Das US-amerikanische Robotik-Unternehmen Figure AI behauptet, dass seine humanoiden Roboter bereits einen Return on Investment (ROI) für Unternehmenskunden erzielen. Dies geschieht vor dem Hintergrund eines akuten Arbeitskräftemangels und hoher Fluktuationsraten in verschiedenen Branchen. Firmengründer Brett Adcock betont, dass die primäre Herausforderung nicht mehr die Massenproduktion der Hardware sei, sondern die Entwicklung hochintelligenter, autonomer KI-Systeme.
Wichtige Erkenntnisse
- Figure AI Humanoiden sollen bereits einen ROI für Kunden generieren.
- Hauptproblem ist die Entwicklung intelligenter KI, nicht die Hardware-Produktion.
- Figure hat den 1.000. Figure 03 Roboter produziert.
- Roboter arbeiten bereits mit menschlicher Geschwindigkeit in realen Szenarien.
- Der Fokus liegt auf der Lösung akuter Arbeitskräftemängel.
Intelligenz ist wichtiger als Hardware-Masse
Brett Adcock, Gründer und CEO von Figure AI, erklärte kürzlich in einem Podcast, dass die Diskussion über humanoide Roboter sich von reinen Hardware-Demonstrationen hin zu praktischen kommerziellen Anwendungen verschiebt. Seiner Ansicht nach ist die Massenproduktion von Robotern nicht mehr das größte Hindernis. Vielmehr liege der Fokus auf der Schaffung eines wirklich intelligenten Robotersystems.
Adcock verglich den Kauf eines Roboters ohne fortschrittliche Intelligenz mit frühen Konsumerdrohnen. Diese waren oft schwer zu bedienen und wurden schnell wieder vergessen. Ziel von Figure ist es, eine menschenähnliche Intelligenz zu entwickeln, die autonom und ohne vorherige Programmierung agieren kann.
Faktencheck
- Figure AI hat kürzlich den 1.000. Figure 03 Roboter hergestellt.
- Die Fertigung wird mit der Produktion von Unterhaltungselektronik verglichen, nicht mit dem Automobilbau.
- Ein Figure 03 Roboter sortierte Pakete 200 Stunden lang mit einer Geschwindigkeit von 2,9 Sekunden pro Paket.
Produktion im „Handy-Maßstab“
Trotz des Schwerpunkts auf Software hat Figure AI seine Produktionskapazitäten erheblich ausgebaut. Adcock bestätigte, dass das Unternehmen seinen 1.000. Ingenieur-Validierungstest (EVT) Roboter der Figure 03 Generation fertiggestellt hat. Dies unterstreicht Figures Position als eines der wenigen westlichen Unternehmen, das humanoide Roboter in hohen Stückzahlen fertigen kann.
Adcock widersprach der Vorstellung, dass die Massenproduktion von Humanoiden so komplex sei wie der Bau von Autos. Da jedes Bauteil eines Figure-Roboters von Menschenhand gehalten und manipuliert werden kann, ähnelt der Herstellungsprozess eher der Fertigung von Konsumgütern wie Mobiltelefonen. „Autos zu fertigen, ist extrem schwierig“, so Adcock. „Man braucht Roboter, die Chassis an andere Roboter übergeben. Wenn nur einer von Tausenden Robotern ausfällt, ist die Produktion lahmgelegt.“ Die Modularität und überschaubare Größe der humanoiden Komponenten machen die Skalierung der Produktion deutlich weniger riskant.
„Die wichtigste Einschränkung, die wir wirklich lösen müssen, ist der Bau eines wirklich intelligenten Robotersystems für die Welt.“ – Brett Adcock, CEO Figure AI
Arbeitskräftemangel treibt die Nachfrage
Eine der bemerkenswertesten Aussagen von Adcock ist, dass Figures Roboter bereits mit menschlicher Geschwindigkeit arbeiten und einen ROI für Unternehmenskunden erwirtschaften. Treibende Kraft hinter dieser frühen Akzeptanz ist nicht Zukunftsvision, sondern der dringende Bedarf an zuverlässigen Arbeitskräften.
Unternehmen wenden sich an Figure, weil sie mit Arbeitskräftemangel zu kämpfen haben. Sie berichten von hohen Personalkosten, massiven Engpässen und Fluktuationsraten, die gelegentlich 100 Prozent pro Jahr übersteigen. „Sie kommen zu uns und sagen: Wir haben dafür keine Lösung“, so Adcock.
Hintergrund: Die Arbeitsmarktlage
Viele Industrien weltweit sind von einem erheblichen Arbeitskräftemangel betroffen. Dies führt zu steigenden Lohnkosten und operativen Schwierigkeiten. Bereiche wie Logistik, Fertigung und Lagerhaltung sind besonders stark betroffen, mit Fluktuationsraten, die oft über 100% liegen. Roboterlösungen bieten hier eine Möglichkeit, die Lücken zu schließen und die Produktivität zu sichern.
Da eine Robotereinheit mehrere Schichten pro Tag an sieben Tagen in der Woche arbeiten kann, rechnet sich der kommerzielle Einsatz bereits. Adcock enthüllte, dass der viral gegangene Livestream, in dem ein Figure 03 Roboter Pakete sortierte, keine zufällige Laborübung war. Es handelte sich um die direkte Nachbildung einer realen Logistikanforderung eines Kunden. Dieser Kunde benötigte das Sortieren von Paketen mit einer Rate von drei Sekunden pro Artikel für fünf Stunden am Tag. Das System von Figure hielt ein Tempo von 2,9 Sekunden pro Paket über 200 Stunden lang durch.
Konkrete Anwendungsfälle
Diese Erkenntnisse beleuchten die direkte kommerzielle Strategie hinter Figures jüngsten Partnerschaften. Dazu gehören der Einsatz komplexer Logistiksequenzierung im BMW Werk Spartanburg und eine umfassende Logistikvereinbarung mit Catalyst Brands. Dort übernehmen die Humanoiden Aufgaben, die bisher von Menschen ausgeführt wurden, um Engpässe zu beseitigen und die Effizienz zu steigern.
Trennung von Fakt und Fiktion
In einem zunehmend überfüllten Sektor ist es für Investoren und die Öffentlichkeit eine Herausforderung, echten technischen Fortschritt von Marketingaussagen zu unterscheiden. Adcocks Erfolgsmaßstab ist rein utilitaristisch. „Was uns interessiert, ist nicht der Roboter, der Rückwärtssaltos macht, am schnellsten läuft oder tanzt“, erklärte Adcock. Der wahre Maßstab sei die Fähigkeit, Roboter zu liefern, die autonom und in großem Maßstab in wirtschaftlich nützlichen Umgebungen arbeiten können. Dies reicht vom Betrieb einer kompletten Lieferkette über den Bau von Strukturen bis hin zum Kochen zu Hause.
Die Robotikindustrie neigt zweifellos zu Übertreibungen. Doch Figures konsequenter Fokus auf den ungeschnittenen Einsatz in industriellen Umgebungen deutet auf eine Reifung des Sektors hin. Die Maschinen sind für die realen Anforderungen menschlicher Arbeit konzipiert.





