Die Suche nach Alternativen zu Lithium-Ionen-Batterien gewinnt an Fahrt, angetrieben durch Sicherheitsbedenken und Lieferkettenrisiken. Während etablierte Hersteller wie CATL und Gotion High-Tech ihre Produktpalette erweitern, konzentrieren sich Start-ups wie Invinity Energy Systems, Eos Energy Enterprises und ESS Tech auf neue elektrochemische Lösungen. Diese Unternehmen stehen jedoch vor erheblichen finanziellen Herausforderungen, da sie sich in einer frühen Phase der Kommerzialisierung befinden.
Wichtige Erkenntnisse
- Drei Hauptakteure bei alternativen Batterien sind Invinity Energy Systems (Vanadium-Flow), Eos Energy Enterprises (Zink) und ESS Tech (Eisen-Flow).
- Diese Unternehmen konzentrieren sich primär auf Energiespeichersysteme und nicht auf Elektrofahrzeuge, was ihr Umsatzrisiko erhöht.
- Trotz hohem Wachstum bei Eos Energy in H1 2025, leiden alle drei unter negativen Betriebsergebnissen und hohem Kapitalbedarf.
- Invinity Energy Systems zeigt die stabilste finanzielle Lage, während Eos Energy stark von externen Finanzierungen abhängt.
- Der Markt für Langzeit-Energiespeicher (LDES) bietet diesen Technologien Wachstumschancen, aber Lithium-Ionen dominiert weiterhin.
Der Aufstieg alternativer Batterietechnologien
Lithium-Ionen-Batterien dominieren seit Langem den Markt für Energiespeichersysteme. In den 2020er Jahren verlagerte sich der Fokus dabei von Nickel-Kobalt-Mangan (NCM) zu Lithium-Eisen-Phosphat (LFP). Trotz ihrer hohen Energiedichte und langen Lebensdauer gibt es Einschränkungen, insbesondere Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit thermischem Durchgehen. Die Unsicherheit bei der langfristigen Rohstoffversorgung und geopolitische Spannungen treiben die Suche nach Alternativen voran.
Große Batteriehersteller wie CATL und Gotion High-Tech erweitern ihre Produktlinien. CATL hat beispielsweise in diesem Jahr die Massenproduktion von Natrium-Ionen-Batterien aufgenommen, während Gotion High-Tech Festkörperbatterien entwickelt. Parallel dazu konzentrieren sich Start-ups auf gänzlich neue Chemieansätze. Invinity Energy Systems setzt auf Vanadium-Flow-Batterien, Eos Energy Enterprises auf Zink-Batterien und ESS Tech auf Eisen-Flow-Batterien.
Wissenswertes
Im Gegensatz zu den meisten großen Batterieherstellern, die auch Elektrofahrzeuge beliefern, generieren Invinity, Eos und ESS über 80% ihres Umsatzes ausschließlich aus Energiespeichersystemen. Diese mangelnde Umsatzdiversifizierung stellt ein erhebliches Risiko dar.
Finanzielle Herausforderungen in der Skalierungsphase
Die genannten drei Unternehmen befinden sich noch in einer frühen Phase ihrer Skalierung. Eos Energy begann erst 2020 mit der Produktion seiner Energy Block-Lösungen, und ESS Tech lieferte seine Produkte erst ab 2021 kommerziell aus. Ein starker Fokus auf Forschung und Entwicklung (F&E) kennzeichnete die Anfangsjahre. Die aktuelle Kommerzialisierung bedeutet, dass sie sich noch im Hochlauf der Fertigung befinden.
Obwohl Zink und Eisen im Vergleich zu Lithium breiter verfügbar sind und somit niedrigere Kosten versprechen, profitieren diese Batterietechnologien noch nicht von den Skaleneffekten, die Lithium-Ionen-Batterien genießen. Keines der drei Unternehmen hat bisher Betriebsgewinne erzielt. Eos und ESS verzeichneten jedoch im ersten Halbjahr 2025 eine Verbesserung ihrer operativen Margen.
Umsatzentwicklung und F&E-Investitionen
Im ersten Halbjahr 2025 zeigte Eos Energy ein beeindruckendes Umsatzwachstum von über 240% im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig stieg der Nettoverlust jedoch von 74,9 Millionen US-Dollar in H1 2024 auf 207,8 Millionen US-Dollar. Die Herstellungskosten überstiegen den Umsatz um mehr als das Dreifache. ESS Tech und Invinity hingegen verzeichneten einen Umsatzrückgang von 4% bzw. 84% im Jahresvergleich.
„Starke F&E-Investitionen sind ein Hauptmerkmal dieser Unternehmen, da es sich um relativ junge Technologien handelt und die Unternehmen selbst noch neu sind“, erklärt ein Branchenanalyst.
Für ESS Tech und Eos Energy überstiegen die F&E-Ausgaben seit 2020 den Umsatz, mit Ausnahme des ersten Halbjahres 2025 bei Eos. Invinity, das aus den Herstellern Avalon Battery und RedT entstand, hatte geringere F&E-Ausgaben, die 2023 durch einen Zuschuss der britischen Regierung in Höhe von 11 Millionen Pfund (ca. 14,61 Millionen US-Dollar) unterstützt wurden.
Hintergrund: Hoher Kapitalbedarf
Der durchschnittliche Kapitalaufwand (Capex) im Verhältnis zum Umsatz lag im letzten Jahr bei diesen drei Unternehmen bei 118%. Zum Vergleich: Die Top 10 der Energiespeicheranbieter wiesen durchschnittlich nur 17% auf. Diese hohen Investitionsausgaben tragen maßgeblich zum negativen freien Cashflow bei.
Liquiditätsrisiken und Finanzierungsstrategien
Die fehlenden Betriebsgewinne stellen ein erhebliches Liquiditätsrisiko dar. Eos Energy verzeichnete einen Anstieg des monatlichen operativen Cash-Burns von 12,3 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf 15,83 Millionen US-Dollar im ersten Halbjahr dieses Jahres. Invinity und ESS Tech agieren etwas vorsichtiger und konnten ihre monatliche Burn-Rate von 2024 auf H1 2025 um 7% bzw. 15% senken.
Trotz dieser Reduzierung könnte ESS Tech weiterhin mit Liquiditätsproblemen kämpfen. Das Unternehmen beendete H1 2025 mit einem Kassenbestand von 0,8 Millionen US-Dollar. Obwohl eine Finanzierungsrunde diesen Betrag Ende Juli auf 7,2 Millionen US-Dollar erhöhte, reichte dies bei der Burn-Rate von H1 2025 nur für 1,4 Monate.
- Eos Energy: Verfügt über den höchsten Kassenbestand von 153,9 Millionen US-Dollar Ende H1 2025, ist jedoch am stärksten von externen Finanzierungen abhängig. Das Unternehmen sicherte sich im November 2024 ein Darlehen des US-Energieministeriums von bis zu 305,3 Millionen US-Dollar und erhielt im selben Jahr bis zu 315,5 Millionen US-Dollar von Cerberus Capital Management LP. Das Schulden-Eigenkapital-Verhältnis von -1,63 im Q2 2025 ist besorgniserregend.
- Invinity und ESS Tech: Stehen in Bezug auf die Verschuldung besser da und sind hauptsächlich eigenkapitalfinanziert. Invinity gab an, im Mai 2025 keine ausstehenden externen Schulden zu haben. ESS Tech wies laut Q2 2025-Bericht eine Bruttoverschuldung von nur 0,87 Millionen US-Dollar auf und verstärkt seine Finanzierungsbemühungen mit einer Standby-Eigenkapitalbeteiligung von bis zu 25 Millionen US-Dollar und einer 40 Millionen US-Dollar-Transaktion mit einem von Yorkville Advisors Global verwalteten Investmentfonds im Oktober 2025.
Marktpotenzial und Zukunftsaussichten
Sollte der Energiespeichermarkt seinen Wachstumskurs fortsetzen, wird voraussichtlich auch der Markt für alternative Batterietechnologien wachsen. Dies wird durch den zunehmenden Bedarf an Langzeit-Energiespeichern (LDES) begünstigt, für die die Batterielösungen dieser Unternehmen ideal sind. Invinity und Eos Energy profitieren bereits vom britischen LDES Cap and Floor-Programm. Invinity wurde für mehrere Projekte ausgewählt, und Eos sicherte sich eine 5GWh-Vereinbarung mit Frontier Power.
Der wachsende Bedarf an Rechenzentren in den USA könnte auch ESS Tech zugutekommen. Dennoch bleibt der Markt begrenzt. Die meisten Entwickler setzen weiterhin auf die etablierteren Lithium-Ionen-Batterien. Von den drei analysierten Unternehmen scheint Invinity Energy Systems finanziell am besten aufgestellt zu sein und könnte in den kommenden Jahren die Gewinnschwelle erreichen.
Die hohen Anlaufkosten und der notwendige F&E-Aufwand für neue Batterietechnologien, gepaart mit einem kleineren Markt, stellen eine erhebliche Belastung für neue Unternehmen dar. Im Vergleich dazu haben HyperStrong (gegründet 2011) und Hithium (gegründet 2019), die sich auf Lithium-Ionen konzentrieren, bereits Profitabilität erreicht, obwohl HyperStrong als Systemintegrator keine eigenen Zellen herstellt.





