Die LG Group verfolgt eine strategische Neuausrichtung, um eine führende Rolle im aufstrebenden Markt für humanoide Roboter einzunehmen. Das Unternehmen koordiniert seine verschiedenen Tochtergesellschaften, um integrierte Subsystem-Pakete anzubieten, anstatt einzelne Komponenten. Dieser Ansatz, der als „One LG“-Strategie bekannt ist, zielt darauf ab, die hohen Produktionskosten humanoider Roboter zu senken und eine umfassende Lieferkette zu etablieren. LG möchte sich als fundamentaler Zulieferer für die gesamte Branche positionieren.
Wichtige Erkenntnisse
- LG setzt auf eine „One LG“-Strategie, um integrierte Komponentenpakete für humanoide Roboter anzubieten.
- Aktuatoren, Batterien und Sensorikmodule sind die Kernkomponenten, die LG massenproduzieren will.
- LG Electronics plant die Massenproduktion von Axium-Aktuatoren bis Ende 2026.
- LG Energy Solution entwickelt spezielle Festkörperbatterien für humanoide Roboter.
- LG Innotek beliefert bereits Boston Dynamics mit Sensorikmodulen.
LG Electronics treibt Aktuator-Produktion voran
Ein zentraler Bestandteil der LG-Strategie sind Aktuatoren. Diese Motoren und Getriebe, die Bewegungen ermöglichen, machen typischerweise 40% bis 60% der Gesamtkosten eines humanoiden Roboters aus. LG Electronics führt diese Entwicklung mit seiner Axium-Aktuatorlinie an. Lyu Jae-cheol, der CEO von LG Electronics, bestätigte kürzlich, dass das Unternehmen bis Ende 2026 die Massenproduktionskapazität für Axium erreichen will.
LG nutzt seine umfangreiche Infrastruktur aus der Haushaltsgeräteproduktion. Aktuell werden jährlich rund 45 Millionen Motoren hergestellt. Diese Skaleneffekte ermöglichen es LG, Kosten zu senken, was kleineren Robotik-Startups oft fehlt. Diese Hardware-Basis ist zudem ein wichtiger Pfeiler der nationalen südkoreanischen „One-Team“-Strategie, die darauf abzielt, bis zum Ende des Jahrzehnts eine führende Position im Bereich der „Physical AI“ zu sichern.
Faktencheck: Aktuatoren
Aktuatoren sind die Muskeln von Robotern. Sie wandeln elektrische Energie in mechanische Bewegung um. Bei humanoiden Robotern sind sie entscheidend für flüssige und präzise Bewegungen, was sie zu einem der teuersten Bauteile macht.
Energielösungen der nächsten Generation: Festkörperbatterien
Während Aktuatoren für die Bewegung sorgen, konzentriert sich LG Energy Solution auf die Energieversorgung und Ausdauer der Roboter. Auf der InterBattery 2026 Ausstellung in Seoul stellte das Unternehmen sulfidbasierte All-Solid-State-Batteriezellen vor, die speziell für humanoide Roboter entwickelt wurden. Im Gegensatz zu Standardbatterien für Elektrofahrzeuge legen diese „anodenfreien“ Festkörperzellen den Schwerpunkt auf eine hohe Energiedichte pro Volumeneinheit.
Diese Eigenschaft ist entscheidend für Maschinen, die ihre Energieversorgung in einen menschenähnlichen Rumpf packen müssen, zusammen mit komplexen Rechenstacks und Kühlsystemen. LG verfolgt einen zweigleisigen Zeitplan für die Einführung dieser Technologie:
- 2029: Festkörperzellen für Elektrofahrzeuge.
- 2030: Anodenfreie Zellen, optimiert für die hohe Spitzenleistung, die für Roboteraufgaben wie das Halten des Gleichgewichts oder das Heben schwerer Lasten erforderlich ist.
Berichten zufolge befindet sich das Unternehmen bereits in Gesprächen mit mindestens sechs globalen Robotikunternehmen. Dies unterstreicht die wachsende Rolle von LG als branchenübergreifender Zulieferer.
„Die Entwicklung von anodenfreien Festkörperbatterien ist ein entscheidender Schritt, um humanoiden Robotern die notwendige Ausdauer und Leistung zu verleihen, die sie für komplexe Aufgaben im realen Umfeld benötigen.“
Sensorik, Vision und das „Gehirn“ der Roboter
LG Innotek hat sich bereits durch die Zusammenarbeit mit Boston Dynamics einen Namen im High-End-Markt für humanoide Roboter gemacht. Die Tochtergesellschaft produziert komplexe Sensorikmodule, die Kameras, Lidar und Radar in einer einzigen Einheit integrieren. Moon Hyuk-soo, CEO von LG Innotek, erwartet, dass die Großserienproduktion dieser Module – für Kunden wie Boston Dynamics und Figure – zwischen 2027 und 2028 voll anlaufen wird.
Auf der kognitiven Seite entwickelt LG AI Research das Modell Exaone 4.5. Dieses Vision-Language-Modell fungiert als „Großhirn“ für Roboter und ermöglicht es ihnen, komplexe Umgebungen zu verstehen. Es wird derzeit in den KAPEX-Roboter integriert, ein Gemeinschaftsprojekt von LG und dem Korea Institute of Science and Technology (KIST).
Hintergrund: KAPEX-Roboter
Der KAPEX-Roboter ist Teil der südkoreanischen Bemühungen, eine führende Rolle im Bereich der humanoiden Robotik zu spielen. Er dient als Plattform für die Erforschung und Entwicklung fortschrittlicher KI- und Robotik-Technologien.
Integration als Wettbewerbsvorteil
Selbst das „Gesicht“ des Roboters ist ein LG-Projekt. LG Display hat flexible 7-Zoll-OLED-Panels für humanoide Schnittstellen demonstriert. Dabei wird dieselbe gebogene Kunststoff-OLED-Technologie verwendet, die auch in luxuriösen Automobil-Armaturenbrettern zum Einsatz kommt. Durch die Bündelung dieser unterschiedlichen Technologien bietet LG Herstellern humanoider Roboter einen „One-Stop-Shop“.
Diese Strategie hat sich bereits in anderen Sektoren als lukrativ erwiesen:
- November 2025: LG präsentierte Mercedes-Benz integrierte Automobilkomponenten.
- August 2025: LG-Tochtergesellschaften gewannen ein 100 Milliarden Won (etwa 66,3 Millionen US-Dollar) schweres Rechenzentrumsprojekt in Jakarta durch das Paketieren von Kühlung, Stromversorgung und Facility Management.
Die Fähigkeit, komplexe Subsysteme aus einer Hand zu liefern, könnte LG einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
Herausforderungen und der lange Weg
Trotz der vielversprechenden Synergien gibt es noch erhebliche Hürden zu überwinden. LG Electronics hat seine Aktuatoren bisher noch nicht an externe Kunden ausgeliefert. Zudem räumen Führungskräfte von LG Innotek ein, dass „bedeutende“ Umsätze aus der Robotik noch drei bis vier Jahre entfernt sind.
Die Komponentenstrategie von LG muss auch mit der Beteiligung an regierungsgeführten Initiativen wie der M.AX Alliance und der K-Humanoid Alliance koexistieren. Obwohl diese Allianzen die Zusammenarbeit fördern, bleibt der Wettbewerb um die Bereitstellung der „Standardteile“ für die nächste Generation industrieller humanoider Roboter sowohl intern als auch extern hart. LG setzt darauf, dass die Position als größter „Teilelieferant“ der sicherste Weg zum Erfolg in der humanoiden Revolution ist.





