Das Startup Terralayr hat eine Finanzierungsrunde von 192 Millionen Euro erfolgreich abgeschlossen. Das Kapital fließt hauptsächlich in den Aufbau eigener Batteriespeicher-Systeme (BESS) und den Ausbau der Flexibilitätsplattform LAYR. Diese Investition soll die Energiewende in Europa entscheidend voranbringen, indem sie die Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz verbessert.
Wichtige Punkte
- Terralayr erhielt 192 Millionen Euro, angeführt von Eurazeo und RIVE Private Investment.
- Ein Großteil der Mittel wird in den Bau eigener Batteriespeicher investiert.
- Die Plattform LAYR ermöglicht die virtuelle Vermietung und Beschaffung von Batteriespeicherkapazitäten.
- Große Energieunternehmen wie Vattenfall und RWE nutzen LAYR bereits für Abnahmeverträge.
- LAYR hat bereits über 50 MW an Batteriespeichern im Live-Betrieb und weitere 100 MW sind geplant.
Massive Investition in grüne Energiezukunft
Terralayr, ein junges Unternehmen im Bereich der Energiespeicherung, hat eine bedeutende Finanzierungsrunde über 192 Millionen Euro abgeschlossen. Diese Summe stammt hauptsächlich von dem Investor Eurazeo, unterstützt vom bestehenden Aktionär RIVE Private Investment. Die Finanzierung umfasst auch eine Option zur Aufstockung um 80 Millionen Euro, was das Vertrauen der Investoren in das Geschäftsmodell von Terralayr unterstreicht.
Das Hauptziel dieser Investition ist der Ausbau des Portfolios an netzgebundenen Batteriespeicher-Systemen (BESS) und die Weiterentwicklung der Softwareplattform LAYR. Diese Plattform ist entscheidend, um die Flexibilität im Energiemarkt zu erhöhen und die Integration von erneuerbaren Energien zu erleichtern.
Faktencheck
- Gesamtförderung: 192 Millionen Euro (entspricht 223 Millionen US-Dollar).
- Führender Investor: Eurazeo.
- Bestehender Investor: RIVE Private Investment.
- Zusätzliche Option: 80 Millionen Euro Aufstockung.
LAYR: Die Plattform für virtuelle Energiespeicher
Die von Terralayr entwickelte Plattform LAYR ist ein zentrales Element der Strategie des Unternehmens. Sie ermöglicht es Eigentümern und Optimierern von Batteriespeichern, Flexibilität unter sogenannten Tolling-Vereinbarungen zu mieten oder anzubieten. Dies geschieht durch die Virtualisierung der Speicherkapazitäten, was eine dynamische Zuweisung und Nutzung über verschiedene Zeiträume und Größenordnungen hinweg erlaubt.
Philipp Man, Mitbegründer und CEO von Terralayr, betont, dass ein Großteil der frischen Mittel in die eigenen Anlagen des Unternehmens fließen wird. Ein "bedeutender" Anteil ist jedoch auch für die Weiterentwicklung von LAYR und die Gewinnung weiterer Drittanbieter für die Plattform vorgesehen. Dies zeigt die duale Strategie von Terralayr: eigene Infrastruktur aufbauen und gleichzeitig eine führende Technologieplattform etablieren.
"Heute wird LAYR über eine Mischung aus Terralayr-eigenen Anlagen und Systemen von Drittanbietern genutzt, mit einer klaren Tendenz zu einem zunehmenden Anteil von Drittanbieter-Kapazitäten im Laufe der Zeit." – Philipp Man, CEO von Terralayr
Starke Partner im Rücken
Die Effektivität von LAYR wird bereits von großen Akteuren im Energiemarkt bestätigt. Unternehmen wie Vattenfall und RWE haben im vergangenen Jahr Abnahmeverträge über die Plattform abgeschlossen. Auch Optimierer wie Entrix, Suena Energy und The Mobility House Energy nutzen LAYR, um Kapazitäten zu optimieren. Aktuell sind über 50 MW an Batteriespeichern über LAYR im Live-Betrieb, weitere 100 MW sollen in Kürze folgen.
Die Tolling-Verträge können über Zeiträume von fünf bis sieben Jahren laufen, wie die Vereinbarungen mit Vattenfall und RWE zeigen. Darüber hinaus bietet die Plattform kurzfristige Batterieauktionen mit Verträgen von ein bis sieben Tagen an, was eine hohe Flexibilität für den Markt schafft.
Hintergrund: Batteriespeicher-Systeme (BESS)
Batteriespeicher-Systeme (BESS) spielen eine entscheidende Rolle bei der Stabilisierung von Stromnetzen und der Integration erneuerbarer Energien. Sie können überschüssigen Strom speichern und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen, um Schwankungen in der Stromerzeugung auszugleichen. Dies ist besonders wichtig bei volatilen Quellen wie Solar- und Windenergie.
Herausforderungen und technologische Innovationen
Der Aufbau einer solchen Plattform bringt technische Herausforderungen mit sich. Philipp Man erklärt, dass eine der größten Aufgaben darin bestand, von einem Modell "eine Batterie, ein Optimierer" wegzukommen. Stattdessen wurde eine Kapazitätsabstraktion mit virtuellen Batterien geschaffen. Dies ermöglicht eine dynamische Umverteilung der Kapazität ohne physische Hardwareänderungen.
Ein weiterer Punkt ist die Skalierbarkeit der Telemetrie. Batteriespeicher-Anlagen erzeugen enorme Datenmengen. Eine Infrastruktur aufzubauen, die unter dieser Datenflut reaktionsschnell bleibt, war eine technische Meisterleistung. Das System muss zudem höchste Anforderungen an Ausfallsicherheit, Sicherheit und Betriebszeit erfüllen.
Markt- und regulatorische Integrationen
Terralayr musste auch unterschiedliche Batterietypen und Kommunikationsprotokolle verschiedener Hersteller berücksichtigen. Hierfür wurde eine herstellerunabhängige Middleware-Schicht entwickelt. Diese ermöglicht es den Nutzern, über eine Standard-API mit der Plattform zu interagieren, unabhängig von der zugrunde liegenden Hardware.
Die Plattform bietet bereits jetzt professionelle Risiko- und Performance-Management-Tools für BESS-Eigentümer. Zukünftig sollen diese Funktionen erweitert werden, um beispielsweise flexible Zuweisungen zu kurz-, mittel- und langfristigen De-Risking-Optionen per Mausklick zu ermöglichen, anstatt langwieriger analoger Transaktionen.
Technologische Meilensteine von LAYR
- Kapazitätsabstraktion: Ermöglicht virtuelle Batterien und dynamische Kapazitätsumverteilung.
- Skalierbare Telemetrie: Verarbeitet riesige Datenmengen ohne Leistungsverlust.
- Herstellerunabhängige Middleware: Einheitliche API für diverse Hardware.
- Risiko- und Performance-Management: Tools für BESS-Eigentümer.
Potenzial für den deutschen Markt und darüber hinaus
Die weite Verbreitung von LAYR im deutschen Markt könnte weitreichende Auswirkungen haben. Philipp Man sieht LAYR als die "Go-to-Plattform für Flexibilität auf Abruf". Sowohl Abnehmer als auch Projektentwickler könnten ihre Abnahmestrategie individuell nach ihrem Risiko- und Ertragsprofil verwalten.
Dadurch würden Batteriespeicher zu einer bankfähigen Infrastruktur-Anlageklasse und ihre Integration in den Markt erheblich erleichtert. Gleichzeitig würde LAYR die Netzintegration von Speichern und Flexibilität fördern, indem es ein verteiltes Netzwerk von Anlagen gemäß Markt- und Netzsignalen steuert.
Dies trägt nicht nur dazu bei, dass BESS ihr volles Potenzial entfalten, sondern auch zur Stabilität des Netzes und zur Systemintegration immer mehr erneuerbarer Energien. Konkrete Vorteile einer weiteren Verbreitung von LAYR wären:
- Effizientere Nutzung: Optimale Auslastung der Speicher durch dynamische Zuweisung.
- Netzstabilität: Bessere Steuerung und Ausgleich von Schwankungen im Stromnetz.
- Marktintegration: Erleichterter Handel mit Speicherkapazitäten.
- Risikominimierung: Verbesserte Management-Tools für Anlagenbetreiber.
- Kostenersparnis: Reduzierung von Betriebskosten durch optimierte Zyklen.
Terralayr arbeitet auch an der Stärkung des Umgangs mit flexiblen Anschlussvereinbarungen (FCAs), einschließlich Rampenraten, und sieht großes Potenzial in der intelligenten Lastverteilung über ein gesamtes Portfolio von Anlagen. Dies soll den Verschleiß reduzieren und die profitable Nutzung maximieren.
Die Investition von 192 Millionen Euro ist ein starkes Signal für die wachsende Bedeutung von Energiespeichern und digitalen Plattformen im Übergang zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft. Terralayr positioniert sich damit als wichtiger Akteur für die Energiezukunft in Deutschland und Europa.





