Die weltweiten Lieferungen von Humanoid-Robotern haben im ersten Halbjahr 2026 einen bemerkenswerten Anstieg erlebt. Mehr als 22.000 Einheiten wurden ausgeliefert, was einem Wachstum von fast 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dies zeigt eine aktuelle Marktanalyse von Counterpoint Research. AGIBOT führt den Markt mit einem Anteil von 43,1 Prozent an, gefolgt von Unitree.
Wichtige Erkenntnisse
- Globale Lieferungen von Humanoid-Robotern stiegen im ersten Halbjahr 2026 auf über 22.000 Einheiten, ein Anstieg von fast 300%.
- AGIBOT ist mit 9.700 ausgelieferten Einheiten und 43,1% Marktanteil führend.
- Unitree folgt mit über 7.000 Einheiten und 31,1% Marktanteil.
- Die Top-Fünf-Anbieter kontrollieren über 86% des Marktes.
- Unterhaltung und Forschung machen über 60% der Anwendungen aus, aber Industrie und Logistik wachsen stark.
- Für das Gesamtjahr 2026 werden über 50.000 Lieferungen prognostiziert.
Marktführer und die Formfaktor-Debatte
Der Markt für Humanoid-Roboter wird zunehmend von wenigen großen Akteuren dominiert. Die fünf führenden Hersteller lieferten im ersten Halbjahr rund 86 Prozent aller Einheiten aus. An der Spitze steht das in Shanghai ansässige Unternehmen AGIBOT mit 9.700 Einheiten. Das entspricht einem Marktanteil von 43,1 Prozent. Unitree Robotics folgt mit über 7.000 Einheiten und einem Anteil von 31,1 Prozent.
Trotz des beeindruckenden Wachstums gibt es in der Branche eine anhaltende Diskussion über die Definition eines „Humanoid-Roboters“. Einige Hersteller, wie Unitree, bestehen darauf, dass nur rein zweibeinige Maschinen als Humanoiden gelten sollten. AGIBOT verfolgt hingegen eine breitere Produktstrategie, die sowohl zweibeinige als auch modulare und radbasierte Industrieroboter umfasst.
Faktencheck: Marktdominanz
- AGIBOT: 9.700 Lieferungen (43,1% Marktanteil)
- Unitree: >7.000 Lieferungen (31,1% Marktanteil)
- Galbot: >1.100 Lieferungen (5,0% Marktanteil)
- UBTECH: ~1.000 Lieferungen (4,4% Marktanteil)
- Leju Robotics: ~650 Lieferungen (2,9% Marktanteil)
AGIBOTs Strategie und Unitrees Fokus
AGIBOTs Erfolg basiert auf seiner vielseitigen Produktpalette. Das Unternehmen bietet die zweibeinige A-Serie, die modulare X-Serie und die radbasierte G-Serie für industrielle Anwendungen an. Modelle wie der X2 werden häufig für kommerzielle Vermietungen, in Bildungseinrichtungen und zur Datenerfassung für Künstliche Intelligenz eingesetzt. Der G2 findet bereits in Fabriken von Partnern wie Longcheer Technology und Joyson Electronics Verwendung.
Unitree kritisiert diese breite Definition. Das Unternehmen argumentiert, dass Hybrid- und Radroboter nicht zusammen mit echten zweibeinigen Maschinen gezählt werden sollten. Erst vor wenigen Wochen gab Unitree bekannt, 18.000 kumulative zweibeinige Humanoiden produziert zu haben, wobei radbasierte Systeme explizit ausgeschlossen wurden. Unitrees Volumen im ersten Halbjahr wurde hauptsächlich durch seine kompakte G1-Plattform angetrieben, die in Universitätslaboren und KI-Forschungszentren weit verbreitet ist.
„Die Debatte um den Formfaktor zeigt, wie dynamisch und noch nicht vollständig definiert der Markt für Humanoid-Roboter ist. Es geht nicht nur darum, wie viele Einheiten verkauft werden, sondern auch, was genau als Humanoid zählt.“
Wachsende Konkurrenz und neue Anwendungen
Auch andere Marktteilnehmer zeigen die Spannung zwischen zweibeiniger Agilität und pragmatischer Mobilität auf Rädern. Galbot, der drittplatzierte Anbieter, lieferte im ersten Halbjahr 2026 über 1.100 Einheiten aus. Das entspricht einem Marktanteil von 5,0 Prozent. Das Unternehmen setzt seine radbasierten G1- und S1-Plattformen in automatisierten Einzelhandelsumgebungen und industriellen Pilotlinien ein, beispielsweise bei der Batteriefirma CATL. Um seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, hat Galbot kürzlich seinen ersten dedizierten zweibeinigen Humanoiden, den ET1, vorgestellt.
UBTECH, auf dem vierten Platz, erreichte einen Marktanteil von 4,4 Prozent mit rund 1.000 Lieferungen. Ihre Roboter werden hauptsächlich in der Automobilmontage und Elektronikfertigung eingesetzt. UBTECH hat sein Lieferziel für die industrielle Walker S-Serie für das Gesamtjahr 2026 von 2.000–3.000 auf 5.000 Einheiten erhöht. Gleichzeitig führte das Unternehmen die verbraucherorientierte Untermarke UWORLD ein. Leju Robotics rundet die Top Fünf mit 650 Lieferungen ab. Ihre Kuavo-Bipeds werden hauptsächlich für Datenerfassung und Trainingszwecke eingesetzt.
Hintergrund: Die Evolution der Robotik
Die Entwicklung von Humanoid-Robotern hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Ursprünglich oft auf Forschungslabore beschränkt, finden sie nun ihren Weg in kommerzielle Anwendungen. Diese Entwicklung wird durch verbesserte KI-Modelle und günstigere Hardware vorangetrieben. Der Wettbewerb zwischen spezialisierten und vielseitigen Robotern prägt die aktuelle Marktlandschaft.
Verschiebung der Anwendungsbereiche
Obwohl die industrielle Automatisierung oft im Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung steht, zeigt Counterpoints Analyse, dass der Großteil der Lieferungen immer noch in nicht-industriellen Sektoren erfolgt:
- Unterhaltung & Performance (33,6%): Kleinformatige und gemietete Humanoiden für Ausstellungen, Medienproduktionen und Live-Werbeveranstaltungen.
- Datenproduktion & Forschung (27,0%): Teleoperierte und autonome Plattformen zur Erfassung realer sensorimotorischer Daten für das Training von KI-Modellen.
- Service & Anleitung (19,0%): Unbemannter Einzelhandel, Gastgewerbe und öffentliche Einrichtungen als Testfelder.
- Intelligente Fertigung (12,8%): Inspektion, Materialtransfer und Sortierung in der Automobil- und 3C-Elektronikmontage.
- Lagerhaltung & Logistik (4,9%): Palettieren, Sortieren und Behälterhandling in strukturierten Logistikzentren.
- Andere (2,7%): Experimentelle Haushaltsversuche und maßgeschneiderte Unternehmensaufgaben.
Obwohl Unterhaltung und Datenerfassung immer noch über 60 Prozent des Gesamtvolumens ausmachen, ist der Anteil der intelligenten Fertigung und Logistik im ersten Halbjahr deutlich gestiegen. Dies deutet auf eine wachsende Kommerzialisierung in diesen Bereichen hin.
Weltmodelle und der Horizont von 50.000 Einheiten
Counterpoint prognostiziert, dass die weltweiten Lieferungen von Humanoid-Robotern im Jahr 2026 die Marke von 50.000 Einheiten überschreiten werden. Dies würde ein Wachstum von 210 Prozent im Jahresvergleich bedeuten. In den nächsten fünf Jahren werden voraussichtlich industrielle und kommerzielle Dienstleistungsanwendungen die Forschung und Unterhaltung als Hauptvolumentreiber ablösen.
Um diesen Übergang zu unterstützen, setzen Roboterhersteller auf hybride KI-Architekturen. Die Integration von Weltmodellen mit Vision-Language-Action (VLA)-Systemen entwickelt sich zu einer entscheidenden technischen Grenze. Diese Systeme ermöglichen es End-to-End-Transformatoren, physikalische Dynamiken und kontinuierliche Zustände bei komplexen, langfristigen Aufgaben vorherzusagen.
AGIBOT bereitet sich darauf vor, im Herbst sein proprietäres GO-3 Embodied Foundation Model und das Robot-as-a-Service (RaaS)-Programm SHAREBOT einzuführen. Der Wettbewerb um Humanoid-Roboter geht damit über die anfängliche Machbarkeit der Hardware hinaus. In den kommenden Quartalen wird der Unterschied nicht nur in der Anzahl der produzierten Chassis liegen, sondern auch darin, ob diese Maschinen in realen Umgebungen wiederholbare, autonome Produktivität liefern können.





