Die italienische Werft Fincantieri und das Startup Generative Bionics arbeiten zusammen, um humanoide Schweißroboter in europäischen Werften einzusetzen. Diese Partnerschaft soll dem Fachkräftemangel entgegenwirken und die Produktion in anspruchsvollen Umgebungen sichern. Die Roboter, speziell die Variante GENE.01/W, sollen repetitive und körperlich herausfordernde Aufgaben übernehmen.
Wichtige Punkte
- Fincantieri und Generative Bionics entwickeln humanoide Schweißroboter für den Schiffbau.
- Der Roboter GENE.01/W soll Fachkräftemangel beheben und Arbeitsbedingungen verbessern.
- Erste Tests sind für Ende 2026 geplant, volle Einsatzfähigkeit bis 2028.
- Der Roboter verfügt über eine taktile Haut und spezialisierte KI für Schweißnähte.
- Die Initiative stärkt die europäische technologische Souveränität.
Revolution im Schiffbau: Roboter am Schweißgerät
Der Schiffbau ist eine Branche, die traditionell auf hochqualifizierte Handarbeit setzt. Doch der Mangel an Fachkräften und die Komplexität moderner Schiffe stellen neue Herausforderungen dar. Fincantieri, ein führendes Unternehmen im komplexen Schiffbau, reagiert darauf mit einer strategischen Partnerschaft. Gemeinsam mit Generative Bionics, einem italienischen Startup im Bereich der „Physical AI“, wird an der Integration humanoider Schweißroboter gearbeitet.
Ziel ist es, die Produktion zu optimieren und gleichzeitig die Arbeitsbedingungen für menschliche Mitarbeiter zu verbessern. Die Roboter sollen in Umgebungen eingesetzt werden, die für Menschen ergonomisch schwierig oder gefährlich sind. Dies ist ein zentraler Bestandteil von Fincantieris neuem Industrieplan, der auf fortschrittliche Robotik und „Physical AI“ setzt.
Faktencheck
- Generative Bionics erhielt Ende 2025 eine Finanzierung von 70 Millionen Euro.
- Die Partnerschaft zwischen Fincantieri und Generative Bionics ist auf vier Jahre angelegt.
- Der Roboter GENE.01/W ist speziell für Schweißaufgaben optimiert.
Vom Konzept zur Werft: Der GENE.01/W
Wenige Wochen vor der Ankündigung der Partnerschaft präsentierte Generative Bionics auf der CES 2026 den Konzeptroboter GENE.01. Dieser Roboter definierte die visuelle und technologische Identität des Unternehmens. Daniele Pucci, CEO von Generative Bionics, stellte den GENE.01 gemeinsam mit Dr. Lisa Su, CEO von AMD, vor. Dies unterstrich die Verbindung von Hochleistungsrechnen und physischer KI.
Der GENE.01 zeichnet sich durch ein „menschenzentriertes“ Design aus. Er verfügt über eine taktile Ganzkörperhaut, ein Netzwerk aus Berührungs- und Kraftsensoren. Diese Sensoren ermöglichen es dem Roboter, Druck und kleinste Interaktionen wahrzunehmen. Die Hardware wird von AMDs Hochleistungsrechnern und FPGA-basierten Embedded-Vision-Plattformen angetrieben. Dadurch kann der Roboter seine eigene Körperwahrnehmung nutzen, um sich in Echtzeit an seine Umgebung anzupassen.
Für Fincantieri wird eine spezielle Variante entwickelt: der GENE.01/W. Das „/W“ steht für „Welding“ (Schweißen) und kennzeichnet die erste spezialisierte Variante in der neuen Roboterreihe des Unternehmens. Dieses modulare Entwicklungskonzept erlaubt es, eine gemeinsame Kernplattform durch spezifische Hardware- und Softwarekonfigurationen an verschiedene industrielle Aufgaben anzupassen.
„Diese Systeme sollen die Arbeiter bei repetitiven und körperlich anspruchsvollen Aufgaben unterstützen und gleichzeitig hohe Sicherheitsstandards gewährleisten.“
Der Zeitplan: Vier Jahre bis zum Einsatz
Die Implementierung der Roboter ist ein ehrgeiziges Vier-Jahres-Programm. Erste Tests vor Ort sind für Ende 2026 geplant. In den Jahren 2027 und 2028 sollen die operativen Funktionalitäten verfügbar gemacht werden. Nach 2028 liegt der Fokus auf weiterer Verfeinerung, Expansion und der formellen industriellen Zertifizierung der Systeme.
Das Test- und Validierungszentrum wird die Fincantieri-Werft in Sestri Ponente sein. Sie wird als „Industrielabor“ für die neue Technologie fungieren. Der GENE.01/W wird mit spezieller KI zur Überwachung von Schweißnähten ausgestattet. Zudem verfügt er über eine optimierte Fortbewegung, um das komplexe, unebene Terrain einer Werft zu bewältigen. Dies ist die erste strukturierte industrielle Validierung für die Plattform, seit Generative Bionics 70 Millionen Euro für die Kommerzialisierung seiner Forschung vom Italienischen Institut für Technologie erhalten hat.
Hintergrundinformationen
Die „Physical AI“ ist ein aufstrebendes Feld, das künstliche Intelligenz mit Robotik und physischer Interaktion in der realen Welt verbindet. Sie ermöglicht es Robotern, ihre Umgebung nicht nur zu sehen und zu hören, sondern auch zu fühlen und darauf zu reagieren. Dies ist entscheidend für Aufgaben in komplexen, unstrukturierten Umgebungen wie Werften.
Wettlauf um humanoide Arbeitskräfte weltweit
Die Partnerschaft zwischen Fincantieri und Generative Bionics ist Teil eines globalen Trends. „Physical AI“ hält zunehmend Einzug in den maritimen Sektor und die Schwerindustrie. Generative Bionics ist dabei nicht das einzige Unternehmen, das diesen Nischenmarkt ins Visier nimmt.
In den USA verfolgt Persona AI aus Houston einen ähnlichen Ansatz. Das Unternehmen sicherte sich im Mai 2025 eine Pre-Seed-Finanzierung von 27 Millionen Dollar. Persona AI hat bereits eine Allianz mit HD Hyundai geschmiedet, um humanoide Schweißroboter für südkoreanische Werften zu entwickeln. Auch hier werden Prototypen bis Ende 2026 erwartet. Jüngst unterzeichnete Persona AI eine Absichtserklärung mit dem Bundesstaat Louisiana. Ziel ist ein Pilotprogramm bei SSE Steel Fabrication. Dort werden reale Daten menschlicher Bewegungen gesammelt, um zu verstehen, wie Humanoide Seite an Seite mit Fachkräften in der Fertigung arbeiten können.
Dieser globale Wettlauf zeigt, wie wichtig die Entwicklung humanoider Roboter für die Zukunft der Schwerindustrie ist. Sie sollen die sogenannten „4D-Jobs“ übernehmen: dull (langweilig), dirty (schmutzig), dangerous (gefährlich) und declining (rückläufig). Traditionelle Automatisierung hat in diesen Bereichen oft versagt, doch humanoide Roboter könnten hier eine Lösung bieten.
Europäische Souveränität durch Technologie
Für Fincantieri und Generative Bionics hat die Partnerschaft auch eine strategische Dimension. Sie wird als Beitrag zur europäischen technologischen Souveränität betrachtet. Durch die Nutzung einer heimischen Lieferkette und der Forschung des Italienischen Instituts für Technologie (IIT) wollen die Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Industriesystems stärken.
Die Entwicklung und der Einsatz dieser fortschrittlichen Robotik sollen Europas Position im globalen Wettbewerb sichern. Während Generative Bionics und Persona AI auf die Testtermine Ende 2026 hinarbeiten, werden Werften zu den entscheidenden Prüfständen. Sie zeigen, ob humanoide Roboter die Herausforderungen der Schwerindustrie wirklich meistern können.





