Die steigenden Kosten für Strom und Gas stellen viele Haushalte vor große Herausforderungen. Wenn die Energierechnung unerwartet hoch ausfällt oder die monatlichen Abschläge nicht mehr tragbar sind, ist schnelles und informiertes Handeln gefragt. Es gibt verschiedene Wege, um finanzielle Engpässe zu überbrücken und eine drohende Strom- oder Gassperre abzuwenden.
Wichtige Schritte bei Zahlungsproblemen
- Rechnungen und Zählerstände regelmäßig prüfen.
- Finanzielle Rücklagen nutzen, bevor Kredite aufgenommen werden.
- Staatliche Hilfen wie Wohngeld oder Sozialleistungen beantragen.
- Ratenzahlung mit dem Energieversorger vereinbaren.
- Ausgaben im Haushalt genau überwachen und Sparpotenziale nutzen.
Abrechnungen genau prüfen
Ein erster wichtiger Schritt ist die sorgfältige Überprüfung der Energieabrechnungen. Fehler sind häufiger, als man denkt. Es ist entscheidend, dass die Zählernummer, die Anfangs- und Endzählerstände sowie der angegebene Preis pro Kilowattstunde korrekt sind. Auch die Verbuchung der eigenen Zahlungen sollte abgeglichen werden.
Verbraucher sollten regelmäßig, idealerweise mindestens einmal im Quartal, den Strom- oder Gaszähler ablesen. Das hilft, den eigenen Verbrauch im Blick zu behalten und böse Überraschungen bei der Jahresabrechnung zu vermeiden. Eine Tabelle kann hierbei hilfreich sein, um die Werte zu dokumentieren.
Faktencheck: Ihre Energierechnung
- Zählernummer: Stimmt sie mit Ihrem Zähler überein?
- Zählerstände: Sind Anfangs- und Endstände korrekt erfasst? Wurden sie abgelesen oder geschätzt?
- Preis: Ist der aktuelle Preis pro Kilowattstunde richtig angewendet worden?
- Zahlungen: Sind alle Ihre Abschlagszahlungen korrekt verbucht?
Abschläge anpassen
Stellen Sie sicher, dass Ihre monatlichen Abschlagszahlungen realistisch sind. Sind sie zu hoch, zahlen Sie möglicherweise unnötig viel Geld im Voraus. Sind sie zu niedrig, droht eine hohe Nachzahlung am Jahresende. Eine realistische Berechnung des monatlichen Abschlags erfolgt, indem der Jahresverbrauch in Kilowattstunden mit dem aktuellen Preis multipliziert, der Grundpreis addiert und die Summe dann durch zwölf geteilt wird.
Bei einer Preiserhöhung ist es ratsam, den Zähler am Stichtag abzulesen. So lässt sich der Verbrauch vor und nach der Preisanpassung getrennt berechnen. Bei Bedarf können Sie den Energieversorger bitten, die Abschläge an Ihren tatsächlichen Verbrauch anzupassen. Dies ist eine wichtige Maßnahme, um das monatliche Budget zu entlasten.
Finanzielle Engpässe überbrücken
Wenn ein kurzfristiger finanzieller Engpass besteht, sind Rücklagen die erste Wahl. Das eigene Ersparte einzusetzen, ist in der Regel wirtschaftlicher als die Nutzung eines Dispositionskredits, dessen Zinsen oft sehr hoch sind. Aktuelle Sparzinsen liegen deutlich unter den Dispozinsen. Die Nutzung von Rücklagen verhindert zudem zusätzliche Kosten durch Inkassoverfahren oder Verzugszinsen.
Vorsicht bei der Altersvorsorge
Es mag verlockend erscheinen, Altersvorsorgeverträge wie Riester, betriebliche Altersvorsorge oder private Lebensversicherungen aufzulösen, um schnell an Geld zu kommen. Doch dies sollte gut überlegt sein. Eine vorzeitige Kündigung kann zu erheblichen finanziellen Verlusten führen und die Altersvorsorge gefährden. Prüfen Sie stattdessen Alternativen wie eine Beitragsfreistellung, Stundung oder das Ruhendstellen des Vertrages.
Staatliche Unterstützung und Ratenzahlungen
Falls die Nachzahlung so hoch ist, dass sie aus dem laufenden Einkommen nicht beglichen werden kann, sollten Sie sich an staatliche Stellen wenden. Das örtliche Jobcenter oder Sozialamt kann bei Bedarf Leistungen gewähren. Nachzahlungen aus Heizkostenabrechnungen gelten als Bedarf in dem Monat, in dem die Forderung eingeht. Der Antrag muss dann noch im selben Monat gestellt werden.
Wenn keine Sozialleistungen in Anspruch genommen werden können, ist eine Ratenzahlung mit dem Energieversorger eine Möglichkeit. Es ist wichtig, eine Vereinbarung zu treffen, deren Ratenhöhe tragbar ist und die über einen längeren Zeitraum neben den laufenden Abschlägen gezahlt werden kann. Eine längere Laufzeit mit niedrigeren Raten ist oft die bessere Wahl.
„Bei Zahlungen an den Energieversorger ist es entscheidend, klar zu kennzeichnen, welcher Teil der Zahlung für laufende Abschläge und welcher für alte Forderungen bestimmt ist. Das vermeidet Missverständnisse und weitere Rückstände.“
Haushaltsfinanzen im Blick behalten
Ein detaillierter Überblick über Einnahmen und Ausgaben ist unerlässlich. Ein Haushaltsbuch hilft dabei, genau zu verfolgen, wohin das Geld fließt. Notieren Sie alle festen Ausgaben wie Miete, Nebenkosten, Strom und Versicherungen. Der verbleibende Betrag steht dann für den Lebensunterhalt zur Verfügung oder kann gespart werden.
Einnahmen erhöhen und Prioritäten setzen
Bei geringem Einkommen oder einer kleinen Rente lohnt es sich, Ansprüche auf staatliche Hilfen zu prüfen. Dazu gehören Wohngeld, Kinderzuschlag, BAföG, Elterngeld oder Grundsicherung. Diese Leistungen können das monatliche Budget erheblich entlasten. Ansprechpartner sind die Wohngeldstelle der Kommune oder die Familienkasse für den Kinderzuschlag. Ein Nebenjob kann ebenfalls eine Option sein, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen.
- Miete: Unbedingt pünktlich zahlen, um eine Kündigung zu vermeiden.
- Energiekosten: Priorität einräumen, um Sperren zu verhindern.
- Lebensmittel und Medikamente: Grundbedürfnisse sichern.
Wenn das Geld nicht für alle Rechnungen reicht, müssen Prioritäten gesetzt werden. Existenzielle Ausgaben wie Miete, Energiekosten, Lebensmittel und notwendige Medikamente haben Vorrang. Lassen Sie sich nicht von besonders drängenden Gläubigern beeinflussen, sondern entscheiden Sie objektiv, was am wichtigsten ist.
Die Miete ist für viele der größte Ausgabenposten. Ein Zahlungsverzug von zwei Monatsmieten oder einem erheblichen Teil davon kann eine Kündigung nach sich ziehen.
Spartipps für den Alltag
Auch im Alltag gibt es viele Möglichkeiten, den Energieverbrauch zu senken und damit Geld zu sparen. Kleine Änderungen im Verhalten können sich schnell bemerkbar machen. Dazu gehören das Ausschalten von Licht in ungenutzten Räumen, das Abschalten von Geräten im Standby-Modus oder die Nutzung energieeffizienter Haushaltsgeräte.
Was tun bei angedrohter Sperre?
Wenn der Energieversorger eine Sperre androht, ist schnelles Handeln entscheidend. Informieren Sie sich umgehend über Ihre Möglichkeiten. Die Verbraucherzentralen bieten hierzu umfassende Beratungen und Hilfestellungen an.
Vorsicht beim Geld leihen
Der Dispositionskredit ist nur eine kurzfristige Lösung für Engpässe, da die Zinsen sehr hoch sind. Von teuren Kleinkrediten oder Kurzzeitkrediten, die mit schneller Verfügbarkeit werben, ist dringend abzuraten. Diese können aufgrund hoher Zinssätze und oft versteckter Zusatzleistungen sehr teuer werden und die finanzielle Situation weiter verschärfen.





