In Kroatien entsteht ein gigantisches Rechenzentrum, das die europäische KI-Landschaft maßgeblich beeinflussen könnte. Das US-Investmentunternehmen Pantheon Atlas LLC plant den Bau eines 1-Gigawatt-Hyperscaler-Rechenzentrums in Topusko, etwa 90 Kilometer südlich der Hauptstadt Zagreb. Das Besondere: Die gesamte Energieversorgung soll aus erneuerbaren Quellen stammen.
Dieses Projekt, Pantheon AI genannt, repräsentiert eine Investition von rund 12 Milliarden Euro in der Anfangsphase. Es soll nicht nur eines der größten, sondern auch technologisch fortschrittlichsten Rechenzentren Europas werden. Damit positioniert sich Kroatien als wichtiger Standort für digitale Infrastruktur im Herzen Europas.
Wichtige Eckpunkte
- Geplantes 1-Gigawatt-Hyperscaler-Rechenzentrum in Topusko, Kroatien.
- Gesamte Energieversorgung soll aus erneuerbaren Quellen stammen.
- Anfängliche Investition von rund 12 Milliarden Euro, Gesamtinvestition über 50 Milliarden Euro.
- Entspricht NVIDIA GW-Scale AI Factory Standards und Tier IV Verfügbarkeit.
- Inbetriebnahme für das erste Quartal 2029 geplant.
Ein Rechenzentrum der Superlative
Das Pantheon AI-Projekt ist auf Hyperscaler-Mieter ausgerichtet und wird nach den strengen NVIDIA GW-Scale AI Factory Standards konzipiert. Es soll eine Tier IV Verfügbarkeit erreichen, den höchsten Standard der Branche mit einer Betriebszeit von 99,99999 Prozent. Dies gewährleistet maximale Zuverlässigkeit für kritische KI-Anwendungen.
Die Bauarbeiten sollen im zweiten Quartal 2027 beginnen. Die kommerzielle Inbetriebnahme ist für das erste Quartal 2029 vorgesehen. Mit einer anfänglichen Investition von rund 12 Milliarden Euro und einer geschätzten Gesamtinvestition von über 50 Milliarden Euro, einschließlich der Hyperscale-Mieter und Ausrüstung, wird Pantheon AI eine beeindruckende Größenordnung erreichen.
Fakten zum Pantheon AI Campus
- Kapazität: 1 Gigawatt (800 MW nutzbare IT-Last)
- Fläche: 310 Acres (ca. 125 Hektar), erweiterbar auf 450 Acres (ca. 182 Hektar)
- Verfügbarkeit: Tier IV Standard (99,99999 % Betriebszeit)
- Anbindung: Vier unabhängige Glasfaserrouten über drei große EU-Korridore
Kroatien als idealer Standort für KI-Infrastruktur
Ryan Rich, Managing Partner von Pantheon AI, hob in einem Gastbeitrag für das Wall Street Journal die Vorteile Kroatiens hervor. Er nannte die stabile geopolitische Lage, die zentrale geografische Position in Europa und den hohen Anteil erneuerbarer Energien (52 % der Stromerzeugung) als entscheidende Faktoren für die Standortwahl.
„Wir haben die Energie, die Glasfaser, die regulatorische Stabilität und die institutionelle Unterstützung bereitgestellt, um das Problem der Skalierung von KI-Nachfrage in Europa zu lösen. Wir werden Kroatien und Mitteleuropa zu einem erstklassigen Ziel für digitale Infrastruktur machen.“
Diese Kombination von Faktoren macht Kroatien zu einem attraktiven Standort für derartige Großprojekte. Die strategische Lage ermöglicht eine effiziente Anbindung an wichtige europäische Datenkorridore.
Hintergrund: Die Drei-Meere-Initiative
Die Ankündigung des Pantheon AI-Projekts erfolgte während des multilateralen Gipfels der Drei-Meere-Initiative in Dubrovnik. Diese Initiative umfasst 13 Länder in Mittel- und Osteuropa, wobei die USA als strategischer Partner fungieren. Solche Treffen fördern die Zusammenarbeit und Investitionen in kritische Infrastrukturprojekte in der Region.
Einzigartiges Energiekonzept mit Solar und Speicher
Das Energiekonzept von Pantheon AI ist besonders innovativ. Es umfasst ein 500-Megawatt-Solar-PV-System, gekoppelt mit 8.000 Megawattstunden Batteriespeichersystemen (BESS). Für den Bau dieser Anlage „hinter dem Zähler“ wurde bereits eine Absichtserklärung mit Greenvolt, einem europäischen Entwickler für erneuerbare Energien, unterzeichnet. Greenvolt gehört der US-Investmentfirma KKR.
Die Kombination aus erneuerbaren Energien und Batteriespeichern gilt als der schnellste Weg, um die enorme Leistungsanforderung von KI-Rechenzentren zu erfüllen. Ein Solar-plus-Speicher-Kraftwerk kann laut einer Präsentation von LG Energy Solution innerhalb von 1-3 Jahren in Betrieb genommen werden, während konventionelle Anlagen wie Gas- oder Kohlekraftwerke 5-7 Jahre und Kernkraftwerke 10-15 Jahre benötigen.
Darüber hinaus werden vier 400-kV-Übertragungsleitungen für das Rechenzentrumsprojekt gebaut. Diese Leitungen sollen die Integration von zusätzlichen 5,2 Gigawatt erneuerbarer Energie in das kroatische Stromnetz ermöglichen, was die Energiewende des Landes weiter vorantreibt.
Europa im Wettlauf um KI-Führung
Joshua Volz, Sondergesandter des US-Energieministeriums (DOE) für globale Energieintegration, betonte die Bedeutung solcher Investitionen. „Der Wettlauf um die Führung in der künstlichen Intelligenz ist global. Wir freuen uns, amerikanisches Kapital und Investitionsexpertise wie Pantheon AI in verbündeten, demokratischen Nationen zu sehen, die diese Führung verankern“, sagte Volz.
Die Europäische Union hat zudem strenge Emissionsstandards und ehrgeizige Ziele für erneuerbare Energien. Dies macht saubere Energietechnologien für neue Infrastrukturprojekte besonders wettbewerbsfähig und fördert deren Einsatz.
Wachstum des Rechenzentrumsbedarfs
Die Nachfrage nach Rechenzentrumsleistung in Mittel- und Osteuropa wird bis 2035 voraussichtlich um das 3- bis 4-fache steigen. In etablierten europäischen Rechenzentrumshubs liegt die Auslastung bereits bei unter 8 Prozent Leerstand, und Netzanschlussprobleme verschärfen den Druck, mehr Kapazitäten zu schaffen. Projekte wie Pantheon AI sind daher entscheidend, um dieser wachsenden Nachfrage gerecht zu werden.
Technische Vorteile von Batteriespeichern
Batteriespeicher sind nicht nur schnell zu implementieren, sondern auch technisch überlegen, wenn es um die Anforderungen von KI-Trainingslasten geht. Sie können auf die schnellen, Megawatt-Level-Schwankungen im Strombedarf reagieren, die beim Betrieb von KI-Systemen auftreten. Thermische Kraftwerke sind hierfür weniger geeignet.
Die Co-Location von Rechenzentren und Batteriespeichersystemen war auch ein zentrales Thema auf dem jüngsten Energy Storage Summit USA. Experten waren sich einig, dass Rechenzentrumsbetreiber zunehmend eigene Energieinfrastrukturen „hinter dem Zähler“ oder sogar komplett netzunabhängig aufbauen, um Netzanschlussprobleme zu umgehen. In den USA wird jedoch noch immer ein großer Anteil der Stromerzeugung aus Erdgas erwartet.
Mit diesem ehrgeizigen Projekt setzt Kroatien ein starkes Zeichen für Innovation und Nachhaltigkeit im digitalen Zeitalter. Pantheon AI könnte ein Modell für zukünftige, umweltfreundliche Rechenzentren weltweit werden.





