Exchange Traded Funds (ETFs) erfreuen sich wachsender Beliebtheit als Anlageinstrumente. Sie gelten als kostengünstige und effiziente Möglichkeit, in die Finanzmärkte zu investieren. Doch nicht jeder ETF ist für jeden Anleger gleichermaßen geeignet. Die Auswahl des richtigen Fonds erfordert ein Verständnis der verschiedenen Typen, Indizes und Kostenstrukturen. Dieser Artikel beleuchtet die entscheidenden Kriterien für eine fundierte Entscheidung.
Wichtige Erkenntnisse
- ETFs bilden Indizes nach und sind börsengehandelt, was sie kostengünstiger macht als aktiv verwaltete Fonds.
- Eine breite Risikostreuung und niedrige Kosten sind entscheidend für den langfristigen Anlageerfolg.
- Weltweite Indizes wie MSCI All Country IMI oder FTSE All World bieten die beste Streuung.
- Achten Sie auf ein Fondsvolumen von mindestens 500 Millionen Euro, um Schließungen zu vermeiden.
- Thesaurierende ETFs sind für den Vermögensaufbau meist bequemer als ausschüttende.
Was sind ETFs und wie funktionieren sie?
ETFs sind eine spezielle Form von Investmentfonds. Ihr Name, Exchange Traded Fund, weist auf ihre wichtigste Eigenschaft hin: Sie werden an der Börse gehandelt. Dies unterscheidet sie von herkömmlichen Investmentfonds, die man direkt bei einer Fondsgesellschaft erwirbt. Der Börsenhandel bringt einen wesentlichen Vorteil mit sich: Anleger sparen den sogenannten Ausgabeaufschlag, der bei vielen anderen Fonds anfällt und oft bis zu 5 Prozent der Anlagesumme ausmachen kann.
Die zweite Besonderheit von ETFs ist ihre Anlagestrategie. Sie bilden immer einen bestimmten Index nach. Das bedeutet, ein ETF versucht nicht, den Markt zu schlagen, sondern dessen Entwicklung so genau wie möglich abzubilden. Dies führt zu deutlich niedrigeren jährlichen Verwaltungskosten im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds, die versuchen, durch gezielte Aktienauswahl Überrenditen zu erzielen.
Faktencheck: ETF-Vorteile
- Geringere Kosten: Keine Ausgabeaufschläge und niedrigere jährliche Verwaltungsgebühren (oft unter 0,2% p.a.).
- Transparenz: Die Zusammensetzung des Portfolios ist jederzeit nachvollziehbar, da ein Index abgebildet wird.
- Flexibilität: ETFs können während der Börsenöffnungszeiten jederzeit ge- und verkauft werden.
Die Bedeutung des richtigen Index für Aktien-ETFs
Der Erfolg eines ETFs hängt maßgeblich davon ab, welchen Index er nachbildet. Für den langfristigen Vermögensaufbau oder die Altersvorsorge empfehlen Experten Indizes, die eine möglichst breite Streuung über viele Aktien und Regionen bieten. Indizes mit nur wenigen Aktien oder solche, die auf spezielle Branchen oder Strategien setzen, bergen oft unnötige Risiken und führen im Durchschnitt zu unterdurchschnittlichen Renditen.
Eine breite Risikostreuung ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Anlagestrategie. Hier sind einige der am besten gestreuten Indizes, die sich für eine weltweite Anlage eignen:
- MSCI All Country IMI Index: Mit über 8.800 Aktien bietet dieser Index die breiteste Streuung über große, mittlere und kleine Unternehmen in Industrie- und Schwellenländern.
- FTSE All World Index: Dieser Index umfasst rund 4.200 Aktien aus Industrie- und Schwellenländern.
- MSCI All Country World Index: Hier sind etwa 2.500 Aktien aus Industrie- und Schwellenländern enthalten.
- Solactive GBS Global Markets Large & Mid Cap Index: Bildet rund 3.500 Aktien ab.
- MSCI World Index: Enthält rund 1.300 Aktien aus Industrieländern, jedoch ohne Schwellenländer und kleinere Unternehmen.
- FTSE Developed Index: Mit über 2.000 Aktien ebenfalls auf Industrieländer beschränkt.
Alternativ können Anleger ein Welt-Portfolio auch selbst zusammenstellen, indem sie ETFs auf verschiedene regionale Indizes kombinieren. Hierzu zählen beispielsweise der Stoxx Europe 600 für Europa, der S&P 500 für Nordamerika oder der MSCI Emerging Markets für Schwellenländer.
"Entscheidend für eine erfolgreiche Anlagestrategie sind nur zwei Faktoren: eine breite Risikostreuung und geringe Kosten." – Verbraucherzentrale
Kostenstrukturen und Fondsvolumen
Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der ETF-Auswahl sind die Kosten. Neben den einmaligen Ordergebühren für den Kauf – die je nach Broker zwischen Null und 1 Prozent liegen – sind vor allem die laufenden Verwaltungskosten entscheidend. Bei ETFs liegen diese meist unter 0,2 Prozent pro Jahr, während aktiv gemanagte Aktienfonds durchschnittlich über 1,5 Prozent verlangen. Auch die Transaktionskosten sind bei ETFs geringer, da die Wertpapiere im Fonds seltener gehandelt werden.
Das Fondsvolumen spielt ebenfalls eine Rolle. Eine einfache Faustformel besagt: Wählen Sie nur ETFs mit einem Fondsvolumen von mindestens 500 Millionen Euro. Kleinere Fonds bergen das Risiko, dass sie von der Fondsgesellschaft geschlossen oder mit anderen Fonds verschmolzen werden. Dies kann zu zusätzlichen Kosten und steuerlichen Konsequenzen führen, da eine Verschmelzung unter Umständen als Veräußerung gilt und Gewinne versteuert werden müssen, sofern der Sparerpauschbetrag ausgeschöpft ist.
Währung und Replikationsmethode
Die Fondswährung des ETFs ist für europäische Anleger in der Regel unerheblich. Ein weltweit streuender ETF hält automatisch einen breit gestreuten Währungskorb. Die Replikationsmethode (vollständig, optimiert oder synthetisch) beeinflusst das Risiko kaum. Alle drei Methoden sind etabliert und funktionieren gut. Eine optimierte Replikation, bei der nur ein repräsentativer Ausschnitt der Indexaktien gehalten wird, ist oft kostengünstiger und effizienter als eine vollständige Nachbildung.
Ertragsverwendung: Ausschüttend oder Thesaurierend?
Bei Aktien-ETFs fallen laufende Kapitalerträge in Form von Dividenden an, bei Anleihen-ETFs sind es Zinszahlungen. Diese Erträge können auf zwei Arten verwendet werden:
- Ausschüttend (distributing): Der ETF zahlt Dividenden und Zinsen regelmäßig, meist quartalsweise oder jährlich, an die Anleger aus. Diese Erträge sind steuerpflichtig, können aber mit dem Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (2.000 Euro für Verheiratete) verrechnet werden.
- Thesaurierend (accumulating): Der ETF reinvestiert die erhaltenen Erträge direkt wieder in den Fonds. Das Kapital im Fonds wächst dadurch, und Anleger müssen sich nicht um die Wiederanlage kümmern. Steuerlich fällt hier die sogenannte Vorabpauschale an, die ebenfalls auf den Freistellungsauftrag angerechnet wird.
Für den langfristigen Vermögensaufbau ist die thesaurierende Variante oft die bequemere Wahl, da der Zinseszinseffekt optimal genutzt wird und der Verwaltungsaufwand für die Wiederanlage entfällt. Steuerlich gibt es kaum Unterschiede, da beide Varianten ähnlich behandelt werden.
Die Tracking Differenz verstehen
Die Tracking Differenz beschreibt den Unterschied zwischen der Rendite des ETFs und der Rendite des nachgebildeten Index. Theoretisch sollte sie den laufenden Kosten entsprechen. In der Praxis kann sie jedoch variieren. Gründe dafür können unterschiedliche steuerliche Abzüge bei Dividendenausschüttungen, die Liquidität im Fonds oder Erträge aus der Wertpapierleihe sein. Bei großen, weltweit streuenden Aktienindizes ist die Tracking Differenz in der Regel sehr gering.
Anleger können die Tracking Differenz indirekt überprüfen, indem sie die historische Rendite des ETFs mit der des zugrunde liegenden Index vergleichen. Achten Sie dabei darauf, dass die Währungen des Fonds und des Index für den Vergleich übereinstimmen, da viele weltweite Indizes in US-Dollar berechnet werden.
Tipp für Anleihen-ETFs
Auch bei Anleihen-ETFs gibt es viele Indizes. Wichtig ist hier, auf die Restlaufzeiten der Anleihen, die Kreditwürdigkeit der Emittenten (Staatsanleihen sind sicherer als Unternehmensanleihen) und die Währung der Anleihen zu achten. Informationen dazu finden sich in den Factsheets der Indexanbieter.
Die Auswahl des richtigen ETFs erfordert zwar etwas Recherche, doch die Vorteile in Bezug auf Kosten und Risikostreuung machen sie zu einem attraktiven Instrument für den langfristigen Vermögensaufbau. Mit den genannten Kriterien können Anleger eine fundierte Entscheidung treffen und ihr Portfolio effizient gestalten.





