Karies bleibt trotz Fortschritten in der Zahnpflege ein weit verbreitetes Problem. Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Zahngesundheit bei Kindern und Jugendlichen zwar deutlich besser ist als früher, doch bei Erwachsenen sind immer noch viele Zähne betroffen. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von präventiven Maßnahmen bis zu komplexen Füllungen. Ein Überblick über die verschiedenen Ansätze ist entscheidend, um die richtige Wahl zu treffen und die Zahnsubstanz langfristig zu erhalten.
Wichtige Erkenntnisse
- Kariesbefall bei Kindern und Jugendlichen ist stark zurückgegangen, bei Erwachsenen jedoch immer noch hoch.
- Frühe Karies kann oft minimal-invasiv behandelt werden, zum Beispiel mit Fluorid oder Infiltration.
- Es gibt verschiedene Füllmaterialien wie Komposite, Keramik und Gold, jede mit spezifischen Vor- und Nachteilen.
- Amalgamfüllungen sind seit dem 1. Januar 2025 in der EU verboten.
- Die Kostenübernahme durch Krankenkassen variiert je nach Material und Zahnposition.
Wie Karies entsteht und sich entwickelt
Karies beginnt mit Zahnbelag, einem Biofilm aus Bakterien, der sich durch Speisereste bildet. Diese Bakterien ernähren sich von Zucker und wandeln ihn in Säuren um. Die Säuren greifen den Zahnschmelz an und entziehen ihm wichtige Mineralstoffe. Wird der Zahnschmelz porös, können Bakterien in den Zahn eindringen und ihn schädigen.
Der Speichel kann kleinere Schäden reparieren, indem er Mineralstoffe wieder in den Zahn einlagert. Ein übermäßiger Zuckerkonsum und mangelnde Zahnpflege stören jedoch dieses Gleichgewicht. Dann schreitet die Karies fort.
Zahlen zur Zahngesundheit
- Bei zwei von zehn 12-Jährigen ist heute mindestens ein Zahn von Karies betroffen. In den 1980er Jahren waren es noch durchschnittlich sieben Zähne.
- Bei Erwachsenen zwischen 35 und 44 Jahren sind im Schnitt elf Zähne gefüllt, überkront oder fehlen aufgrund von Karies.
Früherkennung und erste Behandlungsschritte
Je früher Karies erkannt wird, desto weniger Zahnsubstanz muss geopfert werden. Im Frühstadium zeigen sich Karies oft als weiße oder braune Flecken auf den Zähnen. In diesem Fall kann eine Behandlung mit fluoridhaltigem Gel oder Lack ausreichen. Fluorid fördert die Wiedereinlagerung von Mineralstoffen in den Zahnschmelz.
Eine moderne und minimal-invasive Methode bei beginnender Karies ist die Infiltration. Dabei füllt der Zahnarzt poröse Stellen mit flüssigem Kunststoff, der anschließend aushärtet. Dies blockiert die Bakterien und verhindert ein Fortschreiten der Karies.
„Die Infiltration kann beginnende Karies stoppen und so größere Schäden verhindern. Allerdings bieten nicht alle Zahnärzte diese Methode an, und die Kosten müssen Patient:innen oft selbst tragen.“
Kosten und Wirksamkeit der Infiltration
Die Kosten für eine Kariesinfiltration liegen pro Zahn bei etwa 80 bis 100 Euro. Diese werden im Rahmen einer individuellen Gesundheitsleistung (IGeL) oft nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Studien zeigen jedoch, dass die Infiltration in Kombination mit guter Mundhygiene beginnende Karies wirksam stoppen kann. Die anfänglichen Kosten können sich durch die Vermeidung teurerer Behandlungen langfristig rentieren.
Was ist eine IGeL-Leistung?
IGeL steht für 'Individuelle Gesundheitsleistungen'. Dies sind medizinische Leistungen, die von Patient:innen selbst bezahlt werden müssen, da sie nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung gehören oder über diesen hinausgehen. Die Entscheidung für oder gegen eine IGeL-Leistung sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt getroffen werden.
Fortgeschrittene Karies und Füllungen
Wenn Karies weiter in den Zahn vordringt und richtige Löcher (Kavitäten) entstehen, muss die zerstörte Zahnsubstanz entfernt werden. Dies geschieht in der Regel durch Ausbohren. Anschließend wird der Zahn mit einer Füllung versorgt. Bei stärkeren Schäden kann eine Teilkrone oder Krone notwendig sein. Sind bereits die Zahnnerven betroffen, ist meist eine Wurzelkanalbehandlung unumgänglich.
Arten von Zahnfüllungen
Zahnfüllungen lassen sich in zwei Hauptkategorien unterteilen: plastische Füllungen und Einlagefüllungen.
Plastische Füllungen (direkte Füllungen)
Diese Füllungen werden direkt im Mund in den vorbereiteten Zahn eingebracht und härten dort aus. Sie eignen sich besonders für kleinere bis mittelgroße Defekte und werden meist in einer einzigen Sitzung angefertigt.
- Glasionomerzement: Dieses Material besteht aus Glaspartikeln und Polyacrylsäure. Es haftet gut am Zahn und setzt Fluorid frei, was zusätzlich zur Kariesprophylaxe beiträgt.
- Kunststoff-Mischungen (Komposite): Komposite bestehen aus Kunststoffen und Füllstoffen wie Glas oder Quarz. Sie sind ästhetisch ansprechend, da sie in Zahnfarbe angepasst werden können, und werden häufig für sichtbare Zähne verwendet. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen im Frontzahnbereich die Kosten für zahnfarbene Kompositfüllungen in Einschichttechnik. Bei größeren Defekten ist oft eine Mehrschichttechnik notwendig, bei der das Material Schicht für Schicht eingebracht und gehärtet wird. Diese Mehrschichttechnik ist in der Regel eine Zuzahlungsleistung.
Einlagefüllungen (indirekte Füllungen)
Einlagefüllungen, auch Inlays genannt, werden außerhalb des Mundes in einem zahntechnischen Labor oder mithilfe moderner Computertechnik direkt in der Praxis gefertigt. Sie werden passgenau hergestellt und anschließend in den Zahn eingesetzt. Diese Art von Füllung kommt oft bei größeren Zahndefekten zum Einsatz, wenn eine plastische Füllung nicht ausreicht.
- Keramik: Keramikfüllungen (Porzellan-Inlays) passen sich hervorragend der natürlichen Zahnfarbe an und sind sehr widerstandsfähig gegen Abrieb.
- Goldlegierungen: Goldinlays sind aufgrund ihrer hohen Festigkeit besonders für Backenzähne geeignet, wo der Kaudruck am höchsten ist. Sie sind die teuersten Versorgungsoptionen.
Das Ende der Amalgamfüllungen
Eine wichtige Neuerung betrifft Amalgamfüllungen. Bis zum 31. Dezember 2024 waren diese in der EU zugelassen. Amalgam ist eine Legierung aus Quecksilber und anderen Metallen wie Silber, Zinn und Kupfer. Es war lange Zeit wegen seiner Haltbarkeit und kostengünstigen Herstellung beliebt. Seit dem 1. Januar 2025 ist die Verwendung von Amalgamfüllungen in der gesamten EU verboten.
Dieses Verbot ist Teil der europäischen Bemühungen, die Umweltbelastung durch Quecksilber zu reduzieren, da Quecksilber als umwelt- und gesundheitsgefährdend gilt. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete, dass in der EU jährlich etwa 40 Tonnen Quecksilber für Zahn-Amalgam verbraucht wurden, obwohl es praktikable quecksilberfreie Alternativen gibt.
Ein Austausch intakter Amalgamfüllungen sollte jedoch gut überlegt sein. Bei jedem Füllungsaustausch geht weitere gesunde Zahnsubstanz verloren. Die Kosten für den Austausch intakter Füllungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich nicht übernommen.
Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Die Kostenübernahme für Zahnfüllungen hängt stark vom Material und der Position des Zahnes ab. Im Frontzahnbereich übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für zahnfarbene Kunststofffüllungen (Komposite), allerdings nur für die Einschichttechnik. Bei größeren Defekten, die eine Mehrschichttechnik erfordern, müssen Patient:innen einen Teil der Kosten selbst tragen.
Einlagefüllungen aus Keramik oder Gold sind die teuersten Optionen und werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht vollständig übernommen. Patient:innen müssen hier mit hohen Zuzahlungen rechnen oder die Kosten komplett selbst tragen, wenn sie sich für diese hochwertigen Materialien entscheiden.
Eine umfassende Vorsorge ist der beste Weg, um Karies zu vermeiden. Dazu gehören eine gesunde Ernährung, regelmäßige und gründliche Zahnpflege sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt. So lassen sich viele Behandlungen von vornherein vermeiden und die eigenen Zähne bleiben lange gesund.





