Figure, ein führendes Unternehmen im Bereich humanoider Roboter, hat einen entscheidenden Schritt in der Entwicklung künstlicher Intelligenz gemacht. CEO Brett Adcock gab bekannt, dass das Unternehmen die letzten 109.504 Zeilen handgeschriebenen C++-Codes aus seinen Robotern entfernt hat. Dieser Schritt markiert den vollständigen Übergang zu einer KI-gesteuerten Architektur namens Helix 02 und läutet eine neue Ära der "Software 2.0" in der Robotik ein.
Die Umstellung ermöglicht es den Robotern, komplexe Aufgaben wie das Einräumen einer Spülmaschine mit nie dagewesener Präzision und Flüssigkeit auszuführen. Adcock betonte, dass herkömmliche, codebasierte Ansätze diese Leistung niemals hätten erreichen können.
Wichtige Erkenntnisse
- Figure hat den gesamten C++-Code durch die KI-Architektur Helix 02 ersetzt.
- Der Roboter Figure 03 ist leichter und kostengünstiger in der Produktion.
- HARK, Figures neues KI-Labor, entwickelt ein "Omni-Modell" für umfassende Autonomie.
- Figure plant, Roboter auf eigenen Produktionslinien herzustellen, um die Produktion zu skalieren.
- Das Unternehmen strebt bis Ende 2026 eine fast chinesenfreie Lieferkette an.
Helix 02: Das Ende des handgeschriebenen Codes
Die Einführung von Helix 02 ist ein Wendepunkt für Figure. Brett Adcock bezeichnet diese Entwicklung als eine grundlegende Neuausrichtung der Roboterintelligenz. Frühere Robotergenerationen nutzten C++ für die Steuerung des Unterkörpers und die Balance. Helix 02 führt nun System 0 (S0) ein, einen vollständig durch neuronale Netze trainierten Controller. Dieser Controller übernimmt die Balance, den Kontakt und die Koordination des gesamten Roboterkörpers.
Dieser "Pixels-zu-Drehmoment"-Ansatz ermöglicht es dem Roboter, eine "raumweite Autonomie" zu erreichen. Das bedeutet, er kann sich als ein einziges, kontinuierliches System in einer Umgebung bewegen und Objekte manipulieren. Traditionelle Controller verursachten oft ein "Stop-and-Go"-Verhalten, das nun der Vergangenheit angehört. Adcock demonstrierte die Fähigkeiten des Roboters Figure 03, der empfindliches Geschirr in eine Spülmaschine einräumte. Er erklärte, dass solche Aufgaben mit alten Methoden nicht möglich gewesen wären.
"Wir hätten niemals ein Viertel dessen erreichen können, was Sie heute gesehen haben, mit Code-Heuristiken", sagte Brett Adcock in einem Interview mit Peter Diamandis.
Faktencheck: Code-Reduktion
Figure löschte 109.504 Zeilen handgeschriebenem C++-Code, was den vollständigen Übergang zu KI-gesteuerter Robotik symbolisiert.
Figure 03: Hardware für die neue Ära der KI
Der Figure 03 ist nicht nur eine Weiterentwicklung, sondern ein Arbeitsgerät, das speziell für die Helix-Architektur konzipiert wurde. Adcock hob hervor, dass die Hardware des Figure 03 eine massive Verbesserung der wirtschaftlichen Rentabilität darstellt. Er sprach von einer 90-prozentigen Reduzierung der Herstellungskosten im Vergleich zum Vorgängermodell Figure 02.
Zu den wichtigsten Verbesserungen gehören eine Gewichtsreduktion von 13,6 Kilogramm (30 lbs), was die Sicherheit und Energieeffizienz erhöht. Neue Kameras in den Handflächen und taktile Sensoren in den Fingerspitzen sind direkt in die neuronale Steuerung integriert. Diese Sensoren reagieren auf Drücke von nur drei Gramm. Ein neues "passives Zehen"-Design ermöglicht natürlichere Gangarten und größere Bewegungsbereiche. Damit gehört der "klobige", flache Gang früherer Modelle der Vergangenheit an.
Von BMW zur Eigenproduktion
Die Entwicklung des Figure 03 folgte der Ausmusterung der Figure 02-Flotte. Diese Roboter absolvierten 1.250 Stunden im BMW-Produktionswerk. Obwohl der Pilotversuch bei BMW erfolgreich war, räumte Adcock ein, dass die zugrunde liegende Architektur des Figure 02 zu "brutal" war, um auf die von Figure angestrebten Millionen von Einheiten zu skalieren. Der Figure 03 ist die Antwort auf diese Herausforderung und soll die Massenproduktion ermöglichen.
Hintergrund: Die Evolution der Robotik
Die Robotik hat sich von einfachen, vorprogrammierten Maschinen zu komplexen Systemen entwickelt, die durch künstliche Intelligenz lernen und interagieren können. Der Übergang von handgeschriebenem Code zu neuronalen Netzen ist ein Paradigmenwechsel, der die Fähigkeiten von Robotern revolutioniert.
HARK und die Vision des "Omni-Modells"
Adcock sprach auch über die Gründung von HARK, einem neuen KI-Labor, das sich auf digitale und physische Autonomie konzentriert. HARK ist die treibende Kraft hinter Figures Vision eines "Omni-Modells". Dies ist ein einziges neuronales Netzwerk, das Sprache, Denken und physische Aktionen gleichzeitig verarbeitet.
Die Fortschritte des Labors waren der Grund, warum Figure die Partnerschaft mit OpenAI im Jahr 2025 auflöste. Adcock erklärte, dass sein Team OpenAI übertroffen habe. Er argumentierte, dass allgemeine Robotik ein Maß an "verkörperter Physik" erfordert, das reine Large Language Models (LLMs) nicht erreichen können. Er bezeichnete aktuelle LLMs als "fortgeschrittene Google-Suchmaschinen", denen das Weltverständnis fehlt, um beispielsweise nicht durch Glaswände zu gehen oder zerbrechliche Objekte zu zerquetschen.
- HARKs Ziel: Entwicklung eines einzigen neuronalen Netzwerks für umfassende Roboterautonomie.
- Trennung von OpenAI: Figures Team sah sich im Vorteil bei der Entwicklung von KI für physische Roboter.
- Kritik an LLMs: Adcock sieht Grenzen bei der Anwendung reiner Sprachmodelle in der Robotik.
2026: Roboter bauen Roboter
Der Zeitplan für 2026 ist ambitioniert. Adcock erwartet, dass Figure in diesem Jahr Roboter auf den eigenen "BotQ"-Fertigungslinien einsetzen wird. Das Ziel ist ein "selbstreplizierendes" Produktionsmodell. Die BotQ-Anlage wird derzeit für eine Kapazität von fast 50.000 Einheiten pro Jahr ausgestattet.
Obwohl Figure bereits bewiesen hat, dass seine Roboter empfindliches Glasgeschirr handhaben können, bleibt der ultimative Test das Zuhause. Adcock gab zu, dass er seine Roboter noch "beaufsichtigt", wenn sie in der Nähe seiner Kinder sind. Er betonte, dass die Roboter erst dann für jeden bereit sind, wenn sie völlig autonom und sicher in einem Haushalt agieren können.
"Das Ziel ist es, einen Roboter vollständig autonom, Ende-zu-Ende, in ein Zuhause stellen zu können, um all meine Kinder herum", sagte Adcock. "Solange ich mich nicht sicher genug fühle, ihn dort frei walten zu lassen, ist er nicht für jedermann bereit."
Adcock schätzt, dass Hardware mit chirurgischer Geschicklichkeit bis Ende 2026 verfügbar sein wird. Das "Gehirn" der Roboter benötigt jedoch noch deutlich mehr Daten, um dieses Maß an Zuverlässigkeit zu erreichen.
Der globale Wettbewerb und Figures Unabhängigkeit
Im Hinblick auf den Wettbewerb mit China äußerte sich Adcock sowohl anerkennend als auch kritisch. Er würdigte die Arbeitsmoral und das Talent in China, argumentierte aber, dass die meisten internationalen Konkurrenten noch in "Open-Loop"-Verhalten feststecken. Damit meint er vorprogrammierte Routinen oder Teleoperation, die er als "Soja-Zeug" bezeichnet.
"Zeigen Sie mir eine Minute eines Roboters, der eine Aufgabe ungeschnitten, Closed-Loop und in Echtzeit erledigt", forderte Adcock. "Das haben Sie anderswo einfach noch nicht gesehen." Elon Musk, CEO von Tesla, äußerte sich kürzlich anders. Er wies Figure und die gesamte US-Robotikszene ab. Musk erklärte in einem Webcast zu den Finanzergebnissen von Tesla für das vierte Quartal 2025: "Nach unserem besten Wissen sehen wir außerhalb Chinas keine bedeutenden Konkurrenten."
Figure plant, seine Lieferkette bis Sommer 2026 fast vollständig von chinesischen Komponenten zu befreien. Damit will das 39 Milliarden Dollar schwere Startup geopolitische Reibungen vermeiden, während es versucht, die ersten wirklich universellen Humanoiden auf den Markt zu bringen.





