Der slowakische Batteriehersteller InoBat strebt eine Notierung an der Nasdaq an. Das Unternehmen, das Batteriezellen und Energiespeichersysteme (BESS) entwickelt und produziert, hat eine Vereinbarung zur Fusion mit der US-amerikanischen Special Purpose Acquisition Company (SPAC) Cartesian Growth Corporation II getroffen. Diese Transaktion bewertet InoBat mit 1,265 Milliarden US-Dollar und soll dem Unternehmen Zugang zu den US-Kapitalmärkten verschaffen.
Wichtige Erkenntnisse
- InoBat plant Nasdaq-Listing durch Fusion mit SPAC Cartesian Growth Corporation II.
- Die Bewertung von InoBat liegt bei 1,265 Milliarden US-Dollar.
- 77,5 Millionen US-Dollar neues Kapital durch private Investitionen (PIPE).
- Die Fusion wird voraussichtlich Ende 2026 abgeschlossen sein.
- InoBat lieferte bereits 875 MWh an BESS-Kapazität und entwickelt Natrium-Ionen-Zellen.
Ein schneller Weg an die Börse
Ein SPAC-Merger bietet eine beschleunigte Möglichkeit für Unternehmen, an die Börse zu gehen, im Vergleich zu einem traditionellen Börsengang (IPO). Eine SPAC ist ein börsennotiertes Mantelunternehmen, das Kapital sammelt, um anschließend ein Zielunternehmen in einer bestimmten Branche zu erwerben und durch eine Geschäftskombination an die Börse zu bringen.
Die Popularität von SPAC-Fusionen stieg ab 2021 weltweit stark an. Auch der Energiespeichersektor erlebte in dieser Zeit mehrere solcher Kombinationen und anschließende Börsennotierungen. Experten wie Charles Lesser von Apricum warnten jedoch, dass SPAC-Fusionen für Energiespeicher-Startups zwar einen schnellen Weg zur Kapitalbeschaffung und Profilbildung darstellen können, aber auch Risiken bergen.
Wissenswertes über SPACs
- Eine SPAC ist ein Unternehmen ohne eigenes operatives Geschäft.
- Sie wird gegründet, um Kapital zu beschaffen und ein anderes Unternehmen zu erwerben.
- Der Erwerb führt das Zielunternehmen an die Börse.
- Dieser Prozess ist oft schneller als ein traditioneller IPO.
Finanzielle Details und Zeitplan
Die geplante Fusion bewertet InoBat mit 1,265 Milliarden US-Dollar. Im Rahmen der Transaktion wird InoBat zudem 77,5 Millionen US-Dollar an neuem Kapital durch private Investitionen in öffentliches Eigenkapital (PIPE) erhalten. Diese PIPE-Verpflichtungen stammen von institutionellen Anlegern und bestehenden InoBat-Aktionären.
Die Unternehmen erwarten, dass die Geschäftskombination Ende 2026 abgeschlossen sein wird. Cartesian II hat bereits einen Formular 8-K bei der US-amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde (SEC) eingereicht, der zusätzliche Informationen zu der vorgeschlagenen Transaktion enthält. Dies ist ein wichtiger Schritt im Genehmigungsprozess.
„Diese Fusion ist ein entscheidender Schritt für InoBat, um unsere innovative Batterietechnologie auf eine globale Bühne zu bringen und unsere Wachstumspläne zu beschleunigen“, so ein Sprecher von InoBat.
InoBats Technologie und Marktposition
InoBat montiert seine BESS-Lösungen in seiner Anlage in Voderady, Slowakei. Das Unternehmen gibt an, bisher 875 MWh an BESS-Kapazität für Versorgungsunternehmen geliefert oder vertraglich vereinbart zu haben. Dies unterstreicht die bereits bestehende Marktpräsenz und das Potenzial im Bereich der Großspeicherlösungen.
Neben der aktuellen Produktion konzentriert sich InoBat auf neue Märkte. Das Unternehmen zielt jetzt auch auf den Rechenzentrumsmarkt ab, der einen hohen Bedarf an zuverlässigen und leistungsstarken Energiespeichern hat. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung von Natrium-Ionen-Zelltechnologien (Na-Ionen). Diese Technologie gilt als vielversprechende Alternative zu Lithium-Ionen-Batterien, insbesondere in Bezug auf Rohstoffverfügbarkeit und Kosten.
Hintergrund: Natrium-Ionen-Batterien
Natrium-Ionen-Batterien nutzen Natrium statt Lithium als Ladungsträger. Natrium ist ein deutlich häufiger vorkommendes und günstigeres Element als Lithium. Dies könnte zukünftig zu kostengünstigeren und nachhaltigeren Batterielösungen führen, die weniger abhängig von kritischen Rohstoffen sind. Die Technologie befindet sich noch in der Entwicklung, aber mehrere Unternehmen investieren stark in diesen Bereich.
Herausforderungen nach dem Börsengang
Obwohl die Fusion InoBat die gewünschte Börsennotierung verschaffen kann, hat die Vergangenheit gezeigt, dass das Leben nach einem SPAC-Börsengang für Energiespeicherunternehmen herausfordernd sein kann. Einige Unternehmen, die zuvor diesen Weg gegangen sind, mussten ihre Strategien erheblich anpassen oder hatten mit Schwierigkeiten zu kämpfen.
- Stem Inc., ursprünglich bekannt für Hardware und Software im Bereich kommerzieller und industrieller Energiespeicher, hat sich weitgehend aus dem BESS-Hardwaregeschäft zurückgezogen. Das Unternehmen konzentriert sich nun auf margenstärkere Software- und Dienstleistungen für erneuerbare Energieanlagen.
- Li-Cycle, ein Batterie-Recyclingunternehmen aus den USA und Kanada, musste nach seiner SPAC-Fusion den Betrieb einstellen.
- Andere Unternehmen wie Iron flow battery maker ESS Inc., zinc hybrid cathode battery maker Eos Energy Enterprises und das Schwerkraft-Energiespeicher-Startup Energy Vault wurden etwa zur gleichen Zeit gelistet. Alle drei haben in den vier Jahren seitdem ihre Geschäftsmodelle erheblich verändert.
Diese Beispiele zeigen, dass ein Börsengang über eine SPAC zwar schnell sein kann, aber keine Garantie für langfristigen Erfolg darstellt. Eine solide Geschäftsstrategie und die Fähigkeit zur Anpassung an Marktbedingungen sind weiterhin entscheidend.
Neuester Trend: Zink-Batterieunternehmen an der Börse
Erst vor wenigen Wochen kündigte ein weiteres Zink-Batterieunternehmen, ZincFive, ebenfalls eine SPAC-Fusion an. Diese soll dem Technologieunternehmen eine Nasdaq-Notierung verschaffen und es mit rund 752 Millionen US-Dollar bewerten. Die Führung von ZincFive betonte, dass ihr Erfolg nicht auf zukünftigen Umsatzprognosen basiere, sondern auf formellen Kaufaufträgen von Blue-Chip-Kunden. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Anleger nach den Erfahrungen der letzten Jahre mehr Wert auf konkrete Aufträge und etablierte Geschäftsmodelle legen.
InoBat wird sich diesen Herausforderungen stellen und muss beweisen, dass seine Technologie und Strategie auch nach dem Börsengang nachhaltiges Wachstum ermöglichen. Die Entwicklung von Natrium-Ionen-Zellen und die Erschließung neuer Märkte wie Rechenzentren sind dabei wichtige Bausteine für die zukünftige Positionierung des Unternehmens.





