Australien macht einen entscheidenden Schritt in Richtung Dekarbonisierung seiner Industrie. Ein 2 Milliarden Australische Dollar (AUD) schweres Partnerschaftsabkommen zwischen Rio Tinto, der Regierung von Queensland und der australischen Bundesregierung sichert die Zukunft der zweitgrößten Aluminiumhütte des Landes über das Jahr 2040 hinaus. Gleichzeitig soll das Energieversorgungsnetz in Zentral-Queensland massiv auf erneuerbare Energien umgestellt werden.
Wichtige Punkte
- 2 Milliarden AUD staatliche Investition sichert Boyne Aluminiumhütte.
- Rio Tinto verpflichtet sich zu 7,5 Milliarden AUD für erneuerbare Energien.
- Gesamtinvestition von fast 9,5 Milliarden AUD für Dekarbonisierung.
- 1.000 direkte und 2.000 indirekte Arbeitsplätze in Gladstone bleiben erhalten.
- Umstellung auf Solar- und Windenergie mit Batteriespeichern.
Ein historisches Abkommen für nachhaltige Industrie
Die australische Bundesregierung und die Regierung von Queensland stellen jeweils 1 Milliarde AUD über zehn Jahre bereit. Diese Mittel sollen die Aluminiumhütte Boyne in Gladstone unterstützen. Im Gegenzug verpflichtet sich Rio Tinto, fast 7,5 Milliarden AUD in neue Anlagen zur Erzeugung und Übertragung erneuerbarer Energien zu investieren. Dies ist eine der größten industriellen Dekarbonisierungszusagen Australiens.
Die Vereinbarung zielt darauf ab, die Produktion von Aluminium in der Boyne Smelters Limited – an der Rio Tinto einen Anteil von 73,5 % hält – auch nach dem Auslaufen des derzeitigen Stromvertrags im Jahr 2029 bis mindestens 2040 fortzusetzen.
Faktencheck
- Gesamtinvestition: Fast 9,5 Milliarden AUD
- Staatliche Beteiligung: 2 Milliarden AUD (je 1 Milliarde von Bund und Queensland)
- Rio Tinto Investition: Fast 7,5 Milliarden AUD
- Betroffene Arbeitsplätze: 1.000 direkt, 2.000 indirekt
- Produktionsverlängerung: Bis mindestens 2040
Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit gesichert
Die Aluminiumhütte Boyne ist seit 1982 in Betrieb. Sie sichert 1.000 direkte Arbeitsplätze am Standort Boyne Island und weitere 2.000 indirekte Arbeitsplätze in der Region Gladstone. Die drei Produktionsstätten von Rio Tinto in Gladstone – die Boyne-Hütte, die Yarwun-Aluminiumoxidraffinerie und die Queensland-Aluminiumraffinerie – beschäftigen zusammen rund 3.000 Menschen.
Jérôme Pécresse, Chief Executive für Aluminium & Lithium bei Rio Tinto, betonte die Bedeutung der Partnerschaft.
„Da fossile Brennstoffe immer teurer werden, positioniert diese Investition, kombiniert mit den bereits unterzeichneten Stromabnahmeverträgen, Boyne als eine der weltweit ersten Aluminiumhütten, die von Solar- und Windenergie angetrieben wird.“
Er fügte hinzu, dass die Vereinbarung die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Boyne sichert und die langfristige Fortführung der Schwerindustrie wie der Aluminiumschmelze in Gladstone gewährleistet. Dies bewahrt eine der wenigen vollständig integrierten Aluminium-Wertschöpfungsketten weltweit.
Massiver Ausbau erneuerbarer Energien
Rio Tinto hat seit Januar 2024 Verträge über mehr als 2,8 GW erneuerbarer Energiekapazität und über 600 MW Speicherkapazität in fünf Projekten in Queensland abgeschlossen. Dieses Portfolio umfasst bedeutende Projekte:
- Das 1,1 GW Upper Calliope Solarprojekt von European Energy.
- Das 1,1 GW Bungaban Windprojekt.
- Das Smoky Creek & Guthrie’s Gap Solar- und Batterie-Hybridprojekt mit 540 MW Erzeugungskapazität und 2.160 MWh Speicherkapazität.
Zuletzt vereinbarte Rio Tinto die Abnahme von 40 % des Lower Wonga Solar- und Batterie-Hybridprojekts von Lightsource bp in der Nähe von Gympie. Dies entspricht 112 MWac Solarkapazität mit etwa drei Stunden zugehöriger Batteriespeicherung. Zusammen mit den bereits angekündigten 2,2 GW an Wind- und Solarenergie-Abnahmeverträgen für die Gladstone-Betriebe von Rio Tinto im Jahr 2024 sichern diese Vereinbarungen mehr als 2,8 GW zukünftiger erneuerbarer Energien in Queensland.
Hintergrund: Queensland im Wandel
Die Vereinbarung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Queenslands Attraktivität für Investoren im Bereich erneuerbarer Energien nach politischen Änderungen unter der Crisafulli-Regierung, die 2024 ihr Amt antrat, gesunken ist. Queensland, einst führend bei Investitionen in erneuerbare Energien in Australien, verzeichnete einen Rückgang des Investorenvertrauens. Dies liegt an strengeren Vorschriften für Projekte im Bereich erneuerbare Energien und Energiespeicherung.
Die Landesregierung hat strenge Planungsregeln für Photovoltaik, Windkraft und Energiespeicherung gesetzlich verankert. Dies schafft zusätzliche Hürden für die Projektentwicklung und trägt zur Unsicherheit im Investitionsumfeld bei. Vor diesem Hintergrund bieten die 2 Milliarden AUD der Regierung entscheidende Sicherheit für den Ausbau erneuerbarer Energien durch Rio Tinto und die langfristige Rentabilität der Hütte.
Zukunft der Fertigung in Australien
Der australische Minister für Industrie und Innovation, Tim Ayres, beschrieb die Ankündigung als beispielhaft für die Initiative „Future Made in Australia“. Sie unterstreicht das Engagement der Regierung, die heimische Fertigungsindustrie zu stärken und auf eine grüne Zukunft auszurichten.
Queenslands Minister für natürliche Ressourcen und Bergbau, Dale Last, betonte die strategische Bedeutung der Aufrechterhaltung souveräner Fertigungskapazitäten.
„In einer Zeit, in der Lieferkettenunterbrechungen weltweit zu spüren sind, ist diese Investition notwendiger denn je, um Queenslands souveräne Fertigungskapazitäten zu sichern und die nationale Widerstandsfähigkeit sowie die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.“
Diese Partnerschaft ist ein klares Signal für die Entschlossenheit Australiens, seine industrielle Basis zu dekarbonisieren. Gleichzeitig will das Land seine Position als wichtiger Akteur in der globalen Aluminiumproduktion festigen, gestützt auf saubere Energiequellen.
Die Umstellung auf erneuerbare Energien, insbesondere Solar- und Windkraft in Verbindung mit Batteriespeichersystemen (BESS), wird als zentrale Technologie für diesen Übergang angesehen. Sie ermöglicht es, die Energieversorgung der energieintensiven Aluminiumschmelze zu stabilisieren und gleichzeitig die Emissionen drastisch zu reduzieren.
Die Entwicklung in Queensland zeigt, wie staatliche Unterstützung und private Investitionen zusammenwirken können, um große industrielle Dekarbonisierungsprojekte voranzutreiben. Dies könnte ein Modell für andere energieintensive Industrien weltweit sein.





