Immer mehr Menschen möchten ihr Geld verantwortungsvoll anlegen. Sie suchen nach Möglichkeiten, die nicht nur Rendite versprechen, sondern auch ethische und ökologische Kriterien erfüllen. Doch der Begriff der nachhaltigen Geldanlage ist nicht geschützt. Dies führt oft zu Verwirrung bei Verbrauchern, die sicherstellen wollen, dass ihr Geld tatsächlich Gutes bewirkt und nicht in kontroverse Branchen fließt.
Um Transparenz zu schaffen, haben verschiedene Organisationen Banken und Finanzprodukte unter die Lupe genommen. Ihre Untersuchungen zeigen, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den Anbietern gibt, selbst wenn sie sich als „grün“ oder „ethisch“ bezeichnen. Ein genauer Blick hinter die Marketingaussagen ist daher unerlässlich für jeden, der nachhaltig investieren möchte.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Begriff „nachhaltige Geldanlage“ ist rechtlich nicht geschützt, was die Definition erschwert.
- Banken mit speziellen Nachhaltigkeitsmodellen schließen oft Waffen, Atomkraft und fossile Brennstoffe aus.
- Nur wenige der untersuchten Banken erfüllen alle strengen Ausschlusskriterien.
- Der Fair Finance Guide bewertet Richtlinien von Banken bei Kreditvergabe und Investitionen.
- Neue EU-Leitlinien für Fondsnamen sollen ab Mai 2025 mehr Klarheit schaffen, gelten aber nicht für Sparprodukte.
Was bedeutet nachhaltige Geldanlage wirklich?
Verbraucher wünschen sich zunehmend Klarheit darüber, wohin ihr Geld fließt. Sie möchten wissen, ob ihre Investitionen in Waffen, Kinderarbeit oder klimaschädliche Kohle fließen. Die Finanzbranche reagiert auf diese Nachfrage mit einer Vielzahl von Produkten, die als „nachhaltig“, „umweltfreundlich“ oder „ethisch“ beworben werden.
Das Problem: Es gibt keine einheitlichen, gesetzlich verankerten Mindeststandards für eine nachhaltige Geldanlage. Jeder Anbieter kann diese Begriffe nach eigenem Ermessen interpretieren. Dies erschwert es Anlegern, verlässliche Entscheidungen zu treffen.
Wichtiger Fakt
Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hat Leitlinien für Fondsnamen erlassen, die seit dem 21. Mai 2025 für bestehende Investmentfonds gelten. Dies sind die ersten europaweiten Regeln, die festlegen, unter welchen Bedingungen ein Fonds Nachhaltigkeitsbegriffe im Namen führen darf. Diese Regelung betrifft jedoch nicht Sparprodukte.
Herausforderungen bei der Auswahl
Ohne klare Definitionen müssen Anleger selbst aktiv werden. Schöne Produktnamen und positive Werbung reichen nicht aus, um die tatsächliche Nachhaltigkeit einer Geldanlage zu beurteilen. Es ist notwendig, die Kriterien und Richtlinien der Finanzinstitute genau zu prüfen.
Die ESMA-Leitlinien sind ein Schritt in die richtige Richtung, aber sie decken nicht alle Bereiche ab. Besonders bei klassischen Sparprodukten bleibt die individuelle Auslegung der Nachhaltigkeitskriterien durch die Anbieter bestehen. Wer wirklich etwas bewegen möchte, sollte daher genauer hinsehen.
Banken mit besonderen Nachhaltigkeitsstandards
Einige Banken haben sich auf ein Geschäftsmodell spezialisiert, das von vornherein ethische und ökologische Kriterien in den Mittelpunkt stellt. Die Verbraucherzentrale Bremen untersuchte zuletzt im Jahr 2020 14 solcher Kreditinstitute. Diese Banken wenden ihre selbst festgelegten Kriterien auf ihr gesamtes Bankgeschäft an, sowohl im Kreditgeschäft als auch bei eigenen Anlagen.
Das Ziel dieser Banken ist klar: Sie wollen kontroverse Branchen und Unternehmen ausschließen und gleichzeitig ökologische sowie soziale Geschäftsfelder gezielt fördern. Dazu gehören beispielsweise Investitionen in Bildung, Gesundheit, Pflege, erneuerbare Energien oder ökologisches Bauen.
Ausschlusskriterien für nachhaltige Banken
Die untersuchten Banken legen Wert darauf, nicht in folgende Bereiche zu investieren:
- Waffen und Rüstung
- Kinderarbeit
- Arbeitsrechtsverletzungen
- Menschenrechtsverletzungen
- Atomkraft
- Fossile Brennstoffe
- Industrielle Tierhaltung
- Glücksspiel
Diese Kriterien sind entscheidend, um die Spreu vom Weizen zu trennen.
Ergebnisse der Untersuchung
Die Analyse aus dem Jahr 2020 zeigte, dass nur fünf der vierzehn untersuchten Banken sämtliche genannten Ausschlusskriterien vollständig erfüllten. Dies unterstreicht, wie wichtig eine detaillierte Prüfung ist. Selbst unter Banken, die sich explizit als nachhaltig positionieren, gibt es Unterschiede in der Stringenz ihrer Kriterien.
Aktuellere Informationen und detaillierte Bewertungen bietet die Stiftung Warentest. Eine im März 2025 veröffentlichte Untersuchung stuft drei Banken als „streng nachhaltig“ ein, während weitere zwölf als „nachhaltig“ bewertet wurden. Diese kostenpflichtigen Tests sind eine wichtige Ressource für Verbraucher.
Fair Finance Guide: Einblicke in die Bankenlandschaft
Neben spezialisierten Nachhaltigkeitsbanken gibt es auch viele traditionelle Finanzinstitute, die ihre unternehmerische Verantwortung und die Nachhaltigkeit ihres Kerngeschäfts betonen. Doch was steckt hinter diesen wohlklingenden Phrasen? Der Fair Finance Guide Deutschland hat dies genauer beleuchtet.
Die im Dezember 2025 veröffentlichte Untersuchung bewertete die sozialen und ökologischen Selbstverpflichtungen von 17 ausgewählten deutschen Banken und Sparkassen. Dabei wurden nicht nur die reinen Nachhaltigkeitsbanken, sondern auch Mainstream-Institute berücksichtigt. Dies ermöglicht einen breiteren Vergleich der gesamten Finanzbranche.
"Der Fair Finance Guide hilft Verbrauchern, die tatsächlichen Auswirkungen ihrer Bankgeschäfte zu verstehen und informierte Entscheidungen zu treffen."
Bewertungskriterien des Fair Finance Guide
Der Fair Finance Guide analysierte die Richtlinien der Banken in Bezug auf Kreditvergabe an Unternehmen, eigene Investitionen und Vermögensverwaltung. Die Untersuchung umfasste eine breite Palette von Themen, die für eine umfassende Nachhaltigkeitsbewertung relevant sind:
- Biodiversität und Klimawandel
- Korruption und Steuern
- Geschlechtergleichheit und Menschenrechte
- Arbeitsrechte
- Investitionen in kontroverse Sektoren wie Waffen, Nahrung, Forstwirtschaft, Bergbau, Öl und Gas sowie Stromerzeugung und verarbeitende Industrie
Diese umfassenden Kriterien ermöglichen es, die Nachhaltigkeitsleistung einer Bank über verschiedene Dimensionen hinweg zu beurteilen.
Die Initiative hinter dem Guide
Der Fair Finance Guide Deutschland ist Teil einer internationalen Initiative, des Fair Finance Guide International. In Deutschland wird er von Facing Finance e.V. koordiniert und in Zusammenarbeit mit SÜDWIND e.V. erstellt. Diese Kooperation stellt sicher, dass die Bewertungen auf fundierten Recherchen basieren und eine unabhängige Perspektive bieten.
Interessierte Verbraucher können unter www.geld-bewegt.de weitere Informationen zu ethisch-ökologischen Geldanlagen finden. Die Plattform bietet praktische Tipps und Hilfestellungen, wie man nachhaltig anlegen kann und worauf dabei zu achten ist.
Tipps für nachhaltige Anleger
Wer sein Geld nachhaltig anlegen möchte, sollte folgende Schritte beachten:
- Definition der eigenen Werte: Überlegen Sie, welche ethischen und ökologischen Kriterien Ihnen persönlich wichtig sind.
- Recherche: Nutzen Sie unabhängige Quellen wie die Verbraucherzentralen, Stiftung Warentest oder den Fair Finance Guide, um Banken und Produkte zu vergleichen.
- Fragen stellen: Zögern Sie nicht, Ihre Bank direkt nach ihren Nachhaltigkeitsrichtlinien und Investitionskriterien zu fragen.
- Transparenz fordern: Achten Sie auf Banken, die offen über ihre Investitionen und deren Auswirkungen berichten.
- Produktmerkmale prüfen: Lesen Sie das Kleingedruckte. Nur weil ein Produkt einen „grünen“ Namen trägt, ist es nicht automatisch nachhaltig.
Die Entscheidung für eine nachhaltige Geldanlage ist eine bewusste Wahl, die über finanzielle Aspekte hinausgeht. Sie ermöglicht es, mit dem eigenen Geld positive Veränderungen in der Welt zu bewirken und gleichzeitig eine solide finanzielle Basis zu schaffen.





