Audi, der deutsche Automobilhersteller, geht eine strategische Partnerschaft mit dem Zürcher Startup Mimic Robotics ein. Ziel ist es, KI-gesteuerte Robotik in die industrielle Produktion zu integrieren. Diese Zusammenarbeit markiert einen bedeutenden Schritt in der Automatisierungsbranche, weg von starren, regelbasierten Systemen hin zu adaptiver Intelligenz.
Eine erste Demonstration zeigt bereits, wie eine bimanuelle Roboterplattform eigenständig eine Gummidichtung an einem Autotürrahmen anbringt. Diese Aufgabe galt bisher als schwierig zu automatisieren, da sie flexible Materialien und hohe Präzision erfordert.
Wichtige Erkenntnisse
- Audi und Mimic Robotics arbeiten zusammen an KI-gesteuerter Roboterfertigung.
- Mimics 'Pixel-to-Action'-Architektur ermöglicht Robotern das Lernen komplexer Aufgaben durch Beobachtung.
- Die Technologie verbessert die Lerneffizienz im Vergleich zu Standard-VLA-Modellen um das Zehnfache.
- Zürich etabliert sich als wichtiges Zentrum für 'Physical AI'.
- Die Automobilindustrie investiert verstärkt in lernbasierte Robotik für die Montage.
Revolution in der Robotersteuerung: Von Skripten zu intelligentem Lernen
Die traditionelle Industrierobotik verlangt von Ingenieuren, jede einzelne Bewegung manuell zu programmieren. Dies ist zeitaufwendig und unflexibel. Mimic Robotics verfolgt einen anderen Ansatz mit seiner 'Pixel-to-Action'-Architektur.
Dieses System nutzt eine End-to-End-Strategie, die Rohdaten von Sensoren direkt in koordinierte Bewegungen umsetzt. Die Roboter lernen so komplexe, langfristige Aufgaben, indem sie menschliche Demonstrationen beobachten und das Gelernte auf unterschiedliche Umgebungen anwenden. Dies ist entscheidend für die Fertigung vieler Varianten und hochwertiger Produkte.
Faktencheck
- 10x bessere Effizienz: Mimics Video-Action Model (VAM) verbessert die Lerneffizienz um das Zehnfache im Vergleich zu herkömmlichen Vision-Language-Action (VLA)-Modellen.
- 16 Freiheitsgrade: Die proprietären humanoiden Hände von Mimic verfügen über 16 Freiheitsgrade, was eine hohe Geschicklichkeit ermöglicht.
- 2024 gegründet: Mimic Robotics wurde 2024 als Spin-off der ETH Zürich gegründet.
Mimics 'Pixel-to-Action'-Modell
Der Kern der Technologie von Mimic ist ein Video-Action Model (VAM), das auf vortrainierten Video-Backbones basiert. Dieses Modell versteht physikalische Dynamiken und benötigt deutlich weniger Demonstrationsdaten, um industrielle Aufgaben zu erlernen. Dies spart Zeit und Ressourcen in der Entwicklung und Implementierung.
„Unser End-to-End-Pixel-to-Action-Modell, das auf unserer bimanualen Plattform läuft, ist in der Lage, eine komplexe, geschickte und langfristige Einfügeaufgabe auszuführen.“
Mimic Robotics auf X
Fokus auf Geschicklichkeit: Mimics pragmatischer Ansatz
Während viele Unternehmen an der Entwicklung von Ganzkörper-Humanoiden arbeiten, konzentriert sich Mimic auf die Kombination seiner proprietären, geschickten humanoiden Hände mit bewährten, handelsüblichen Roboterarmen. Das Unternehmen argumentiert, dass der Ganzkörper-Humanoid oft weniger industriellen Wert bietet als die Effizienz, die durch die Kombination hochgeschickter Endeffektoren mit etablierten Roboterplattformen erzielt wird.
Um diese Systeme zu trainieren, setzt Mimic auf eine einzigartige Datenerfassungspipeline. Menschliche Bediener tragen spezielle Geräte, um detaillierte Bewegungsdaten während normaler Fabrikschichten zu erfassen. Diese Daten werden dann für das Imitationslernen der Roboter verwendet.
Zürich: Ein Zentrum für 'Physical AI'
Zürich entwickelt sich schnell zu einem globalen Zentrum für 'Physical AI' und kognitive Robotik. Die Region profitiert von einer hohen Konzentration an Talenten der ETH Zürich, die die Lücke zwischen maschinellem Lernen und mechanischer Steuerung schließen. Neben Mimic Robotics hat auch Neura Robotics Ende 2025 seine Humanoiden-Forschung und -Entwicklung nach Zürich verlegt, um von diesem Talentpool zu profitieren.
Automobilindustrie im Wandel: Die Konvergenz von Humanoiden und Fahrzeugbau
Audis Schritt in die lernbasierte Montage reiht sich ein in eine Reihe ähnlicher Projekte in der gesamten Automobilbranche. Viele Hersteller erkennen das Potenzial der KI-gesteuerten Robotik für die komplexesten Phasen der Fahrzeugmontage.
Beispiele aus der Automobilindustrie:
- BMW: Hat ein 11-monatiges Pilotprojekt abgeschlossen, bei dem der Figure 02-Roboter über 90.000 Blechteile in seinem Werk in Spartanburg verladen hat.
- Hyundai: Nutzt seine Beteiligung an Boston Dynamics, um einen produktionsreifen Atlas-Roboter für Sequenzierungsaufgaben in seinem Georgia Metaplant vorzubereiten.
- Ford: Hat in Köln erfolgreiche Versuche mit dem HMND 01 Alpha des britischen Startups Humanoid für Kommissionier- und Behälterentnahmeaufgaben durchgeführt.
- Renault: Ging eine strategische Partnerschaft mit Wandercraft ein, um die 'Calvin'-Familie von Industrie-Humanoiden für körperlich anstrengende Aufgaben zu entwickeln.
- Mercedes-Benz: Der deutsche Automobilhersteller ist an Apptronik beteiligt.
Die Entscheidung von Audi für eine Plattform, die sich speziell auf die geschickte Manipulation konzentriert – also Roboterhände mit vielen Freiheitsgraden anstelle einfacher Greifer – deutet auf ein starkes Interesse hin, die finalen, komplexesten Stufen der Fahrzeugmontage zu automatisieren.
Der Erfolg der Audi-Mimic-Zusammenarbeit wird davon abhängen, ob diese lernbasierten Systeme die für globale Produktionslinien erforderliche Verfügbarkeit von 99,9 % aufrechterhalten können. Dies ist eine hohe Hürde, die es zu meistern gilt, aber das Potenzial für Effizienzsteigerungen ist enorm.





