Gold wird oft als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten betrachtet, doch die Realität ist komplexer. Der Goldpreis unterliegt starken Schwankungen und ist keine risikofreie Investition. Experten raten, Gold nur als kleine Beimischung in einem diversifizierten Portfolio zu nutzen, um das Gesamtrisiko zu streuen.
Wichtige Erkenntnisse
- Gold ist keine sichere Geldanlage und schwankt stark im Preis.
- Als Beimischung kann Gold das Portfolio-Risiko mindern.
- Maximal 5 bis 10 Prozent des Vermögens in Gold investieren.
- Gold bringt keine Zinsen oder Dividenden.
- Physisches Gold birgt Lagerungsrisiken und Kosten.
Ist Gold eine sichere Geldanlage? Eine kritische Betrachtung
Trotz der aktuellen Höchstpreise ist Gold keine sichere Geldanlage. Der Goldpreis hat sich in den letzten 30 Jahren von rund 250 Euro auf über 4.000 Euro pro Unze entwickelt. Dieser Anstieg war jedoch von erheblichen Kurseinbrüchen begleitet. Anleger müssen sich dieser Volatilität bewusst sein.
Die Vorstellung, Gold sei ein garantierter Wertspeicher, kann irreführend sein. Während es in bestimmten Krisenzeiten eine stabilisierende Funktion erfüllen kann, ist es selbst starken Marktkräften ausgesetzt. Ein genauer Blick auf die historische Entwicklung zeigt, dass Gold keine Einbahnstraße nach oben kennt.
Faktencheck Goldpreis
- Letzte 30 Jahre: Anstieg von ca. 250 Euro auf über 4.000 Euro.
- Schwankungen: Dieser Anstieg war von starken Preisrückgängen unterbrochen.
- Aktueller Preis: Im Januar 2026 lag der Preis pro Unze bei rund 4.000 Euro.
Gold als Risikostreuung im Portfolio
Ein kleiner Goldanteil kann die Volatilität eines gesamten Portfolios reduzieren. Dies zeigte sich in verschiedenen Krisen: Während der Finanzkrise ab 2007 stürzten die Aktienmärkte ab, der Goldpreis stieg jedoch. Ähnlich verhielt es sich 2020 während der Corona-Krise, als viele Aktienkurse einbrachen und Gold neue Rekorde erreichte.
Auch im Jahr 2022, als Zinspapiere wie Anleihen aufgrund steigender Zinsen deutliche Verluste verzeichneten, entwickelte sich Gold positiv. In solchen Szenarien konnte ein Goldanteil die Verluste im Gesamtportfolio teilweise abfedern. Die Verbraucherzentralen empfehlen, nicht mehr als 5 bis 10 Prozent des Gesamtvermögens in Gold zu investieren.
„Als Beimischung in einem Anlagemix – zum Beispiel mit Zinspapieren und breit gestreuten Aktienfonds – kann Gold trotz seiner Preisschwankungen das Gesamtrisiko eines Portfolios senken.“
Argumente für eine Goldanlage
- Krisenwährung: Gold hat sich historisch als Wertspeicher in Zeiten von Kriegen, Depressionen und Währungsreformen bewährt.
- Portfoliostabilisierung: Es kann Verluste ausgleichen, wenn Aktienmärkte einbrechen oder Papiergeld an Wert verliert.
- Knappes Gut: Im Gegensatz zu Papiergeld kann Gold nicht beliebig vermehrt werden, was seinen intrinsischen Wert stützt.
Nachteile und Risiken einer Goldinvestition
Trotz der potenziellen Vorteile gibt es gewichtige Argumente gegen eine reine Goldanlage. Ein wesentlicher Punkt ist der sichere Verlust nach dem Kauf kleiner Mengen. Die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis liegt bei einer Unze Gold oft bei 5 bis 6 Prozent. Bei kleineren Mengen kann dieser Unterschied sogar 20 Prozent erreichen, bevor überhaupt ein Gewinn realisiert werden kann.
Die Aufbewahrung von physischem Gold ist ebenfalls mit Risiken und Kosten verbunden. Eine Lagerung zu Hause birgt Diebstahlrisiken und ist nicht immer ausreichend versichert. Ein Bankschließfach verursacht Gebühren, und eine Zusatzversicherung kann notwendig sein. Diese Kosten schmälern die Rendite zusätzlich.
Währungsrisiko und Rendite
Gold wird international in US-Dollar gehandelt. Wechselkursschwankungen können daher zu Verlusten führen, selbst wenn der Goldpreis in Dollar steigt. Zudem bringt Gold keine Zinsen oder Dividenden. Gewinne entstehen ausschließlich durch einen höheren Verkaufspreis als den ursprünglichen Kaufpreis.
Langfristig lag die reale Rendite von Gold seit 1900 im Schnitt bei etwa 0,8 Prozent pro Jahr. Dies ist deutlich weniger als die reale Rendite von Staatsanleihen (rund 1,8 Prozent) und Aktien (rund 5,1 Prozent). Gold ist somit langfristig oft weniger ertragreich als andere Anlageformen.
Möglichkeiten, in Gold zu investieren
Es gibt verschiedene Wege, in Gold zu investieren, die jeweils eigene Vor- und Nachteile mit sich bringen.
1. Goldbarren und Goldmünzen
Physisches Gold in Form von Barren und Münzen ist die direkteste Form der Goldanlage. Goldmünzen bestehen meist aus Feingold (999er). Eine Unze (31,1 g) kostete im Januar 2026 rund 4.000 Euro, wobei der Preis börsentäglich schwankt. Zusätzliche Lieferkosten können anfallen.
Beim Kauf und Verkauf ist zu beachten, dass Banken und Edelmetallhändler Gold zwar verkaufen, es aber nicht immer zurückkaufen. Die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis kann beträchtlich sein. Es wird empfohlen, eher wenige größere Stücke statt vieler kleiner Einheiten zu kaufen, um diese Spanne zu minimieren.
Wichtiger Hinweis: Goldhändler benötigen keine besondere Zulassung, weshalb es auch unseriöse Anbieter geben kann. Gewinne aus dem Verkauf von physischem Gold sind nach einer Haltedauer von 12 Monaten derzeit steuerfrei.
2. Goldschmuck
Goldschmuck ist in der Regel keine ideale Geldanlage. Er besteht meist aus Legierungen (z.B. 585er Gold = 58,5 Prozent Goldanteil). Der Kaufpreis eines Schmuckstücks beinhaltet nicht nur den reinen Goldwert, sondern auch den Verarbeitungsaufwand und die Händlermarge. Im Januar 2026 kostete ein Gramm Feingold rund 130 Euro, bei 585er Gold entsprechend nur etwa 76 Euro.
Der Goldwert macht oft nur einen Bruchteil des Verkaufspreises aus. Beim Wiederverkauf wird meist nur der reine Materialwert (Schmelzwert) vergütet. Als Geschenk mag Schmuck sinnvoll sein, als reine Geldanlage ist er jedoch weniger geeignet.
3. Gold-ETCs und Goldzertifikate
Gold-ETCs (Exchange Traded Commodities) oder ETNs (Exchange Traded Notes) sind rechtlich gesehen Schuldverschreibungen, die den Goldpreis nachbilden sollen. Ein bekanntes Beispiel ist Xetra-Gold mit laufenden Kosten von derzeit 0,36 Prozent pro Jahr. Hier besteht ein Emittentenrisiko: Sollte der Herausgeber insolvent werden, drohen Verluste, selbst bei angeblicher „physischer Besicherung“. Der Verkaufsprospekt sollte genau gelesen werden, um Details zur physischen Auslieferung zu verstehen.
Goldzertifikate sind im Grunde Wetten auf den Goldpreis und typische Spekulationsobjekte mit hohem Emittentenrisiko. Sogenannte Goldfonds sind in der EU streng genommen keine reinen Investmentfonds, die ausschließlich in Gold investieren, sondern ebenfalls Konstruktionen wie ETCs/ETNs.
4. Goldsparpläne
Die Verbraucherzentralen sehen Goldsparpläne kritisch. Sie sind oft mit hohen Kosten verbunden, da meist kleine Mengen gekauft werden und zusätzliche Gebühren anfallen. Die Auslieferung von echtem Gold ist nicht immer klar geregelt oder teuer, oft gibt es Mindestmengen.
Zudem besteht ein Pleite-Risiko des Anbieters. Wer nur kleine Beträge übrig hat, sollte Goldsparpläne meiden und stattdessen eine andere Anlageform wählen oder warten, bis größere Beträge für den direkten Kauf von physischem Gold zur Verfügung stehen.
5. Goldaktien und Gold-Aktienfonds
Wer in Goldaktien oder Gold-Aktienfonds investiert, investiert nicht direkt in Gold, sondern in Unternehmen, die Gold fördern. Die Kurse dieser Aktien können sich ganz anders entwickeln als der Goldpreis selbst. Selbst bei steigendem Goldpreis können diese Aktien fallen, da Unternehmensfaktoren wie Management, Produktionskosten oder politische Risiken eine Rolle spielen.
Kosten für Goldaktien umfassen Ordergebühren. Gold-Aktienfonds haben oft Ausgabeaufschläge und hohe laufende Kosten. Diese Anlageformen sind kein Ersatz für eine direkte Investition in physisches Gold.
Fazit der Verbraucherzentralen
Gold kann zur Risikostreuung beitragen, aber nur in kleinen Anteilen. Für den langfristigen Vermögensaufbau bleiben breit gestreute Aktien und Zinspapiere die wichtigeren Bausteine eines Portfolios. Eine Beimischung von maximal 5 bis 10 Prozent des Vermögens in Gold kann sinnvoll sein, um in Krisenzeiten Verluste in anderen Anlageklassen teilweise abzufedern.
Es ist jedoch ungewiss, ob sich Goldmünzen oder -barren in einer schweren Krise problemlos gegen Dinge des täglichen Bedarfs eintauschen lassen. Gold sollte daher als Ergänzung und nicht als Hauptbestandteil der Altersvorsorge betrachtet werden.





