Minerva Humanoids hat sich aus der Deckung begeben und rund 10 Millionen US-Dollar an Startkapital erhalten, um 'Roger' zu entwickeln. Dieser humanoide Roboter soll es Spezialisten ermöglichen, gefährliche Arbeiten aus sicherer Entfernung auszuführen. Das Unternehmen zielt auf Einsätze in der Öl- und Gasindustrie sowie im Bereich der öffentlichen Sicherheit ab, einschließlich der Entschärfung von Sprengkörpern und der Reaktion auf Gefahrstoffe.
Wichtige Erkenntnisse
- Minerva hat 10 Millionen US-Dollar Startkapital erhalten.
- Der Roboter Roger soll gefährliche Arbeiten aus der Ferne ermöglichen.
- Erste Pilotprojekte in der Öl- und Gasindustrie sind für Herbst 2026 geplant.
- Roger nutzt geteilte Autonomie: Mensch steuert kritische Aktionen, KI übernimmt Balance und Navigation.
- Die Produktion soll in Deutschland und den USA erfolgen.
Roger: Eine neue Ära für gefährliche Einsätze
Der humanoide Roboter Roger stellt einen entscheidenden Fortschritt dar, um Menschen aus Risikozonen fernzuhalten. Er ist speziell dafür konzipiert, Aufgaben in Umgebungen zu übernehmen, die für Menschen zu gefährlich wären. Dazu gehören nicht nur Öl- und Gasanlagen, sondern auch Szenarien wie die Entschärfung von Sprengsätzen.
Das Konzept von Minerva Humanoids basiert auf einer intelligenten Kombination aus menschlicher Kontrolle und künstlicher Intelligenz. Ein Spezialist steuert die kritischen Aktionen des Roboters aus der Ferne, während die integrierte KI für Bewegung, Balance und Navigation zuständig ist. Diese geteilte Autonomie soll höchste Sicherheit und Präzision gewährleisten.
Faktencheck
- Finanzierung: Minerva Humanoids sicherte sich rund 10 Millionen US-Dollar in einer Pre-Seed-Runde.
- Führende Investoren: General Catalyst, Long Journey Ventures und Credo Ventures.
- Zielmärkte: Öl- und Gasindustrie, öffentliche Sicherheit (Sprengstoffentschärfung, Gefahrstoffmanagement).
- Entwicklungszeit: Vom Design im März 2026 zum lauffähigen Prototyp im August 2026.
Menschliche Intelligenz trifft auf Robotik
Sandor Felber, Mitbegründer und CEO von Minerva, betonte in einem Gespräch die klare Aufgabenverteilung. Er erklärte, dass die hohe Intelligenz vom menschlichen Bediener kommt. Die integrierte KI sorgt dafür, dass Roger das Gleichgewicht hält, sicher läuft und die vom Bediener vorgegebenen Bewegungen ausführt.
"Die hohe Intelligenz ist der Mensch, der Bediener", sagte Sandor Felber.
Bediener nutzen ein VR-Headset, um durch Rogers Kameras zu sehen und Manipulationen zu steuern. Das hauseigene Kontrollsystem, Minerva Intelligence, kümmert sich um Balance, Sturz-Wiederherstellung und Navigation zu vom Bediener ausgewählten Wegpunkten. Diese Trennung der Aufgaben ist entscheidend für die Effizienz und Sicherheit des Systems.
Sicherheit und Konnektivität im Fokus
Angesprochen auf einen möglichen Kommunikationsabbruch hob Felber die Wahl eines cyber-sicheren Teleoperationssystems hervor. Sollte die Verbindung verloren gehen, kann Roger eine sichere Haltung einnehmen. Eine autonome Rückkehr zur Basis ist noch in Entwicklung, aber die Priorität liegt auf der Sicherheit des Roboters und der Umgebung.
Hintergrund
Minerva Humanoids wurde 2025 von Sandor Felber und CTO Maurice Rahme gegründet. Felber arbeitete zuvor am Tesla Optimus-Programm und an der Humanoiden-Forschung am MIT CSAIL. Rahme verbrachte sechs Jahre bei Boston Dynamics, unter anderem als technischer Leiter für Stretch. Diese Expertise bildet eine solide Grundlage für die Entwicklung von Roger.
Anwendungsbereiche und zukünftige Pläne
Roger ist für eine Vielzahl gefährlicher Aufgaben konzipiert. In Öl- und Gasanlagen soll er Ventile bedienen, Hebel umlegen und Knöpfe drücken. Im Bereich der öffentlichen Sicherheit könnte er einem Spezialisten ermöglichen, verdächtige Rucksäcke oder Drohnen an Flughäfen aus der Ferne zu untersuchen und die Bedrohung einzuschätzen.
Der Vorteil eines Humanoiden liegt im Zugang zu Räumen und Geräten, die bereits für Menschen konzipiert sind. Dies, kombiniert mit der Fähigkeit zur beidhändigen Manipulation, macht Roger zu einem vielseitigen Werkzeug in kritischen Situationen.
Produktion in Deutschland und den USA
Die Software- und KI-Entwicklung findet hauptsächlich in den USA statt. Die Herstellung und Montage der Prototypen erfolgt jedoch in Sindelfingen, in der Nähe von Stuttgart. Das Unternehmen plant die Produktion sowohl in Deutschland als auch in den USA. Felber nannte die Präzisionsfertigungszulieferer in Süddeutschland als Hauptgrund für die Wahl des Standorts für die Hardware-Arbeiten.
- Software & KI: USA
- Prototypen-Fertigung: Sindelfingen, Deutschland
- Zukünftige Produktion: Deutschland und USA
Herausforderungen und nächste Schritte
Felber betonte, dass Minerva derzeit nicht primär auf Kosten optimiert, sondern auf die bestmögliche Technologie für gefährliche Arbeiten setzt. Der aktuelle Roboter ist ein Prototyp. Die Robustheit gegenüber Staub und Salznebel sowie der Schutz der Elektronik sind Bereiche, die noch weiterentwickelt werden müssen.
Die Datenerfassung in gefährlichen Umgebungen ist schwierig, aber der Bedarf, Menschen aus diesen Gefahren zu entfernen, ist bereits vorhanden. Die Beibehaltung der menschlichen Kontrolle bei kritischen Entscheidungen ist ein zentraler Bestandteil des Ansatzes des Unternehmens, insbesondere bei Aufgaben, bei denen eine falsche Aktion eine Explosion auslösen könnte.
Pilotprojekte und Forschungspartnerschaften
Minerva plant erste bezahlte Pilotprojekte in der Öl- und Gasindustrie für Herbst 2026. Das Ziel ist, diese Pilotprojekte bis 2027 in operative Dienstleistungsverträge umzuwandeln. Das Unternehmen hat bereits vor Ort Tests durchgeführt und prüft Einsätze an zwei der zehn verkehrsreichsten Flughäfen der Welt.
Forschungspartnerschaften bestehen mit MBZUAI für Energieanwendungen und der University of Waterloo für die Wahrnehmung unter schwierigen Bedingungen wie Rauch, Dunkelheit und Sensorausfall. Diese Aktivitäten legen den Grundstein für eine breitere kommerzielle Einführung und zeigen, dass Roger die Fähigkeiten von Spezialisten zuverlässig in gefährliche Umgebungen übertragen kann.





