Das in Austin ansässige Robotikunternehmen Apptronik verfolgt einen pragmatischen Ansatz bei der Entwicklung humanoider Roboter. Während viele Wettbewerber auf spektakuläre Videodemos setzen, konzentriert sich Apptronik auf die Entwicklung robuster, industrietauglicher Maschinen für den kommerziellen Einsatz. Das Unternehmen, das fast eine Milliarde US-Dollar an Investitionen gesammelt hat, verschiebt den öffentlichen Start seiner nächsten Apollo-Version, um die kommerzielle Reife zu gewährleisten.
Wichtige Erkenntnisse
- Apptronik priorisiert Substanz über Hype und konzentriert sich auf industrielle Zuverlässigkeit.
- Die nächste Version des humanoiden Roboters Apollo wird 2026 erwartet, mit Fokus auf Skalierbarkeit.
- Das Unternehmen entwickelt auch rollende humanoide Roboter für schnellere Rentabilität in der Logistik.
- Langfristig plant Apptronik eine schrittweise Einführung in Industrie, Handel und Haushalt.
Fokus auf industrielle Zuverlässigkeit
Apptronik hat sich in der Robotikbranche einen Namen gemacht, indem es auf industrielle Zuverlässigkeit setzt. Dies steht im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, die häufig mit aufwendigen Videos und beeindruckenden Demos auf sich aufmerksam machen. Jeff Cardenas, Mitbegründer und CEO von Apptronik, betont diesen Ansatz. Er möchte, dass das, was in einem Video gezeigt wird, auch live und persönlich demonstriert werden kann.
Das Unternehmen hat trotz einer erheblichen Finanzierung von insgesamt fast einer Milliarde US-Dollar bewusst eine zurückhaltende Kommunikationsstrategie gewählt. Diese Strategie unterscheidet Apptronik von Firmen wie Figure oder Tesla, die einen Wettlauf um öffentliche Aufmerksamkeit führen. Für Cardenas zählt die praktische Anwendbarkeit mehr als virale Inhalte.
Faktencheck
- Gesamtkapital: Fast 1 Milliarde US-Dollar nach einer Series A-X Erweiterung.
- Aktuelle Partner: Mercedes-Benz und GXO Logistics testen Apollo bereits in Pilotprojekten.
- KI-Integration: Google DeepMind nutzt Apollo als Hardware-Plattform für seine Gemini-Modelle.
Die nächste Generation des Apollo und der Fahrplan für 2026
Der aktuelle Apollo-Roboter von Apptronik ist bereits in kommerziellen Pilotprojekten im Einsatz. Partner wie Mercedes-Benz und GXO Logistics testen ihn. Auch Google DeepMind nutzt Apollo als Hardware für seine Gemini-Modelle. Cardenas kündigte an, dass mehrere „nächste Versionen“ des Roboters parallel entwickelt werden.
Die öffentliche Vorstellung der nächsten Iteration war ursprünglich für 2025 geplant, wurde jedoch auf 2026 verschoben. Cardenas beschreibt diese kommende Version als eine „Verfeinerung“. Danach soll schnell ein „signifikanter Sprung“ in der Hardware- und Software-Integration folgen. Das Ziel ist es, Roboter zu entwickeln, die Aufgaben wiederholt, in großem Maßstab und mit minimalen Ausfallzeiten ausführen können, nicht nur einmal für eine Kamera.
„Eines meiner Kriterien ist: Wenn ich Ihnen etwas in einem Video zeigen kann, sollte ich es Ihnen auch live persönlich zeigen können“, sagte Cardenas und unterstrich damit den Ansatz „Substanz über Hype“.
Räder statt Beine: Ein pragmatischer Ansatz
Eine Besonderheit in Apptroniks Strategie ist der zweigleisige Ansatz bei der Mobilität. Obwohl „humanoid“ normalerweise zweibeiniges Gehen impliziert, setzt Apptronik auch auf Räder für die Oberkörper seiner Roboter. Cardenas argumentiert, dass rollende Varianten in strukturierten Umgebungen wie Fabrikhallen einen schnelleren Weg zum Return on Investment (ROI) bieten.
Die Vorteile von Radsystemen sind vielfältig:
- Einfache Bereitstellung: Radsysteme sind stabiler und benötigen keine konstante Energie, um aufrecht zu bleiben.
- Kosteneffizienz: Sie sind in der Regel günstiger in Herstellung und Wartung als komplexe zweibeinige Systeme.
- Sicherheit: In frühen industriellen Umgebungen stellen rollende Roboter geringere Sicherheitsrisiken dar, wenn sie in der Nähe von Menschen arbeiten.
Cardenas räumt ein, dass Beine für unebenes Gelände und enge Profile unerlässlich sind. Für die unmittelbaren Anforderungen in Logistik und Fertigung erwartet er jedoch eine größere Nachfrage nach rollenden Humanoiden. Diese bieten schnellere Einsatzmöglichkeiten und sind wirtschaftlicher.
Hintergrund: Die drei Phasen der Humanoiden-Evolution
Jeff Cardenas skizziert eine langfristige Vision für die Humanoiden-Industrie, die drei verschiedene Adoptionsphasen umfasst:
- Phase Eins (Industrie): Fokus auf Logistik und Fertigung (z.B. Behältertransport, Teileentnahme). Hier können Roboter von Menschen getrennt arbeiten, während Sicherheitsstandards entwickelt werden.
- Phase Zwei (Kommerz): Expansion in Bereiche wie Gesundheitswesen, Gastgewerbe und Einzelhandel. Diese Phase erfordert feine Manipulation und kollaborative Sicherheitsstandards.
- Phase Drei (Zuhause): Das „große Ziel“ der unterstützenden Pflege und Haushaltshilfe. Cardenas sieht dies als ein 5- bis 10-Jahres-Ziel, bei dem Roboter günstiger als ein Auto werden müssen, um den Massenmarkt zu erreichen.
Neue strategische Allianzen und die Zukunft
Die jüngste Finanzierungsrunde brachte John Deere als strategischen Investor an Bord. Dies deutet darauf hin, dass Apptroniks Technologie bald auch in der Landwirtschaft eingesetzt werden könnte. Cardenas äußerte sich nicht zu Details der Partnerschaft, beschrieb den Landmaschinenhersteller jedoch als einen „Wegweiser der amerikanischen Wirtschaft“.
Zudem hat Apptronik kürzlich Elevate Robotics gegründet. Diese Tochtergesellschaft konzentriert sich auf „übermenschliche“ industrielle Automatisierung und entfernt sich vollständig vom humanoiden Formfaktor, um schwere Aufgaben zu bewältigen. Dies zeigt die Breite der Anwendungen, die Apptronik anstrebt.
Die nächsten zwei Jahre sind entscheidend, da Apptronik in die „Phase der kommerziellen Rentabilität“ eintritt. Mit fast einer Milliarde US-Dollar an Unterstützung und dem Fokus auf die „Härtung“ seiner Hardware für die reale Welt setzt das Unternehmen darauf, dass der Gewinner im Rennen um humanoide Roboter nicht derjenige mit den meisten viralen Videos sein wird, sondern derjenige, dessen Roboter eine ganze Schicht lang zuverlässig arbeiten können.





