Ein wichtiger Schritt in der Integration von Robotern in Unternehmensprozesse: Das britische Startup Humanoid hat einen erfolgreichen Testlauf in der Logistik abgeschlossen. Zusammen mit dem Softwarekonzern SAP und dem Automobilzulieferer Martur Fompak bewies der Roboter HMND 01 Alpha Wheeled seine Fähigkeiten in einer realen Produktionsumgebung.
Wichtige Erkenntnisse
- Erster Live-Einsatz eines Humanoid-Roboters, gesteuert durch ein externes Unternehmenssystem.
- Integration des Roboters mit SAP Extended Warehouse Management (EWM) über den Joule-Agenten.
- Der Roboter transportierte KLT-Boxen autonom und verstand Geschäftsabläufe.
- KinetIQ AI-Stack ermöglichte flexible Flottensteuerung und zukünftige Skalierung.
- Daten aus dem Testlauf fließen in die Entwicklung der nächsten Robotergeneration ein.
Autonome Logistik in der Praxis
Der Test fand zwischen Januar und Februar 2026 statt. Dabei erledigte der HMND 01 Alpha Wheeled Roboter eine Standardaufgabe im Logistikbereich. Er navigierte selbstständig zu Paletten, nahm KLT-Boxen auf und lieferte sie an Rollwagen, um Bestellungen zu erfüllen. Dies war das erste Mal, dass ein Humanoid-Roboter direkt von einem externen Unternehmenssystem in einer Live-Produktionsumgebung gesteuert wurde.
Die Tests bei Martur Fompak zeigten, wie Roboter zukünftig Lagerabläufe optimieren können. Der Roboter arbeitete ohne menschliches Eingreifen und bewältigte seine Aufgaben präzise. Diese Automatisierung kann die Effizienz in der Logistik erheblich steigern und menschliche Arbeitskräfte von monotonen Aufgaben entlasten.
Faktencheck
- Einsatzort: Martur Fompak, Automobilzulieferer
- Zeitraum: Januar bis Februar 2026
- Robotertyp: HMND 01 Alpha Wheeled
- Aufgabe: Logistisches Kommissionieren von KLT-Boxen
- Nutzlast: 8 kg mit zwei Armen
Die Rolle von SAPs Joule-Agent
Ein zentraler Aspekt des Pilotprojekts war die Software-Integration. Der Roboter wurde über SAPs Joule-Agentenschicht direkt mit SAP Extended Warehouse Management (EWM) verbunden. Diese Verbindung ermöglichte es dem Roboter, Aufgaben über das Internet zu empfangen und sie mit vollem Verständnis des Geschäftskontextes auszuführen.
„Embodied Joule“ nennt SAP diesen Ansatz. Er bedeutet, dass der Roboter nicht nur vorprogrammierte Koordinaten abarbeitet. Stattdessen versteht er seine Aufgaben im Zusammenhang mit Echtzeit-Produktionsplänen und Lagerbeständen. Dies macht Roboter zu einer echten Erweiterung der digitalen Betriebsabläufe eines Unternehmens.
„Dieser Ansatz ermöglicht es humanoiden Robotern, als Erweiterungen der digitalen Betriebsabläufe einer Organisation zu fungieren.“
Die Fähigkeit, Geschäftslogik zu verstehen, unterscheidet diese Art der Robotik von einfacheren Automatisierungslösungen. Der Roboter kann auf Änderungen im Produktionsfluss reagieren und seine Aufgaben entsprechend anpassen. Das ist entscheidend für dynamische Produktionsumgebungen.
KinetIQ: Die intelligente Steuerungsplattform
Humanoids KinetIQ AI-Stack spielte eine Schlüsselrolle bei der Steuerung der Roboterflotte. Dieses vierteilige Framework ist darauf ausgelegt, Flotten über verschiedene Robotertypen hinweg zu orchestrieren. Im Martur Fompak-Test ermöglichte KinetIQ den Alpha-Einheiten, als flexible Flotte zu agieren. Sie konnten sofort neu zugewiesen werden, wenn sich die Produktionsanforderungen änderten.
Die „Cross-Embodiment“-Fähigkeit des Frameworks ist ein Eckpfeiler von Humanoids Strategie. Das bedeutet, dass die von den Rollrobotern gesammelten Daten zukünftig auch dem zweibeinigen Alpha-Modell zugutekommen könnten. Dieses soll in komplexere Umgebungen vordringen.
Hintergrund: Humanoids Weg
Humanoid hat bereits autonome Fähigkeiten bei Siemens und Ford demonstriert. Der aktuelle Pilotversuch konzentrierte sich jedoch stark auf die Software-Verbindung zwischen Roboter und dem „Gehirn“ der Anlage. Das Unternehmen hat zudem eine fünfjährige Partnerschaft mit Schaeffler, um Hunderte von Robotern einzusetzen. Dies zeigt das wachsende Vertrauen der Industrie in Humanoid-Technologien.
Leistung und Zukunftsaussichten
Der Proof of Concept (POC) legte mehrere wichtige Leistungsmaßstäbe für die Alpha-Hardware fest:
- Nutzlast: Der Roboter arbeitete bei den Kommissionieraufgaben mit einer Nutzlastgrenze von 8 kg pro Arm.
- Vielseitigkeit: Das System handhabte erfolgreich drei verschiedene Arten von Behältern unter realen Betriebsbedingungen.
- Integration: Der Roboter wurde ferngesteuert, ohne dass ein lokales, maßgeschneidertes Steuerungssystem erforderlich war.
Diese Erfolge sind ein wichtiger Meilenstein für Humanoid. Das Unternehmen betont jedoch, dass die aktuellen Alpha-Einheiten noch Entwicklungs- und Forschungswerkzeuge sind. Humanoid plant, im dritten Quartal 2026 seine „produktionsreife“ Hardware auf den Markt zu bringen.
Die gewonnenen Daten aus dem Martur Fompak-Test werden voraussichtlich in die finalen Verfeinerungen dieser Beta-Einheiten einfließen. Humanoid hat bereits einen Auftragsbestand von 30.000 unverbindlichen Vorbestellungen. Die Partner wollen nun die POC-Ergebnisse auswerten, um Wege für einen breiteren Einsatz in Martur Fompaks globaler Fertigung zu finden.
Die Entwicklung zeigt, dass die Integration von Robotern in bestehende Unternehmenssoftware immer nahtloser wird. Dies ebnet den Weg für eine breitere Akzeptanz und Skalierung von Robotik in der Industrie. Die Zukunft der Logistik könnte bald von intelligenten Robotern geprägt sein, die Hand in Hand mit ERP-Systemen arbeiten.





