Bernt Børnich, CEO von 1X Technologies, hat eine kühne Prognose für die Zukunft der Robotik abgegeben. Er erwartet, dass ein „Hard Takeoff“ der physischen künstlichen Intelligenz, bei dem Roboter autonom andere Roboter bauen und komplexe Infrastrukturen betreiben, in nur drei bis zehn Jahren eintreten könnte. Diese Entwicklung würde eine Ära des Überflusses an Arbeitskräften einleiten.
Wichtige Erkenntnisse
- 1X CEO Bernt Børnich prognostiziert einen „Hard Takeoff“ der Robotik in 3-10 Jahren.
- Der humanoide Roboter NEO wird als offene Plattform konzipiert.
- 1X setzt auf eine vierstufige „Datenpyramide“ zur Modellschulung, die stark auf menschliches Internetvideo basiert.
- Die Biomechanik des NEO ist eng an die des Menschen angelehnt, um effizientes Training zu ermöglichen.
- Die ersten NEO-Konsumentenlieferungen sind für 2026 geplant.
Der Countdown zum „Hard Takeoff“
Børnich definierte den „Hard Takeoff“ als einen Zustand, in dem Roboter selbstständig andere Roboter herstellen, Rechenzentren bauen und Chipfabriken betreiben. Dies würde eine echte Fülle von Arbeitskräften schaffen. Seine optimistische Zeitlinie überrascht viele Experten in der Branche.
Während zehn Jahre die obere Grenze seiner Schätzung darstellen, sieht Børnich intern eine viel schnellere Entwicklung. Er wettet auf drei Jahre als realistisches Ziel. Er betont, dass physische Hardware für diesen Fortschritt unerlässlich ist, da digitale Intelligenz ohne verkörperte Maschinen kein eigenes physisches Substrat erzeugen kann.
„Ich bin extrem sicher, dass wir weniger als ein Jahrzehnt vom Hard Takeoff entfernt sind“, sagte Børnich.
Faktencheck
- Prognose: „Hard Takeoff“ der Robotik in 3-10 Jahren.
- Definition: Roboter bauen andere Roboter, Rechenzentren und Chipfabriken.
- Interne Wette: Drei Jahre für den Start.
NEO als offene Plattform
Um diese Entwicklung zu beschleunigen, setzt 1X auf ein offenes Ökosystem für den NEO. Børnich bestätigte, dass NEO als Entwicklerplattform fungieren wird, die eine Art „App Store“ für spezifische Fähigkeiten unterstützen kann. Dies ermöglicht es Unternehmen, den Roboter für ihre individuellen Bedürfnisse anzupassen.
Als Beispiel nannte Børnich ein automatisiertes Saftgeschäft. Ein Geschäftsinhaber könnte NEO-Roboter kaufen, mit speziellen Datenerfassungshandschuhen und Vision-Systemen Aufgaben im Laden erfassen und dann ein Modell über die Flottenmanagement-Software von 1X feinabstimmen.
Die Plattform bietet verschiedene Autonomie-Modi:
- Volle Autonomie: Das feinabgestimmte Modell verwaltet das Geschäft eigenständig.
- Geteilte Autonomie: Menschliche Bediener greifen gelegentlich per Teleoperation ein, um Grenzfälle zu bewältigen. Dies generiert gleichzeitig hochwertige Korrekturdaten.
- Volle Teleoperation: Für hochkomplexe oder seltene Aufgaben können Unternehmen vollständig auf Fernarbeiter setzen.
1X wird auch ermöglichen, dass andere KI-Firmen wie OpenAI oder Anthropic ihre eigenen Weltmodelle auf der NEO-Hardware ausführen. Der Roboter dient dabei als physische API. Børnich betonte, dass ein offenes Robotik-Ökosystem der gesamten Branche zugutekommt.
Hintergrund: Offene Plattformen
Das Konzept einer offenen Plattform, ähnlich einem App Store, ist entscheidend für die schnelle Verbreitung und Anpassung von Robotik-Technologien. Es ermöglicht Drittanbietern, spezialisierte Anwendungen zu entwickeln, was die Funktionalität der Roboter exponentiell erweitern kann.
Die Datenpyramide und menschliche Quer-Verkörperung
Ein zentraler Aspekt der 1X-Strategie ist die Schulung des „1X World Model“ (1XWM). Børnich erläuterte eine vierstufige „Datenpyramide“ zur Trainingsstrategie:
- Teleoperationsdaten (Spitze): Hochwertige, spezifische Daten, die sparsam zur Modellausrichtung verwendet werden.
- Sensordaten: Menschen tragen Robotersensoren, um Aufgaben auszuführen.
- Egocentrische Videos: Videos aus der Ich-Perspektive eines Menschen.
- Allgemeine Videodaten (Basis): Die riesige Menge an menschlichen Videos, die im Internet verfügbar sind (z.B. YouTube).
1X setzt stark auf die unterste Schicht der Pyramide. Um menschliche Internetvideos in Roboteraktionen zu übersetzen, ist Hardware erforderlich, die menschliche Biomechanik perfekt nachahmt. Der NEO wurde genau dafür entwickelt.
„Unsere Quer-Verkörperung ist der Mensch“, erklärte Børnich. Dies erklärt, warum NEO über weiches Gewebe, realistische Hautreibung und hochflexible Hände mit 22 Freiheitsgraden verfügt. Je ähnlicher die Hardware der menschlichen Anatomie ist, desto effizienter kann das 1X World Model Lab nützliche Strategien aus Standard-Internetmaterial extrahieren, ohne eine Verkörperungslücke zu erleiden.
Børnich stellte fest, dass die physischen Hände des NEO die Fähigkeiten einfacher Teleoperationen bereits übertroffen haben. Die Hardwaretreue ist mittlerweile größer, als ein Fernbediener ohne klobige, latenzbehaftete haptische Feedback-Anzüge effektiv nutzen kann. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Modelle über passive menschliche Videos statt über aktive Fernsteuerung zu trainieren.
Lieferungen und Preise für 2026
Trotz der ambitionierten Ziele für die allgemeine künstliche Intelligenz (AGI) konzentriert sich 1X auf seinen unmittelbaren Fahrplan für Endverbraucher. Børnich bestätigte, dass die ersten NEO-Einheiten im Jahr 2026 ausgeliefert werden. Er räumte jedoch ein, dass die anfängliche Einführung langsam sein und „noch Ecken und Kanten“ haben wird.
Für Early Adopter wird die Hardware eine erhebliche Investition erfordern. Der NEO ist derzeit zu einem Preis von 20.000 US-Dollar oder über ein monatliches Abonnementmodell von 499 US-Dollar erhältlich.
„Einen humanoiden Roboter im Jahr 2026 im Haus zu haben, wird schwierig sein“, bemerkte Børnich und räumte ein, dass die Roboter gelegentlich umfallen werden. Dennoch ist er zuversichtlich, dass die Systeme, die nächstes Jahr ausgeliefert werden, eine wirklich nützliche, vollständig autonome Erfahrung direkt nach dem Auspacken bieten können.
Liefer- und Preisdetails
- Erste Lieferungen: 2026
- Kaufpreis: 20.000 US-Dollar
- Abonnement: 499 US-Dollar pro Monat
- Erwartung: Anfangs holprig, aber nützlich und autonom.
Die Zukunft der Robotik
Die Vision von 1X Technologies und Bernt Børnich zeichnet ein Bild einer Zukunft, in der Roboter nicht nur repetitive Aufgaben übernehmen, sondern aktiv an der Schaffung und dem Ausbau ihrer eigenen Infrastruktur beteiligt sind. Die offene Plattformstrategie und der datenintensive Trainingsansatz könnten tatsächlich den Weg für eine schnellere Entwicklung ebnen, als viele Experten bisher angenommen haben.
Die bevorstehende Einführung des NEO für Endverbraucher im Jahr 2026 wird einen ersten praktischen Einblick in das Potenzial dieser Technologie geben, auch wenn die anfänglichen Herausforderungen nicht zu unterschätzen sind. Die Welt steht möglicherweise am Vorabend einer tiefgreifenden technologischen Transformation, die das Konzept von Arbeit und Produktion grundlegend verändern könnte.





