich in komplexen Umgebungen zu bewegen und auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren. Im Gegensatz zu reiner Software-KI erfordert Physical AI eine enge Integration von Hardware, Sensoren und fortschrittlichen Kontrollalgorithmen.
Künstliche Intelligenz für schnelle Anpassung
Das Herzstück der Technologie von Noble Machines ist eine KI-gesteuerte Ganzkörpersteuerung. Das Unternehmen gibt an, dass seine Roboter neue Fähigkeiten in Stunden statt in Monaten erlernen können. Dies geschieht durch eine Kombination aus sprachbasierten Anweisungen und physischen Demonstrationen.
Die technische Dokumentation aus der UCR-Ära zeigt eine ausgeklügelte Trainingspipeline, die auf der NVIDIA Isaac-Plattform basiert. Durch die Verwendung eines "Real2Sim"- und "Sim2Real"-Loops erreicht Noble Machines eine hohe Erfolgsquote von 95 % bei der Übertragung von maschinellen Lernmodellen von der Simulation auf die physische Hardware. Diese Methode ermöglicht es dem Roboter, Geländegeometrie und Nutzlastmasse autonom zu identifizieren, ohne dass explizite manuelle Parameter erforderlich sind.
Zusammenarbeit mit Menschen
Die Roboter von Noble Machines sind für die Zusammenarbeit mit menschlichen Teams in anspruchsvollen Industrieumgebungen konzipiert. Die Philosophie des Unternehmens priorisiert die anwendungsbezogene Leistung gegenüber der Nachahmung menschenähnlicher Bewegungen. Obwohl menschenähnliche Bewegungen – wie ein seitliches Schwanken des Oberkörpers – manchmal als natürliche Folge der Optimierung der Energieeffizienz auftreten, sind sie nicht das primäre Ziel.
Die ersten Einheiten wurden bereits ausgeliefert, und Noble Machines präsentiert sich diese Woche auf der NVIDIA GTC. Das Unternehmen tritt in einen Wettbewerb ein, bei dem nicht der "menschlichste" Roboter gewinnen wird, sondern derjenige, der eine Doppelschicht auf einer Baustelle übersteht und zuverlässig funktioniert. Noble Machines reiht sich damit in eine wachsende Liste von Startups ein, die beweisen wollen, dass "Physical AI" bereit für die reale Welt ist.
- Partnerschaften: ADLINK, Solomon, Schaeffler
- Technologie: NVIDIA Isaac Plattform, Real2Sim/Sim2Real-Loop
- Einsatzbereiche: Bau, Bergbau, Energie





